Corona-Codex
Erfolgreich im Netz: Persönliche Vorsätze gegen die Corona-Pandemie

Frankfurt/Münster -

Holger Heinze, ein Unternehmensberater aus der Nähe von Frankfurt, hat unter dem Hashtag #coronacodex seine persönlichen Vorsätze formuliert. In einfacher Sprache als Kon­trapunkt zur komplexen Sprache von Medizinern und Behörden. Sein Webauftritt ist daraufhin "durch die Decke gegangen".

Donnerstag, 19.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 14:22 Uhr
Corona-Codex: Erfolgreich im Netz: Persönliche Vorsätze gegen die Corona-Pandemie
20 Sekunden gründliche Hände waschen. Foto: colourbox.de

"Panik hilft niemandem. Ignorieren aber auch nicht. Ich möchte besonnen, informiert und verantwortungsvoll mit der Corona-Pandemie umgehen und meinen Teil beitragen, sie zu besiegen.“ So beginnt ein Text, der seit einigen Tagen seine Kreise in den sozialen Netzwerken zieht und dessen Essenz in immer mehr Unternehmen und Haushalten als Plakat aushängt.

Unter dem Hashtag #coronacodex hat Holger Heinze, Unternehmensberater aus der Nähe von Frankfurt, seinen persönlichen Vorsatz formuliert, wie er mit der aktuellen Situation umgehen will. Über 870.000 Mal ist sein Text bislang gelesen und der Inhalt geteilt und angenommen worden.

Vom HNO-Arzt über Virus aufgeklärt

„Ich weiß, dass Covid-19 gefährlich ist“, lautet der erste von insgesamt sieben Feststellungen in klarer Sprache. Aus ihnen resultieren 15 Ableitungen, die das persönliche Verhalten betreffen. Die Verringerung sozialer Kontakte, die sorg­same Hygiene und die Wahrung von körperlicher Distanz gehören dazu genauso wie das Versprechen, unge­sicherte Informationen nicht zu verbreiten, anderen Menschen Hilfe zu leisten und vor allem Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Aspekte, die für Heinze als Bilanz ­hinter einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Corona-Virus und allem, was zu ihm bekannt ist, standen.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

„Ein guter Freund, ein HNO-Arzt, hat mir den Kopf gewaschen“, erinnert sich Heinze eine Woche zurück. Eigentlich wollte er sich mit ihm nur zu einem Treffen verabreden. Dann klärte ihn der Mediziner auf über Ansteckungsgefahren, Verbreitung und Dynamik des Virus. Der Arzt war mit seinem Wissen der Entwicklung ein paar Tage voraus, sah Heinze kurz darauf ein. „Ich war erst einmal vor den Kopf ge­stoßen. Dann habe ich michin einen 24-Stunden-Recherche-Tunnel begeben.“ Fühlte er sich hilflos angesichts der vielen Informationen? „Das war schon sehr überwältigend“, erklärt der Familienvater.

Anerkennende Kommentare als Motivation

„Aber ich habe mich nicht hilflos gefühlt.Ich habe eingesehen: Das Sinnvollste, was zu tun ist, kann ich tun. Und das ist, mich zu isolieren.“ So schrieb er, um die Informationen und Einsichten für sich zu zerlegen, den Codex auf – in einfacher Sprache als Kon­trapunkt zur komplexen Sprache von Medizinern und Behörden und mit einem nüchternen Grundton, ergänzt mit seriösen Quellen.

Überlebensregeln

Holger Heinze arbeitet auch zur Eindämmung des Covid-19-Virus im Homeoffice und hat nun auch bei geschäft­lichen Terminen seine Kinder an seiner Seite. Bei seinen Geschäftspartnern sei das in Telefonkonferenzen bislang unerwartet positiv an­gekommen, sodass Heinze auch diesem Umstand Gutes abgewinnen kann. Die un­gewohnte Situation hat ihn zu einem weiteren Beitrag inspiriert, der mit dem Coronacodex verlinkt ist: „20 Überlebensregeln für Familien im Covid19-Lockdown“.

...

„Überwältigend positiv“ seien die vielen prompten Reaktionen auf die Online-Veröffentlichung gewesen. Von dem befreundeten HNO-Arzt, aber auch von Menschen, die die Erklärungnicht nur für sich annahmen, sondern konstruktiv am Text mitarbeiteten. Holger Heinze bekommt Rückmeldungen von Menschen, die den Codex in ihren Unternehmen aushängen. Eine englische Version (#coronacode) ist online gegangen und „hebt gerade ab“, eine Übersetzung ins Spanische in Arbeit. „Es hat mich ziemlich gestresst“, sagt Heinze im Rückblick auf die vergangenen Tage.

Besonders am Sonntag, kurz nach der Veröffentlichung, sei der Webauftritt „durch die Decke gegangen“. Und doch wird er nicht müde, für eine Verbreitung zu werben. Ihn motivieren anerkennende Kommentare zu seiner Initiative und das Gefühl, eben nicht machtlos gegen das Virus zu sein. „Ich mag es, dass positive Vibes entstehen. Das gibt mir ganz viel Hoffnung.“

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