Barrierefreiheit
Bahnhöfe sollen attraktiver werden

Gerade kleine Bahnhöfe laden oft nicht gerade zum Verweilen ein. Das soll sich ändern. Reisende sollen sich künftig wohl fühlen und gut informiert werden.

Donnerstag, 25.02.2021, 15:08 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 15:10 Uhr
Ein Regionalzug der Deutschen Bahn fährt im Bahnhof von Biblis an einem Gleis ein.
Ein Regionalzug der Deutschen Bahn fährt im Bahnhof von Biblis an einem Gleis ein. Foto: Arne Dedert

Berlin (dpa) - Der Bund will zahlreiche Bahnhöfe in Deutschland in den kommenden Jahren attraktiver machen. «Die Fahrgäste wünschen sich moderne, saubere und barrierefreie Bahnhöfe», sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Donnerstag in Berlin. Dies lade ein, auf die Bahn umzusteigen.

Ziel seien sicht- und erlebbare Verbesserungen für die Reisenden. Es gebe Handlungsbedarf, dies stehe außer Frage. Konkret geht es um ein «BahnhofskonzeptPlus». Die Umsetzung ist bis 2026 geplant. So ist an 111 kleineren Bahnhöfen sowie an rund 50 mittelgroßen Bahnhöfen ein barrierefreier Umbau vorgesehen, indem etwa Rampen oder Aufzüge finanziert werden oder bessere Informationen für die Reisenden zur Verfügung stehen. Bei den mittelgroßen Bahnhöfen geben die Länder Mittel dazu.

Daneben geht es laut Ministerium um die Modernisierung von 40 kleinen und mittleren Empfangsgebäuden in Bahnhöfen, um den Aufenthalt für die Kunden angenehmer zu machen. Dazu gibt auch die Bahn Mittel. Geplant sind zum Beispiel neugestaltete Wartebereiche sowie energetisch erneuerte Dächer und Fassaden. Zu diesen Bahnhöfen mit bis zu 50.000 Reisenden pro Tag gehören zum Beispiel die Hauptbahnhöfe Tübingen, Ulm, Augsburg, Kassel, Krefeld, Neuss, Wanne-Eickel, Zwickau und Kiel.

Auch um das Handwerk in der Corona-Krise zu stärken, war bereits 2020 ein Bahnhofsprogramm gestartet worden, das weiterläuft. Dabei geht es um kleinere Maßnahmen wie neue Bänke oder Böden.

Scheuer sprach neben anderen geplanten Maßnahmen von Gesamtinvestitionen von mehr als fünf Milliarden Euro in mehr als 3000 Bahnhöfe. Das Ministerium gehe damit über das im Koalitionsvertrag vereinbarte «1000-Bahnhöfe-Programm» hinaus.

Der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla, sagte: «Renovierte Bahnhöfe mit barrierefreien Zugängen und digitaler Reisendeninformation - das ist das Ziel. Davon profitieren unsere Gäste in den Metropolen genauso wie im ländlichen Raum.» Bundesweit hat die Deutsche Bahn nach Angaben des Unternehmens rund 5700 Bahnhöfe, davon betreibt sie rund 700 Bahnhofsgebäude.

Nach Angaben der Bahn wurden im vergangenen Jahr weit mehr als 600 Stationen modernisiert. Zudem verbessere die Bahn kontinuierlich die Information für die Reisenden und setze auf neue Konzepte und besseren Service.

Der Verband Allianz pro Schiene und die Grünen sehen großen Handlungsbedarf bei kleinen Bahnhöfen. Der Geschäftsführer der Allianz, Dirk Flege, sagte, es gebe ein großes Gefälle zwischen kleinen Bahnhöfen auf dem Land und den meist gut ausgestatteten Bahnhöfen in den Großstädten. «Die kleinen Bahnhöfe sind aus Kundensicht in der Mehrzahl in einem unbefriedigenden Zustand», sagte Flege. «Teilweise präsentieren sich sogar in einer traurigen Verfassung und wirken regelrecht vernachlässigt.» Die Schiene müsse zurück in die Fläche. «Dazu gehört auch ein exzellenter Service schon vor und nach der Fahrt.»

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel sagte: «Bahnhöfe müssen wieder zu Visitenkarten der Städte und Gemeinden und zum Aushängeschild eines attraktiven Bahnsystems werden.»

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Zahl der Bahnkunden bis 2030 zu verdoppeln. Die Bahn spielt eine wichtige Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung.

© dpa-infocom, dpa:210225-99-591909/2

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