Probleme bei Pensionskassen
Corona setzt Altersvorsorge unter Druck

Die Corona-Pandemie lässt ein Ende der Zinsflaute in weite Ferne rücken. Das bedeutet nichts Gutes für die Altersvorsorge. Denn Pensionskassen und Lebensversicherer geraten immer mehr in Bedrängnis.

Mittwoch, 21.04.2021, 15:56 Uhr aktualisiert: 21.04.2021, 16:01 Uhr
Die Finanzaufsicht Bafin hält derzeit rund 40 der mehr als 130 Pensionskassen und rund 20 von 80 Lebensversicherern unter verschärfter Beobachtung.
Die Finanzaufsicht Bafin hält derzeit rund 40 der mehr als 130 Pensionskassen und rund 20 von 80 Lebensversicherern unter verschärfter Beobachtung. Foto: Boris Roessler

Bonn (dpa) - Die Corona-Krise verfestigt die Zinsflaute amFinanzmarkt, der Druck vor allem auf Pensionskassen wächst. Imvergangenen Jahr hätten rund 30 Pensionskassen finanzielleUnterstützung von ihren Trägerunternehmen oder Aktionären erhalten,die in der Regel auf mehrere Jahre gestreckt würden, berichteteDeutschlands oberster Versicherungsaufseher Frank Grund.«Es bleibt aber abzuwarten, wie leistungsfähig die Trägerunternehmenselbst in der Corona-Krise bleiben.»

Die Finanzaufsicht Bafin hält derzeit rund 40 der mehr als 130Pensionskassen und rund 20 von 80 Lebensversicherern unterverschärfter Beobachtung. Corona habe die größte Herausforderung fürPensionskassen und Lebensversicherer - das Niedrigzinsumfeld - nochverfestigt, sagte der Bafin-Exekutivdirektor bei derOnline-Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht.

Pensionskassen geraten in Schwierigkeiten

Erst jüngst hatte die Finanzaufsicht zwei Pensionskassen dieBetriebserlaubnis entzogen, weil diese die Mindestkapitalanforderungnicht erfüllten und ihre Finanzierungspläne zur Beseitigung derUnterdeckung unzureichend seien. Die Untersagung war bereits 2018angeordnet worden, nach einem Widerspruchsverfahren wurde sie am 1.Januar 2021 rechtskräftig.

Nach Angaben der Bafin haben in den vergangenen Jahren insgesamt 60Pensionskassen ihr Neugeschäft eingestellt. Eine besondere Häufungvon Fällen in der jüngsten Vergangenheit habe er aber nichtbeobachtet, sagte Grund.

Nach seinen Angaben haben Lebensversicherer einen größeren Spielraumzur Bewältigung der wegen der Corona-Krise wohl noch Jahreanhaltenden Niedrigzinsen am Finanzmarkt. Das gelte vor allem fürProdukte im Neugeschäft, sagte Grund. Erste Versicherer haben sichbei Neuverträgen beispielsweise von der vollständigen Garantie dereingezahlten Beiträge verabschiedet. In der Zinsflaute fällt es derBranche immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit für denAltersvorsorgeklassiker am Finanzmarkt zu erwirtschaften.

Versicherungsbranche zeigt sich bisher robust

Insgesamt zeigte sich Grund mit Blick auf die Lage der gesamtenVersicherungsbranche verhalten optimistisch. «Für Entwarnung ist esdennoch zu früh», mahnte er. «Wir wissen nicht, wie sich dieCorona-Pandemie weiterentwickelt und wie schnell sich die nationaleund internationale Realwirtschaft erholt.»

Das Bundesfinanzministerium hält eine Begrenzung der Kosten beimVerkauf von Lebensversicherungen weiter für notwendig. «Wir müssenimmer noch über eine Begrenzung der Kosten sprechen», sagteFinanzstaatssekretär Jörg Kukies bei der Veranstaltung. Die geplanteDeckelung der Provisionen war mangels Einigung zwischen Union und SPDzurückgestellt worden. Die Deckelung der Abschlussprovision beiRestschuldversicherungen sei im Bundestag dagegen auf einem gutenWeg, sagte Kukies.

Die Bundesregierung will es Verbrauchern einfacher machen, einenKredit beispielsweise für den Hauskauf abzusichern. DieRestschuldversicherung springt ein, wenn der Darlehensnehmerarbeitsunfähig beziehungsweise arbeitslos wird oder stirbt. Zuletzthatten Versicherer für die Vermittlung dieser Policen Provisionen vonteils mehr als 50 Prozent der Versicherungsprämie geboten. Künftigsollen nur noch maximal 2,5 Prozent der versicherten Darlehenssummeerlaubt sein.

© dpa-infocom, dpa:210421-99-292055/3

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