Blitzumfrage unter den Betrieben der Region
Das Virus erreicht das Handwerk im Münsterland

Münster -

Die Corona-Krise greift immer weiter um sich. Sie bringt auch die so lange stabile Konjunktur im münsterländischen Handwerk ins Wanken.

Donnerstag, 19.03.2020, 16:36 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 17:42 Uhr
Auch in den meisten Betrieben des Handwerkswird die Corona-Krise zunehmend spürbar.
Auch in den meisten Betrieben des Handwerkswird die Corona-Krise zunehmend spürbar. Foto: colourbox

Die Handwerkskammer (HWK) Münster schätzt, dass schon gut die Hälfte aller 28.444 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster direkt von der Corona-Krise beeinträchtigt ist. Das zeige eine Blitzumfrage, an der sich 1198 Betriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region teilgenommen hätten beteiligt haben. Von ihnen sagen 55 Prozent, dass die Krise sie selbst betreffe.

Kammerpräsident Hans Hund forderte des halb staatliche Zuschüsse in Höhe von „mindestens 5000 bis 25 000 Euro“, um die Betriebe in die Lage zu versetzen, ihren Zahlungsverpflichtungen weiterhin nachkommen zu können. Hund betonte jedoch, dass das heimische Handwerk hinter den ergriffenen staatlichen Maßnahmen zur Verlangsamung der Virusausbreitung stehe, um Zeit zu gewinnen.

Vereinfachtes Kurzarbeitergeld für alle Handwerksunternehmen

Als Folge der Pandemie befürchten 59 Prozent der befragten Betriebe Liquiditätsengpässe, 53 Prozent Kurzarbeit, 46 Prozent einen erhöhten Kreditbedarf und 23 Prozent Personalabbau.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Hans Hund: „Jetzt kommt es auf schnelle und unbürokratische Soforthilfen für Handwerksbetriebe an. Es ist gut, dass nun auch Soloselbstständige einbezogen werden sollen, die bislang unberücksichtigt blieben.“ Die Möglichkeiten zur Stundung von Steuerzahlungen und der Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen sowie Säumniszuschläge gehörten ebenso dazu wie die Anpassung der Steuervorauszahlungen.

Als weitere Werkzeuge zur Stabilisierung der Betriebe und deren Arbeitsplätzen schlägt HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz einen Anspruch auf ein vereinfachtes Kurzarbeitergeld für alle Handwerksunternehmen vor. „Die Zahlungsfähigkeit muss jetzt auch durch flexible Kredite, Darlehen und Bürgschaften gesichert werden.“

Nachlassende Kundennachfrage

In der Kammer-Blitzumfrage sehen sich die Betriebe am meisten betroffen von nachlassenden Kundenanfragen und Aufträgen: jeweils ein Drittel der Befragten in den drei Schweregraden „stark“ bis „sehr stark“, „gering“ bis „mäßig“ und „gar nicht“ bis „sehr gering“. Die „starke“ und „sehr starke“ Betroffenheit ist regional unterschiedlich ausgeprägt: Sie liegt in Gelsenkirchen bei 50 Prozent, im Kreis Recklinghausen bei 42 Prozent, im Kreis Warendorf bei 32 Prozent, in Bottrop bei 30 Prozent, in Münster und im Kreis Borken bei 29 Prozent und in den Kreisen Coesfeld und Steinfurt bei jeweils 27 Prozent.

Die nachlassende Kundennachfrage und damit Umsatzrückgänge spüren die privaten Dienstleister wie Friseure, Kosmetiker und Fotografen am deutlichsten von allen Handwerkssparten. Es folgen das Nahrungsmittelgewerbe und das Kraftfahrzeuggewerbe. Am wenigsten betroffen ist das Bauhauptgewerbe.

Über alle Branchen hinweg leiden unter Umsatzrückgängen 30 Prozent „stark“ bis „sehr stark“, 36 Prozent „gering“ bis „mäßig“, und nur 34 Prozent „gar nicht“ bis „sehr gering“.

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