Absage von Großveranstaltungen
Besucher und Reisende dürfen mit Rückzahlung rechnen

Völlig überraschend kam das Verbot von Großveranstaltungen für die nächsten viereinhalb Monate am Mittwoch nicht mehr. Die Enttäuschung vieler Besucher war dennoch riesig. Kriegen sie wenigstens ihr Geld zurück? Und was ist mit Urlaubern?

Donnerstag, 16.04.2020, 15:19 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 07:31 Uhr
Absage von Großveranstaltungen: Besucher und Reisende dürfen mit Rückzahlung rechnen
Festival-Besucher bekommen ihr Geld zurück. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Keine Großveranstaltung bis Ende August in Deutschland - ein schwerer, schwerer Schlag für die Veranstalter. Und natürlich auch für Besucher, die sich bereits mit Karten, etwa für Festivals, eingedeckt hatten. Rock am Ring, Rock im Park, Hurricane, Wacken, Fusion, Vainstream - alles fällt aus. Nachholtermine im Herbst wären wohl zu vage, vom schlechteren Wetter ganz abgesehen. Schwammig blieb bisher, bis zu welcher Größe Veranstaltungen untersagt sind. Doch Größenordnungen schon mit mehreren hundert Gästen scheinen kaum zulässig. Konzerte könnten immerhin irgendwann nachgeholt werden.

Wer jetzt schon eine Karte erworben hat, kann aber guter Dinge sein, sein Geld zurückzuerhalten. "Im Falle einer Absage kommt der Veranstalter seiner Leistungspflicht nicht nach", betont die Verbraucherzentrale. Fast alle Events sind bereits offiziell gecancelt, womit diese Regelung greift. Zurück gibt es den bezahlten Preis am besten dort, wo das Ticket auch erworben wurde.

BVB hofft auf Verzicht

Fußballspiele werden ebenfalls für diesen Zeitraum nur ohne Zuschauer stattfinden können. Wer eine Dauerkarte besitzt oder bereits Tickets für einzelne Partien gekauft hat, darf das Geld zurückbeanspruchen. Auch wenn einige Clubs wie Borussia Dortmund schon darum geworben haben, genau auf diesen Schritt zu verzichten. Der FC Schalke 04 versprach Fans, die die letzten vier Heimspiel nicht sehen und trotzdem nichts wiederverlangen, ein Trikot. 

Die Uefa verschickte am Donnerstag eine Mail an alle, die Karten für die um ein Jahr verschobene EM besitzen. Darin hieß es, dass niemand, der 2021 das Turnier nicht besuchen möchte, auf seinem Ticket sitzen bleibe und dass der europäische Verband in diesem Fall so schnell wie möglich eine Rückerstattung vornimmt. Weil der exakte Plan für die Spiele noch nicht steht (manche Austrangungsorte könnten nicht mehr zur Verfügung stehen), bitten die Verantwortlichen um Geduld.

Keine kurze Frist

Sorgen um schnelle Fristen, in denen die Geltendmachung beantragt werden muss, braucht sich niemand zu machen. In der Regel ist hier laut Verbraucherzentrale von drei Jahren auszugehen. Auch eine Verschiebung müsse niemand einfach hinnehmen (siehe Fußball-EM). Sollten irgendwann wieder Events dieser Art erlaubt sein, jemand mit gültigem Ticket möchte aber aus Angst vor dem Coronavirus nicht teilnehmen, muss er auf Kulanz hoffen.

Die Deutsche Bahn dürfte Reisen, die in Verbindung mit dem Virus nicht angetreten werden können (Turniere, Sportveranstaltungen) wohl auch über den 30. April hinaus in gleichwertige Gutscheine umwandeln. Auf der Homepage www.bahn.de gibt es immer aktualisierte Infos. Bei Hotels ist vieles davon abhängig, ob sie separat gebucht wurden oder (besser) im Paket.

Reisen ungewiss

Zum Reisen allgemein gibt es hingegen nur wenige belastbare Verlautbarungen. Die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung gilt bis Ende April. Das Auswärtige Amt muss entscheiden, ob sie sie verlängert oder zumindest abschwächt. Diese Entscheidung steht noch aus. Viele Reiseanbieter haben aber bereits ihre Mai-Reisen abgesagt.

Es wird erwartet, dass zunächst Reisen innerhalb Deutschlands wieder möglich sein werden. Wann genau, ist offen. Nach dem Beschluss von Bund und Ländern vom Mittwoch sollen Übernachtungsangebote im Inland bis auf weiteres nicht für touristische Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Am 30. April soll die Lage neu bewertet werden.

Einreisestopps für Ausländer

Reisen ins Ausland dürften erst später wieder machbar sein. Derzeit gelten in vielen Ländern weiterhin Einreisestopps für Ausländer. Das öffentliche Leben ist eingeschränkt, Hotels sind geschlossen. Nach geltendem Recht steht Pauschalurlaubern die Erstattung des Reisepreises binnen 14 Tagen zu, wenn der Veranstalter die Reise storniert hat. Die Reiseveranstalter pochen jedoch darauf, stattdessen Gutscheine ausgeben zu dürfen, um liquide zu bleiben. Das Argument: Andernfalls drohen massenhaft Insolvenzen. Einige Unternehmen haben indes bereits Rückzahlungen vorgenommen.

Gutschein-Lösung?

Die Bundesregierung will die Gutschein-Lösung, die Entscheidung liegt aber in Brüssel. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte klar: Europaweit hätten die Menschen rein rechtlich die Wahl, ob sie das Geld oder einen Gutschein wollten.

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