Deutlicher Rückgang
Corona hemmt Erfindergeist - weniger Patentanmeldungen

Während des ersten Corona-Lockdowns vor einem Jahr stand die Industrie weltweit nahezu still. Und offenbar nicht nur die Fabriken, sondern auch Forschung und Entwicklung.

Freitag, 05.03.2021, 07:32 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 07:34 Uhr
Die Corona-Pandemie hemmt den Erfindergeist in den Unternehmen.
Die Corona-Pandemie hemmt den Erfindergeist in den Unternehmen. Foto: Sven Hoppe

München (dpa) - Die Corona-Pandemie hemmt den Erfindergeist in den Unternehmen. Das Deutsche Patent- und Markenamt meldete am Freitag einen deutlichen Rückgang der Patentanmeldungen von fast acht Prozent im vergangenen Jahr.

Insgesamt wurden demnach 62.105 Erfindungen zum Patent angemeldet, 5327 weniger als 2019. Ähnliche Rückgänge gab es nach Angaben der Münchner Bundesbehörde in anderen Patentämtern großer Industriestaaten wie Japan und den USA.

Auffällig ist der Rückgang in der Autotechnik und anderen Industriezweigen wie dem Maschinenbau. Im Bereich «Transport» - der traditionell an der Spitze der Patentstatistik liegt - sanken die Anmeldungen um 16,6 Prozent auf 10.758. Einen Zuwachs gab es jedoch im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen, so bei Batterien und Brennstoffzellen. Die drei Unternehmen mit den meisten Anmeldungen gehören nach wie vor zur Autobranche: Auf den Plätzen eins und zwei lagen die Zulieferer Bosch und Schaeffler, gefolgt von BMW.

Ein großes Minus von 18 Prozent gab es auch bei den Maschinenelementen, ein kleineres von knapp drei Prozent bei elektrischen Maschinen, Geräten und Energie.

In anderen Bereichen beförderte die Pandemie ganz offensichtlich die Innovationsfreudigkeit. In der Medizintechnik gab es den Angaben zufolge mit 2883 Anmeldungen ein Plus von über zehn Prozent. In den Technikklassen, zu denen Gesichtsmasken und Schutzkleidung gehören, verfünffachten sich die Anmeldungen. «Die Pandemie hat zu weitgehenden ökonomischen Schäden geführt, in einigen speziellen Branchen die Wirtschaftstätigkeit aber stark angeregt», sagte die Behördenleiterin Cornelia Rudloff-Schäffer dazu.

Unternehmen liegen seit Jahrzehnten bei den Patentanmeldungen vorn, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Einzelerfinder spielen eine sehr viel kleinere Rolle. Dabei sind keineswegs alle Anmeldungen beim Patentamt deutsche Erfindungen: Knapp 20.000 Anmeldungen kamen im vergangenen Jahr aus dem Ausland, in aller Regel von Unternehmen, die ihre Erfindungen in Deutschland schützen lassen wollen.

Und in Sachen Patentstatistik ist auch Inland nicht gleich Inland. Auffällig ist das nach wie vor immense innerdeutsche Gefälle. Gut 40 Prozent aller Patentanmeldungen - insgesamt über 26.000 - kamen aus nur zwei Bundesländern: Baden-Württemberg und Bayern. Aus den fünf ostdeutschen Ländern und Berlin zusammen wurden dagegen zusammen nur 2528 neue Erfindungen angemeldet. Auch das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen rangierte mit 6532 Anmeldungen weit hinter den beiden Südländern.

Im Gegensatz zu den Erfindungen gab es einen Boom bei neuen Marken. Das Patentamt zählte 89 438 Markenanmeldungen, über 10.000 mehr als 2019 und so viele wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Rudloff-Schäffer sieht darin eine Folge des Booms im Onlinehandel. Die Corona-Krise habe viele Handelsaktivitäten auf das Internet verlagert. «Um damit erfolgreich zu sein, sehen viele Online-Anbieter den Bedarf, ihre Produkte und Dienstleistungen durch prägnante Marken schützen zu lassen – auch wegen entsprechender Anforderungen großer Handelsplattformen», sagte die Patentamtspräsidentin. Einen deutlichen coronabedingten Anstieg gab es auch bei den Marken für medizinische Apparate, Pharmaprodukte und Desinfektion.

© dpa-infocom, dpa:210305-99-697231/2

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