Magma steigt auf
Studie belegt erstmals: Eifel-Vulkan brodelt noch

Im Eifel-Vulkan unter dem Laacher See steigt wohl Magma auf. Darauf deuten kurze Erdbebenserien hin, die Forscher registriert haben. Mit einem aktuellen Ausbruch rechnen sie aber nicht.

Mittwoch, 06.02.2019, 09:51 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 09:54 Uhr
Unter den Wassermassen des Laacher Sees schlummert ein Vulkan, der noch sehr aktiv ist, wie Forscher erstmals belegt haben.
Unter den Wassermassen des Laacher Sees schlummert ein Vulkan, der noch sehr aktiv ist, wie Forscher erstmals belegt haben. Foto: Thomas Frey

Mendig (dpa) - Ruhig und idyllisch liegt der Laacher See umgeben von Wald und Wiesen in der Osteifel. Nur aufsteigende Gasblasen im östlichen Uferbereich erinnern daran, dass unter den Wassermassen ein Vulkan schlummert. Und der ist noch sehr aktiv, wie Forscher erstmals belegt haben.

In einer Studie stellten sie seit 2013 acht Serien von niederfrequenten Erdbeben in 10 bis 45 Kilometern Tiefe fest. Dies seien Anhaltspunkte dafür, dass derzeit unter dem Laacher See-Vulkan magmatische Fluide aus dem oberen Erdmantel in die Erdkruste aufsteigen könnten, schreiben sie im «Geophysical Journal International».

«Der Eifel-Vulkanismus ist nicht erloschen, er ist langzeitschlafend», sagt Erstautor Martin Hensch, Geophysiker beim Landeserdbebendienst Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Freiburg. Die Bewegungen der Fluide in der Tiefe könne man als Anzeichen werten, dass sich Magmakammern in der Erdkruste langsam füllten. Die Erdbebenserien bedeuteten aber nicht, dass ein Vulkanausbruch aktuell bevorstehe, betont Ko-Autor Torsten Dahm vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.

Beim letzten Ausbruch vor knapp 13 000 Jahren habe die Befüllung der oberen Magmakammern rund 30 000 Jahre gedauert. «Das bedeutet, dass die magmatischen Prozesse während sehr langer Zeiträume ablaufen können, bevor es zu einer Eruption kommt», betonen die Forscher, zu denen auch Mitarbeiter des Karlsruher Instituts für Technologie und des Landeserdbebendienstes Nordrhein-Westfalen zählen.

Die Studie zeige, dass es wichtig sei, «noch mal genau hinzuschauen und die Gefährdungslage neu zu bewerten», sagt Dahm. Eruptionen kündigten sich an, etwa über Vulkangase und Deformationen an der Erdoberfläche. Die Frage sei, wann genau und über welchen Zeitraum solche Signale auftreten - «und ob wir in der Lage sind, sie zu messen». Die Forscher empfehlen, zusätzlich zum Messnetz des Erdbebendienstes, die Überwachung der austretenden Gase und die Messungen zu möglichen Veränderungen der Erdoberfläche zu intensivieren.

Die in der Osteifel gemessenen Erdstöße unterhalb von 40 Kilometern Tiefe seien «die tiefsten jemals in Deutschland gemessenen Erdbeben», heißt es. Insgesamt treten die niederfrequenten Beben («Deep Low-Frequency»; DLF) in dieser Region in größeren Tiefen auf und haben niedrigere Schwingfrequenzen als tektonische Beben. DLF-Beben würden weltweit als Hinweis auf Bewegung magmatischer Fluide gedeutet und regelmäßig unter aktiven Vulkanen etwa auf Island, in Japan oder auf der russischen Halbinsel Kamtschatka beobachtet.

Unklar ist laut Hensch, seit wann es solche Beben unter dem Laacher See gibt. Das Messnetz in Rheinland-Pfalz sei erst in den vergangenen zehn Jahren deutlich ausgebaut worden. «Seitdem sind wir in der Lage, solche Beben zu messen und zuverlässig zu lokalisieren.» Es liege aber nahe, dass es ähnliche Aktivitäten auch schon vorher gab.

Nach Angaben des Geophysikers Dahm ist der Eifel-Vulkanismus bundesweit einmalig, weil er sehr jung ist. Der jüngste Vulkan Deutschlands stehe dort: Das Ulmener Maar entstand vor rund 11 000 Jahren. «Die anderen Zonen sind nicht ganz vergleichbar, weil sie alle älter sind.» Lediglich in der Oberpfalz, vor allem im deutsch-tschechischen Grenzgebiet, gebe es noch Beispiele für CO2-Entgasungen mit Hinweis auf magmatische Prozesse im oberen Mantel.

«Die Eifel ist das größte Vulkangebiet Mitteleuropas», sagt der Geschäftsführer des Natur- und Geoparks Vulkaneifel, Andreas Schüller, in Daun. «Sie ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse.» Insgesamt um die 450 kleine und große Vulkane zeugten von Ausbrüchen, die das Mittelgebirge über mehr als 40 Millionen Jahre immer wieder erschüttert hätten. Die meisten davon seien nur kurz aktiv gewesen. Die Ergebnisse der Studie beunruhigen den Fachmann nicht. «Ich sehe das ganz entspannt.»

Der Ausbruch des Vulkans unter dem Laacher See vor rund 13 000 Jahren sei der «letzte heftige Vulkanausbruch in Mitteleuropa» gewesen: Damals seien rund sechs Kubikkilometer Material ausgeworfen worden - Ascheablagerungen konnten bis nach Südschweden und Norditalien nachgewiesen werden.

«Die Auswertung früherer explosiver Zentren in der Osteifel legt nahe, dass die Aktivitätsphase des Laacher See-Vulkans noch nicht beendet ist und es dort auch in Zukunft wieder zu Ausbrüchen kommen kann», sagt Dahm. Die Gefährdung in Deutschland sollte auch wegen der Endlager-Problematik neu erfasst werden. «In Deutschland existiert bisher noch kein Vulkan-Überwachungssystem, was aber sinnvoll wäre.» Wie das aussehen könnte, darüber wollen Experten auf einem Workshop der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft am 28. Februar und 1. März in Mendig sprechen.

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