Fehlende Messdaten
Coronakrise führt zu schlechteren Wetterprognosen

Ingelheim/Münsterland -

Die Coronakrise macht auch vor der Meteorologie nicht Halt. Die Experten gehen davon aus, dass die Wetterprognosen in nächster Zeit schlechter werden. Der Grund: fehlende Daten.

Montag, 30.03.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 13:11 Uhr
Fehlende Messdaten : Coronakrise führt zu schlechteren Wetterprognosen
Die Coronakrise erschwert auch die Arbeit von Meteorologen. Die gehen davon aus, dass die Wetterprognosen schlechter werden. Foto: Colourbox.de

Die Corona-Pandemie trifft die Tourismus-Branche besonders hart. So sprach Deutschland zum Beispiel nicht nur eine weltweise Reisewarnung aus, sondern auch die Grenzen wurden teilweise geschlossen. Ähnlich haben es die meisten Länder der Welt gemacht. Der Tourismus ist fast komplett zum Erliegen gekommen.

Brachliegender Flugverkehr hat Auswirkungen auf Wetterprognosen

Aus diesem Grund ist der weltweite Flugverkehr ebenfalls massiv eingebrochen. Einige Airlines haben inzwischen ihren Betrieb vorübergehend komplett eingestellt. Das habe auch Auswirkungen auf Wetterprognosen.

"Die Flugzeuge liefern uns die Wetterdaten. Aus denen werden dann die Prognosen berechnet", erklärt Jürgen Schmidt vom Wetterkontor. Sind - wie aktuell der Fall - nicht mehr viele Flugzeuge unterwegs, so würde es weniger Daten zur Berechnung geben. Die Wetterprognosen würden sehr wahrscheinlich ungenauer, da schon der aktuelle Zustand der Atmosphäre nicht genau beziehungsweise nur lückenhaft bestimmt werden kann.

Davon geht auch der europäische Wetterdienst ECMWF aus. Schon bis zum 23. März seien die erhaltenen Wetterdaten durch den Flugverkehr um 65 Prozent zurückgegangen, heißt es.

Es ist damit zu rechnen, dass der Flugverkehr auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht wieder ansteigen wird - im Gegenteil. Aus diesem Grund sei auch davon auszugehen, dass die Wetterprognosen für einige Zeit nicht so genau sein werden, wie es sonst der Fall ist.

Welche Daten fehlen?

Drei Fragen an Paul Heger, Meteorologe bei wetter.com:

Welche Daten werden von Flugzeugen gesammelt?
Bei ihren Starts und Landungen durchschreiten Flugzeuge die untersten Kilometer der Atmosphäre und sammeln dabei wichtige Wetterdaten, wie zum Beispiel zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind. Durch den stark eingeschränkten Flugverkehr aktuell tun sich also genau in dem Bereich Datenlücken auf, in dem sich das Wetter entwickelt und stattfindet.

Was bedeuten solche Datenlücken genau für die Wettervorhersagen?
Wenn in der Datengrundlage nicht mehr genau erfasst wird, welche Temperaturen beispielsweise in welchen Höhenschichten herrschen, macht es das schwieriger vorherzusehen, ob es regnet, schneit oder gefrierenden Regen gibt. Zudem werden durch die generelle Reduktion der Datenmenge mittelfristige Vorhersagen ungenauer. Wie wird das Wetter in ein bis zwei Wochen, gibt es nochmal einen Kaltlufteinbruch? Aufgrund der fehlenden Daten könnten Modelle das weniger genau erfassen und berechnen. So könnte es auch zu der ein oder anderen Wetter-Überraschung kommen, die es mit mehr Flugzeugdaten nicht gegeben hätte.

Macht sich die Entwicklung bereits im Arbeitsalltag der Meteorologen bemerkbar?
Das ist sehr schwer einzuschätzen. Die Wettermodelle errechnen alle paar Stunden neue Vorhersagen, die sich dann immer etwas verändern. Wie eine Berechnung mit mehr Daten gewesen wäre, können wir nicht wirklich einschätzen, weil uns der Vergleich fehlt. Zudem wird jedes Wettermodell wieder anders auf Datenlücken reagieren. Bei sehr klaren Wetterlagen, die ohnehin einfacher vorhersagbar sind, sollten die Auswirkungen recht gering und durch die Erfahrungswerte der Meteorologen und Meteorologinnen ausgleichbar sein. Bei kniffligen Situationen kann es aber sicher mal zu Fehlprognosen kommen – Schauer und Wolken, die plötzlich doch entstehen oder eine mittelfristige Aussage, die auch mal daneben liegen kann.

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