Abitur 2020 beginnt drei Wochen verspätet
Lehrer korrigieren Klausuren unter Zeitdruck

Düsseldorf -

Corona wirbelt alles durcheinander. Prüfungen, Stundenpläne, Zeugnisse. Das Land versucht, jetzt Abläufe zu organisieren.

Freitag, 27.03.2020, 15:50 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 19:53 Uhr
Yvonne Gebauer (FDP), Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Yvonne Gebauer (FDP), Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini

Das Warten hat ein Ende: Drei Wochen später als geplant sollen die rund 88.000 Abiturienten in NRW mit den Klausuren beginnen. Der Zeitplan ist durch die Corona-Pandemie knapp, wie Schulminister Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag einräumte: Bis zum 27. Juni sollen die Absolventen ihr Zeugnis erhalten.

  • Wie ist der genaue Zeitplan bis zum Abitur?

Nach den Osterferien soll der Schulbetrieb wieder anfahren, gab Gebauer bekannt. Es bleibe genügend Zeit, um den in zwei Wochen verpassten Stoff nachzuholen. Vom 12. bis 25. Mai werden die Klausuren geschrieben, auch am Brückentag nach Christi Himmelfahrt. Dabei werde darauf geachtet, dass korrekturintensive Fächer zuerst drankommen, um den Lehrkräften Zeit für die Durchsicht zu geben. Die Termine für die mündlichen Prüfungen werden noch festgelegt. Nachprüfungen gibt es höchstens auf Wunsch.

  • Wie laufen die Prüfungen ab?

„Die Prüfungen finden selbstverständlich unter Beachtung der Infektionssicherheit statt“, sagte die Ministerin. Für Schüler, die be-sonders gefährdet oder die zum Klausurtermin krank sind, werde es Nachschreibtermine geben.

  • Können die Aufgaben des Zentralabiturs trotz unterschiedlicher Termine genutzt werden?

Dafür will Gebauer mit möglichst vielen Ländern zu einheitlichen Terminen finden, um den gemeinsamen Aufgabenfundus zu nutzen. Ihr Haus sei aber vorbereitet, falls das nicht gelinge. Alle Länder erkennen das Abi 2020 gegenseitig an.

  • Was passiert an den Berufskollegs?

Rund 10.000 Schüler legen ihre Abi-Prüfung an den Berufskollegs im gleichen Zeit-raum ab. Für etwa 60.000 Schüler, die die Fachhochschulreife oder einen Berufsabschluss nach Landesrecht – beispielsweise Erzieherinnen und Erzieher – machen, will Gebauer noch einen Zeitplan festlegen. Auch hier gelten aber die Sommerferien als Grenze.

  • Was sagen die Lehrerverbände?

Der Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen nannte den Zeitplan ehrgeizig aber machbar. Oberste Priorität müsse der Gesundheitsschutz haben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte Korrekturtage ohne Unterricht für die Lehrer.

Kommentar

Auf Sicht fahren

Wer später ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Abi 2020“ im Schrank hat, kann zwar nicht auf eine tolle Sause zum Ende der Schülerkarriere zurückblicken, dafür aber auf das nach dem Turbo-Abi vielleicht größte schulpolitische Abenteuer: Das Abitur in Zeiten von Covid-19 verlangt von Schülern und Lehrkräften ein hohes Maß an Motivation, Leistungswillen und Flexibilität. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass die Prüfungen nur drei Wochen später als geplant starten und die Sommerferien trotzdem unangetastet bleiben.

Mit der geringfügigen Verschiebung dürfte Schulministerin Yvonne Gebauer ein vielfaches erleichtertes Aufatmen ausgelöst haben. Zumal die Ferien bisher ebenso für alle anderen Schulprüfungen so etwas wie eine natürliche Grenze darstellen. Ganz zwingend wäre das nicht, weil das Schuljahr formal erst am 31. Juli endet. Und vermutlich gehört diese Option zu den weiteren Szenarien, die Gebauer als Plan B oder C noch im Kö-cher hat. Auch eine Absage bleibt denkbar: Und glaubt man Praktikern, liegen Vor- und Abi-Note nicht weit auseinander.

Den in dieser Zeit heftiger Einschränkungen vielleicht wichtigsten Satz hat die Ministerin aber fast nebenbei auf Nachfrage gesagt: Sie geht davon aus, dass nach den Osterferien zumindest das Schulleben wieder beginnen kann. Natürlich ist das eine Momentaufnahme, entschieden wird das erst kurz vorher. Aber es ist ein Hoffnungsschimmer, der nicht nur die Abiturienten, Zehntklässler und Berufskolleg-Absolventen optimistisch stimmt.

Damit verbunden ist eine wichtige Frage, die nicht nur die Prüfungen begleiten wird: Es muss bis dahin klar sein, wie im Schulalltag der Schutz vor Infektionen geregelt werden kann. Während bei Klausuren großer Abstand ohnehin vorgesehen ist, wird der im Unterricht nur schwer durchzuhalten sein. Selbst wenn gesunde Kinder und Jugendliche nicht stark auf das Coronavirus reagieren – für Schüler mit Vorbelastungen, Lehrkräfte und Ganztagsbetreuer ist es ein Risiko.

Deshalb wirkt die Ankündigung, dass es bald wieder losgeht, unausgegoren – oder zumindest voreilig. Sie wirft mehr Fragen auf, als die Ministerin gerade beantworten kann. Auf Sicht zu fahren, ist derzeit noch die bessere Strategie. Immerhin: Das „Abi 2020“ und alle anderen Prüfungen zeigen über die Krise hinaus, wie flexibel das Schulsystem trotz hinkender Digitalisierung reagieren kann. Das kostet Kraft. Aber es geht.

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