NRW soll Patienten aufnehmen
Covid-19: Hilferuf aus den Niederlanden

Münster -

Die Krankenhäuser in NRW sollen nach einem dringenden Hilferuf aus den Niederlanden in einer landesweiten Aktion schwer erkrankte Covid-19-Patienten aus dem Nachbarland aufnehmen: Auf Bitte von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat sich Professor Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Münster, deshalb mit einem Aufruf an alle NRW-Krankenhäuser gewandt.

Sonntag, 05.04.2020, 17:18 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 09:09 Uhr
In den Niederlanden fehlen Intensivbetten. Darum hat sich Prof. Hugo van Aken vom UKM (kleines Bild) im Auftrag des NRW-Gesundheits
In den Niederlanden fehlen Intensivbetten.Darum hat sich Prof. Hugo van Aken vom UKM im Auftrag des NRW-Gesundheitsministeriums an alle Kliniken gewandt. Foto: dpa

Weil in den Niederlanden ein „eklatanter Mangel an in­tensivmedizinischer Versorgungskapazität im Rahmen der Covid-Pandemie herrscht“, sollen alle Hospitäler prüfen, ob sie ein oder zwei Patienten aus dem Nachbarland aufnehmen können, schreibt Van Aken in einem Brief, der unserer Zeitung vorliegt. Hintergrund: Die niederländische Regierung hat in der Corona-Krise zunächst auf wenig einschneidende Maßnahmen gesetzt, steuert aber – nach einer Infektionswelle – um. Es gibt nun zu wenig Betten auf den Intensivstationen, Ärzte sind deshalb gezwungen, Patienten auszuwählen.

Hilfe in Notlage

Van Aken schreibt dazu: Während es in Deutschland zirka 34 Intensivbetten pro 100 000 Einwohnern gebe, hielten die Niederlanden hiervon nur sieben vor. In NRW gebe es 5000 Intensivbetten, davon die Hälfte in Krankenhäusern der Maximalversorgung und Unikliniken. Es gebe daher (noch) freie Behandlungskapazität.

Deshalb kann man den Niederländern aus ihrer Notlage helfen. Eine koordinierende Rolle soll dabei dem Brief Van Akens zufolge die Uniklinik Münster wahrnehmen. Dazu stehe die Stabsstelle „Internationales Pati­entenmanagement“ zur Verfügung. Von dort aus werde die Informationsweitergabe an die niederländischen Stellen erfolgen, die weiteren Absprachen sollen dann direkt von Krankenhaus zu Krankenhaus passieren.

Unterdessen stößt das von der NRW-Landesregierung geplante Epidemiegesetz bei Experten auf Skep­sis. In Stellungnahmen für eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des Landtags am heutigen Montag äußerten unter anderem Vertreter von Pflegern, Ärzten und Kommunen Bedenken. Zuvor hatte schon die Opposition die Gesetzesinitiative abgelehnt. Damit will das Land unter anderem Ärzte und Pfleger im Notfall zwangsverpflichten können und medizinisches Material sicherstellen.

Berufsverband protestiert

Der Berufsverband für Pflegeberufe protestiert nach Angaben der dpa „mit Vehemenz gegen die Zwangsre­krutierung von Pflegefachpersonen“. Für die Mediziner erklärten die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe, eine zwangsweise Verpflichtung von Medizinern werde „ins Leere laufen“. Die Kommunen bemängelten, dass das geplante Gesetz einen sehr weiten Eingriff des Gesundheitsministeriums in die Krankenhausstruktur zulasse.

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