Corona-Krise
Erholung am US-Jobmarkt dürfte laut Experten weiter abflauen

Nachdem die Corona-Krise einen beispiellosen Einbruch am US-Arbeitsmarkt verursacht hat, stehen die Zeichen seit einiger Zeit auf Erholung. Der Wiederaufbau der Beschäftigung gerät jedoch zunehmend ins Stocken.

Freitag, 06.11.2020, 05:09 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 10:52 Uhr
Arbeitssuchende in Florida beantragen Arbeitslosengeld.
Arbeitssuchende in Florida beantragen Arbeitslosengeld. Foto: Carline Jean / South Florida Sun

Washington (dpa) - Nur wenige Tage nach den Präsidentschaftswahlen steht in den USA heute der Arbeitsmarktbericht für Oktober an. Experten gehen davon aus, dass sich die Erholung nach dem historischen Einbruch zu Beginn der Corona-Krise fortgesetzt, aber weiter an Schwung verloren hat.

Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang der Erwerbslosenquote von 7,9 auf 7,7 Prozent. Zudem werden rund 590.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft erwartet. Das würde bedeuten, dass die positive Entwicklung der Vormonate zwar anhält, der Aufwärtstrend sich aber erneut erheblich abschwächt.

Die Corona-Pandemie hatte die US-Wirtschaft in wesentlichen Teilen zum Stillstand gebracht, was die Arbeitslosenquote im April auf mehr als 14 Prozent in die Höhe schießen ließ. Damit erreichte sie den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem wurde zwar viel Boden wieder gutgemacht, doch die Beschäftigung ist noch immer deutlich vom Niveau vor der Krise entfernt. Angesichts einer neuen Welle von Corona-Infektionen bleibt die Lage am Jobmarkt kritisch, auch wenn ein erneuter großer Lockdown in den USA derzeit als recht unwahrscheinlich gilt.

«Die Beschäftigung dürfte im Oktober schwächer als zuvor zugelegt haben», heißt es im Ausblick von Commerzbank-Experte Christoph Balz. Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Zahlen bezüglich der Unternehmen, die die Zeitabrechnungssoftware von Homebase einsetzten. Hier habe es zuletzt sogar eine leichte Verschlechterung gegeben. Für eine Abschwächung des Jobaufbaus spreche zudem, dass die im Sommer von den Behörden für die Volkszählung eingestellten Mitarbeiter zunehmend wieder entlassen würden. Allein durch diesen Effekt dürften im Oktober etwa 150.000 zeitlich befristete Stellen weggefallen sein.

Hinzu kommt, dass Ökonomen immer wieder warnen, starke Rückgänge der Arbeitslosenquote nicht zu überschätzen. Denn die Statistik enthält längst nicht alle Amerikaner, die unbeschäftigt sind und gerne Arbeit hätten. Viele haben ihre Jobsuche entmutigt aufgegeben und werden in den Daten nicht erfasst. «Dadurch, dass sich sehr viele Menschen vom Arbeitsmarkt verabschiedet haben, ist die Arbeitslosenquote um knapp drei Prozentpunkte nach unten verzerrt», schätzt Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) geht davon aus, dass die wahre Arbeitslosenquote viel höher ist.

Auch die Entwicklung der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe deutet darauf hin, dass die Erholung am Jobmarkt ins Stocken gerät. In der vergangenen Woche betrug die Zahl der Erstanträge 751.000 und ging damit lediglich um rund 7000 gegenüber der Vorwoche zurück, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Im historischen Vergleich ist dies immer noch ein dramatisch hoher Wert. Experten hatten lediglich mit 735.000 neuen Anträgen gerechnet. In den Vormonaten hatte es noch deutlich stärkere Rückgänge gegeben.

© dpa-infocom, dpa:201106-99-230977/2

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