Fehlende Erntehelfer in der Corona-Krise
Obst und Gemüse bald teurer?

Berlin/Münster -

Die Grenzen sind zu – und damit dürften auch weniger Erntehelfer ins Münsterland kommen. Viele Betriebe schlagen Alarm. Auch die Preise für Obst und Gemüse dürften ansteigen.

Mittwoch, 01.04.2020, 16:01 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 16:09 Uhr
In Deutschland dürften schon bald zahlreiche Erntehelfer fehlen.
In Deutschland dürften schon bald zahlreiche Erntehelfer fehlen. Foto: Silas Stein

Es ist nicht nur der Spargel: Bauernverbände und auch Politiker warnen vor Problemen bei der Produktion und der Ernte zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte. Als Folge könnten Preise für Obst und Gemüse steigen. Engpässe in der Versorgung drohen aber nicht.

„Viele Arbeitsprozesse auf den Höfen und in den landwirtschaftlichen Betrieben sind schwierig und hochkomplex“, sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, unserer Zeitung. Das kann man nicht an ein einem Tag lernen. Dies gelte zum Beispiel auch für das gesamte Spargelstechen. Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, ist besorgt, dass sich die Grenzsperrung für ausländische Saisonarbeitskräfte deutlich länger als bis Ostern und eventuell sogar bis in den Sommer hinziehen werde.

Tausende Arbeitskräfte fehlen

Dann würden weitere Sonderkulturen von Erdbeeren und Himbeeren über den Gemüse- bis zum Weinanbau in Mitleidenschaft gezogen. Die alternativ vorgeschlagene Beschäftigung von Menschen, die in ihrem normalen Job von Kurzarbeit betroffen sind, werde den Bedarf nicht ausgleichen: „Viele werden schon aus körperlichen Gründen nicht in der Lage sein, den Job lange auszuüben.“

In den Obst- und Gemüseanbaugebieten Südeuropas fehlen schon jetzt Tausende Arbeitskräfte. Dies wird nach Ansicht von Bauernpräsident Joachim Rukwied zu Preissteigerungen führen.

Ostereinkauf teilweise vorziehen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) möchte auch deshalb, dass ausländische Saisonarbeiter nach Deutschland kommen. „Wir werden auf Saisonarbeiter nicht verzichten können“, sagte sie.

Angesichts der Situation im Lebensmitteleinzelhandel appellierte der Handelskonzern Rewe an Kunden, den anstehenden Ostereinkauf zumindest teilweise vorzuziehen. „So können der Gründonnerstag und der Karsamstag, an denen wir mit mehr als zehn Millionen Kunden üblicherweise eine besonders hohe Nachfrage erleben, entlastet werden“, sagt Rewe-Chef Lionel Souque.

Kommentar

Eine traurige Saison

Deutschland braucht Erntehelfer – aber das nur unter dem Gebot des Infektionsschutzes. Sonst könnten schon bald vor allem kleinere Höfe sterben.

Die Abwägung zwischen Infektionsschutz und dem zumindest wieder teilweise Hochfahren der Produktion und dem Handel mit den daraus zu verkaufenden Waren erfasst fast alle Bereiche unseres (Wirtschafts-)Lebens. Vertreter der Bauernverbände und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner machen sich für einen Zuzug ausländischer Erntehelfer stark.

Natürlich geht ohne die Hilfskräfte vor allem aus Osteuropa auf den Feldern, in den Betrieben und Höfen nicht viel. Und natürlich erfordert das Einarbeiten deutscher „Erntehelfer“ Zeit und persönlichen Aufwand, den viele heimische Anbieter gerade in der Hochzeit der aktuellen Ernte nicht leisten können. Auf der anderen Seite der Abwägung steht aber auch die Einsicht, dass in Zeiten geschlossener Restaurants auch der Absatz zum Beispiel von Spargel deutlich sinken wird.

Gerade für kleinere heimische Höfe in Westfalen, die dringend auf diese Verkaufssaison angewiesen sind, ein trauriger Tatbestand. Diese Monate kommen nicht wieder, diese Kunden fehlen. Ein weiteres Höfesterben bedeutet aber auch ein weiteres Stück an Verlust heimischer Identität und Kultur. Dies ist keine Luxus-Debatte, sondern zeigt auch, welch großer Schaden der Lockdown in fast allen Bereichen unseres Lebens anrichtet.

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