Soforthilfen für Physiotherapeuten?
„Ansonsten geht hier alles kaputt“

Münsterland -

Manchen wundert dieser Umstand vielleicht, aber: Physiotherapeuten arbeiten noch. Doch immer mehr Termine werden abgesagt. Jetzt fordert der Verband für Physiotherapie finanzielle Soforthilfen von den Krankenkassen.

Freitag, 27.03.2020, 08:10 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 08:53 Uhr
Immer mehr Patienten sagen Termine ab: Darum fürchten die Physiotherapeuten um ihre Arbeitsplätze
Immer mehr Patienten sagen Termine ab: Darum fürchten die Physiotherapeuten um ihre Arbeitsplätze Foto: imago

Wenn Heike Ziemann in diesen Tagen zu einem Patienten fährt, hat sie manchmal ein ganz praktisches Problem: kein Mundschutz. Normalerweise braucht sie diese Masken nicht, sie ist Physiotherapeutin. Doch in diesen coronainfizierten Zeiten muss sie manchen Patienten schützen – etwa den, der vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen wurde und noch Probleme mit seiner Lunge hat. Mundschutzmasken hat sie bestellt und nicht bekommen – doch das ist nicht ihr größtes Problem.

Nicht aufschiebbare Behandlungen

Manchen wundert dieser Umstand vielleicht, aber: Physiotherapeuten arbeiten noch. „Es gibt viele Behandlungen, die medizinisch notwendig sind und keinen Aufschub ermöglichen“, sagt die Krankengymnastin mit Praxen in Dülmen-Rorup und Nottuln-Darup. „Wenn man jemanden mit einer starken Spastik wochenlang nicht bewegt, kann er sich irgendwann überhaupt nicht mehr bewegen.“ Frühgeborene brauchen ihre Hilfe ebenso wie Menschen, die auf eine Lymphdrainage angewiesen sind.

„Die, die behandelt werden müssen und sich trauen, kommen noch“, erklärt Ziemann. Doch immer mehr Termine werden abgesagt. Und so haben die Mitarbeiter in Heilmittelberufen – wie viele Berufstätige in anderen Branchen auch – längst weniger Angst vor dem Virus als vielmehr Angst um ihre Zukunft. „Ich fürchte, meine Existenz zu verlieren“, sagt Ziemann. Und sie hat Angst um die Arbeitsplätze ihrer zehn Angestellten.

Wir sind immer das kleine Licht, das keiner berücksichtigt.

Physiotherpeutin Heike Ziemann.

Da kommt der Ruf nach Hilfen nicht überraschend. Doch die Heilmittelberufler befürchten, vergessen zu werden, wenn der Bundestag am Freitag über Rettungspakete entscheidet. „Wir sind immer das kleine Licht, das keiner berücksichtigt“, findet Heike Ziemann. Und der Deutsche Verband für Physiotherapie schreibt dazu: „Sollte dies der Fall sein, nimmt die Politik wissentlich die Insolvenz von vielen Tausend Heilmittelerbringern in Kauf und gefährdet damit Hunderttausende von Arbeitsplätzen und die Gesundheit der Bevölkerung.“

Soforthilfen, sonst „geht hier alles kaputt“

Daraus resultieren klare Forderungen: „Der Verband fordert finanzielle Soforthilfen von der Gesetzlichen Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen. Wenn wir keine Leistung erbringen können, entstehen den Krankenkassen keine Kosten. Ganz im Gegenteil: Sie profitieren finanziell von dieser Situation, denn die Kosten für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sind im Haushaltsplan der Krankenkassen bereits eingeplant.“ Für die Krankenkassen sei es letztlich „ein Nullsummenspiel“, die Praxen nun zu unterstützen.

„Ansonsten“, befürchtet Ziemann wie ihre Berufskollegen, „geht hier alles kaputt.“ Und dann braucht sie auch keinen Mundschutz mehr – falls sie jemals Masken bekommt . . .

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