Gronauerin startet Blog: „Die Liebe in Zeiten von Corona“
Bewahren, was uns stark macht

Gronau -

„Die Liebe in Zeiten von Corona“: So heißt der Blog, den die Gronauerin Christiane Nitsche vor rund zwei Wochen gestartet hat. Nach dem ersten Eintrag wirken daran inzwischen mehr als zehn Menschen mit. Und weitere sind mit ihren Erfahrungen zum Thema willkommen.

Donnerstag, 02.04.2020, 17:40 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 21:37 Uhr
Legt die Corona-Pandemie auch die Liebe auf Eis? Christiane Nitsches Foto legt diese Interpretation nahe. Doch ihre Texte verkünden eine ganz andere Botschaft.
Legt die Corona-Pandemie auch die Liebe auf Eis? Christiane Nitsches Foto legt diese Interpretation nahe. Doch ihre Texte verkünden eine ganz andere Botschaft. Foto: privat

„Wir werden wieder singen, sagt er. Und lieben. Und wir werden nicht mehr voneinander lassen. Er sagt das über das Knarzen in der Leitung hinweg, über die zu vielen Kilometer, über die Grenze, über ihre Uneinigkeit im Angesicht des Unsichtbaren, das sie trennt: Die Krone aller Krankheiten.“ So beginnt ein Text von Christiane Nitsche. Es ist der erste Beitrag für ihren Blog „Die Liebe in Zeiten von Corona“.

Autorin ist doppelt und dreifach betroffen

„Die Idee zu diesem Blog kam mir vor etwa zwei Wochen, kurz nachdem ich ausgebremst wurde. Die Gronauerin ist durch die Corona-Krise doppelt und dreifach betroffen: Der freiberuflichen Journalistin und Dozentin sind durch den derzeitigen Ausnahmezustand sämtliche Aufträge weggebrochen. Ihre für nächste Woche geplante Hochzeit im Rock‘n‘Popmuseum musste sie verschieben, weil das Museum geschlossen ist. Und ihr Liebster ist für sie während der Kontaktsperre nahezu unerreichbar, weil er in Amsterdam lebt.

„Ich habe in diesen Tagen viel Zeit am Rechner verbracht, wollte in Sachen Corona immer auf dem neusten Stand sein. Außerdem habe ich versucht, über meinen Bildungsträger ein Webinar anzubieten“, erzählt die 55-Jährige. Und dann schwang da in ihrem Hinterkopf dieses Wortspiel mit, bei dem aus „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ – einem Roman des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez – „Die Liebe in Zeiten von Corona“ wurde.

Es ist lange her, dass ich den Roman gelesen habe, aber ich wusste, die Geschichte hat irgendwas mit mir zu tun.

Christiane Nitsche

„Es ist lange her, dass ich den Roman gelesen habe, aber ich wusste, die Geschichte hat irgendwas mit mir zu tun.“ Nitsche schaute nach – auch dafür ist das Internet ein profundes Medium – und wurde fündig: Im Roman geht es um Florentino Ariza, der 51 Jahre, neun Monate und vier Tage auf seine Geliebte Fermina Daza wartet. Über ihre eigene Beziehung schreibt Christiane Nitsche: „Die Trennung ist das, was sie eint, seit vielen Jahren schon. Seit 26 Jahren, fünf Monaten und einer Handvoll Tagen. Seit sie einander kennen. Liebe kann das, wenn sie will.“ – Die Parallele zum Roman liegt auf der Hand.

„Die Liebe in den Zeiten der Cholera“

Über den Roman von Gabriel García Márquez schreibt der S.-Fischer-Verlag (der den Roman als Taschenbuch herausgegeben hat): „Die schönste Liebesgeschichte der Welt und einer der bedeutendsten Romane des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage wartet Florentino Ariza auf Fermina Daza.

Schon als Achtzehnjähriger hat er sich unsterblich in sie verliebt, in ihren stolzen Gang und den schweren Zopf auf ihrem Rücken. In poetischen Briefen hat er um sie geworben, für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit gewonnen, und sie dann doch an Doktor Juvenal Urbino verloren. Aber nie hat er aufgehört, sie zu lieben.“ Vielleicht haben Sie ja jetzt, da die Corona-Pandemie uns Entschleunigung aufnötigt, mal wieder Zeit, ein gutes Buch zu lesen.

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Und wenn sie nicht in digitalen Welten unterwegs war, dann bemerkte die Gronauerin im „analogen Alltag“ kleine Begebenheiten „wo Menschen Dinge angesichts der Krise anders wahrnehmen und anders, positiv anders handeln“. „Ich hatte den Gedanken, dass man diese kleinen Dinge, die medial gar nicht so präsent sind, festhalten muss, für die Zeit nach der Krise, wenn wieder andere Dinge in den Vordergrund rücken. Wenn die Fremdenhasser wieder lauter werden und die Koalitionäre sich wieder in die Köppe kriegen.“

Beides führte die poetisch angehauchte Autorin zusammen: Das Wortspiel wurde ihr zum Titel des Blogs, das Festhalten jener wertvollen Alltagsbegebenheiten zum Inhalt. Kaum hatte sie die ersten eigenen Texte veröffentlicht, da meldeten sich weitere „Beitragende und Unterstützer“ mit Texten und Ideen. Erfreut ging Christiane Nitsche daraufhin in die Offensive und lud weitere Menschen ein, am Blog mitzuwirken. „Inzwischen sind es schon mehr als zehn Menschen unterschiedlicher Couleur“, berichtet Nitsche. Täglich um 19 Uhr wird ein neuer Textbeitrag veröffentlicht. „Anonymisiert, um die Hemmschwelle zu senken. Das Urheberrecht bleibt aber auf alle Fälle gewahrt“, erklärt Christiane Nitsche.

Es soll ein Kanon der Liebe entstehen

Sie will die nächsten „arbeitslosen“ Wochen nutzen, die Struktur und Technik des Blogs weiter zu verbessern. Und so soll dann „ein Kanon der Liebe aus allen möglichen Kulturen entstehen, damit wir uns später nicht nur an die Schrecken und Ängste erinnern, sondern an das, was uns stark und menschlich macht.“

Wer sich am Blog von Christiane Nitsche beteiligen möchte, kann sich per E-Mail an sie wenden (loveisallyouneed.corona@googlemail.com).

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