Biodiversität
Ein bedrohter Schatz: Die enorme Frosch-Vielfalt von Ecuador

Ein seltsam geformter Kopf, gelb-grüne Haut: In Ecuadors Regenwäldern leben einzigartige Frösche. Die Tiere interessieren nicht nur Biologen - auch für die Medizin können sie von Nutzen sein.

Freitag, 04.01.2019, 09:59 Uhr aktualisiert: 04.01.2019, 10:02 Uhr
Die Phyllomedusa tomopterna, eine Amphibie, die in Ecuador beheimatet ist.
Die Phyllomedusa tomopterna, eine Amphibie, die in Ecuador beheimatet ist. Foto: ---

Quito (dpa) - Das «Quak» des kleinen, gelben Frosches klang in den Expertenohren von Santiago Ron so ungewöhnlich, dass der ecuadorianische Biologe begann, das Tier zu erforschen.

Nach 15 Jahren konnten er und sein Team verkünden: Der gut drei Zentimeter große Scinax tsachila ist die 600. katalogisierte Amphibie, die in Ecuador beheimatet ist. Das südamerikanische Land ist für seine enorme Tier- und Pflanzenwelt bekannt

Gemessen an der Fläche hat Ecuador die größte Amphibienvielfalt der Welt, wie das wissenschaftliche Portal Bioweb schreibt. Nur in den wesentlich größeren Ländern Brasilien, Kolumbien und Peru gibt es insgesamt mehr Amphibienarten.

Eine Art, dessen Aussehen an ein totes Blatt erinnert («Edalorhina perezi»), einer mit einem dreieckigen Kopf («Hemiphractus scutatus») und eine Spezies mit gelb-grüner, fast durchsichtig scheinender Haut («Sachatamia ilex») - Frosch ist nicht gleich Frosch in Ecuador. Zudem gibt es laut Biologe Ron noch rund 200 Arten zu entdecken und zu untersuchen - man bräuchte ein «Heer an Biologen», um die ganze Vielfalt zu katalogisieren. Ron arbeitet an der Universidad Católica in Ecuadors Hauptstadt Quito.

«Von den 600 Amphibienarten in Ecuador sind 42,5 Prozent endemisch, das heißt, man kann sie nur in unserem Gebiet finden», erklärt er. 42,5 Prozent - das entspricht 255 Arten. «Diese Zahl ist höher als alle Amphibienarten zusammen, die in einem Land wie Argentinien existieren.»

Der Name des Froschs «Scinax tsachila» leitet sich von der indigenen Gemeinde «Tsáchila» ab, die in der Gegend um Santo Domingo de los Colorados und in angrenzenden Provinzen lebt, einem Regenwaldgebiet am Westhang der Anden. Dort entdeckte Ron die ersten dieser gelben Frösche.

Die Forschung ist auch von Nutzen für die Medizin: «Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Sekrete auf der Haut dieser Tiere ein hohes Potenzial für den therapeutischen Zweig und die Biomedizin besitzen», teilt das Umweltministerium mit. Schon jetzt gebe es Schmerzmittel und Antibiotika auf Basis von extrahierten Substanzen der Amphibien. Die Industrie sieht hier noch großes Potenzial.

Amphibien spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Erhaltung von Mooren, Dschungeln, Flüssen und Sümpfen. «Amphibien sind als Verbraucher und als Beute ein Zwischenglied in der Kette der Nährstoffe und Energien», schreibt das Portal Bioweb. Für die alten Kulturen Ecuadors haben Frösche schon immer für Fruchtbarkeit und Regeneration von Leben gestanden.

Vielen Arten geht es allerdings schlecht. Von den bekannten Froschspezies seien 18 «möglicherweise ausgestorben», teilt das Umweltministerium mit. 33 Prozent der Amphibien Ecuadors sind demnach vom Aussterben bedroht. «Die Zerstörung des Lebensraums, die Umweltverschmutzung, die eingeschleppten Arten, aufkommende Krankheitserreger, der Klimawandel, all das sind große Gefahren für diese Arten», so das Ministerium.

Die wachsende Landwirtschaft vermindere nach und nach die Waldfläche und sei einer der Hauptgründe für die Bedrohung der Arten. Biologe Ron sieht die Zukunft dennoch nicht nur negativ: Die Liebe zur Natur sei bei jungen Ecuadorianern spürbar. Das fördere ohne Zweifel die Erforschung und Konservierung der Arten.

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