Strategie gegen Corona
Testkapazitäten sollen erweitert werden

Düsseldorf/Münster -

In der Coronavirus-Krise streben Bund und Länder eine Ausweitung der Testkapazitäten für Infektionen mit dem Virus an. In NRW werden ab kommender Woche auch die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter an der Analyse von Corona-Tests beteiligen.

Freitag, 27.03.2020, 17:16 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 18:57 Uhr
Strategie gegen Corona: Testkapazitäten sollen erweitert werden
Eine Mitarbeiterin hält im Zentrallabor des LADR-Laborverbundes Dr. Kramer und Kollegen einen Abstrich eines molekularbiologischen Tests auf das SARS-CoV-2-Virus. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Deutschland will mit einer deutlich erhöhten Test-Intensität die Ausbreitung des Corona-Virus zunächst besser kontrollieren und damit eindämmen. „Die größtmögliche Erhöhung der Testkapazitäten ist überfällig“, steht in einem geheimen Papier für das Innenministerium. Die deutschen Behörden wollen sich am Beispiel Südkorea orientieren. Dort wurde deutlich mehr getestet, Erkrankte wurden rigoros isoliert. Die Ausbreitung in Südkorea konnte verlangsamt werden.

Die Bundesregierung soll bis Ende April dafür sorgen, dass täglich 200.000 Menschen getestet werden können. Derzeit liegen die Kapazitäten bei 300.000 in der Woche. In Zukunft sollen Personen sowohl „mit Eigenverdacht als auch der gesamte Kreis der Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen“ getestet werden. Die Betroffenen sollen den Rachenabstrich selbst vornehmen, um das Personal im Gesundheitssystem zu schützen und nicht zu überlasten. Die wirksame Kontrolle soll das mittelfristiges Hochfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft ermöglichen.

NRW-Ministerium stellt zusätzliche Labore bereit

Auch die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter in NRW unterstützen ab Montag die Analyse von Corona-Tests im Land. "Wir kommen dieser Bitte des Gesundheitsministeriums sehr gerne nach. Im Kampf gegen das neuartige Corona-Virus müssen wir alle Ressourcen nutzen und bündeln", erklärte Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser.

Die CVUÄ werden kurzfristig nacheinander in die Untersuchung der Tupferproben einsteigen und an ihren jeweiligen Standorten in Arnsberg, Detmold, Krefeld und Münster zunächst insgesamt 1.500 Proben pro Tag untersuchen können, teilte das NRW-Verbraucherschutzministerum am Freitag in Düsseldorf mit. Heinen-Esser: "Mit dieser hohen Kapazität werden sie die an der Überlastungsgrenze arbeitenden humanmedizinischen Labore wirkungsvoll unterstützen. Die CVUÄ sind fachlich und personell bestens für diese Aufgabe gerüstet."

Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter nutzen für die Diagnostik von bestimmten Tierkrankheiten dieselbe Methodik wie für die Corona-Diagnostik und sind dafür akkreditiert. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in den Laboren sind auf dem gleichen Niveau.

Testen, testen, testen

Das Virus fordert die globalisierte, wissenschaftlich und wirtschaftlich hoch entwickelte und vernetzte Welt heraus. Keinem Land wird es gelingen, sich vor den Folgen der Krankheit zu schützen. Es geht darum, aus den vorhandenen empirischen, technischen und politischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts die besten Strategien zu entwickeln – und umzusetzen.

Das Bundesinnenministerium orientiert sich offenbar am Weg Südkoreas. Dem Land, dessen Biotech-Firmen weltweit führend sind, gelang es relativ schnell, durch massenweise Ausweitung der Test-Kapazitäten lokale Infektionsherde einzugrenzen und dann konsequent zu isolieren. Die Infektionskurve flachte langsam ab – und das öffentliche Leben und die Wirtschaft konnte so vor allzugroßem Schaden bewahrt werden.

Deutschland kann und muss diesem Weg folgen. In diesem Land gibt es ausreichend Labor-Kapazitäten, wissenschaftliche Institute und Firmen, die eine fast flächendeckende Test-Infrastruktur aufbauen können. Und eine Bevölkerung, die im aktuellen Stillstand eindrucksvoll beweist, dass sie verstanden hat, was das Gebot der Stunde ist.

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