Laumann bleibt bei Lockerungen vorsichtig
Heimbesuche zum Muttertag

Düsseldorf -

Wochenlang ohne Kontakt mit engen Verwandten im Pflegeheim - für viele alte Menschen war die Corona-Krise eine besonders große Belastung. Nun werden die Besuchsverbote endlich aufgehoben. Viele Heime haben sich schon vorbereitet.

Dienstag, 05.05.2020, 16:14 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 19:13 Uhr
Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl.
Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. Foto: Tom Weller

Seinen Sinn für Traditionen hat er auch im dichten Corona-Stress nicht verloren: „Ich finde, das ist die richtige Botschaft zum Muttertag“, begründete Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann seinen Vorstoß, in Alten- und Pflegeheimen ab Sonntag wieder Besuche zu erlauben. Gerade weil damit aber ein hohes Gesundheitsrisiko für Senioren und Pflegebedürftige verbunden ist, sei dies „eine der schwierigsten Fragen“. Allerdings hätten sie besonders unter dem Besuchsverbot zu leiden. „Wir wissen, die Isolation hat Riesenprobleme ausgelöst“, sagte Laumann am Dienstag nach der Kabinettssitzung.

Voraussetzung für Besuche ist, dass die Alten- und Pflegeheime außerhalb der Wohngebäude in Zelten, Containern, auf Terrassen oder in Besuchszimmern im Eingangsbereich Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Dann dürfen maximal zwei Besucher empfangen werden. Falls Bewohner ihr Zimmer nicht verlassen können, darf ein einzelner Besucher in Schutzkleidung hinein. Die hygienischen Vorschriften müssten eingehalten werden, betonte Laumann. Entstehende Kosten könnten sich die Einrichtungen über die Pflegeversicherung erstatten lassen.

Behindertenwerkstätten sollen Arbeit wieder aufnehmen

Ausgenommen von der Erlaubnis sind Heime, in denen Corona-Infektionen nachgewiesen sind. Zur Sicherheit müssen alle Besucher erfasst werden und einen kurzen Fragebogen zu ihrer Gesundheit beantworten. Der Minister will allen rund 2200 Einrichtungen einen Muster-Fragebogen des Uniklinikums Münster empfehlen.

Die Öffnung für Besuche gilt überdies auch für Behinderteneinrichtungen. Laumann betonte, hier seien ausdrücklich auch die Appartements der Bewohner zugänglich. Parallel sollen die Behindertenwerkstätten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Sie seien nicht nur Produktionsstätten, „sondern Teil der Tagesstruktur“.

Mehr Personen sollen getestet werden

Über weitere Lockerungen will die Landesregierung in-des erst nach der Videokonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch entscheiden. Das gelte sowohl für eine mögliche Öffnung der Gastronomie als auch für die Fragen, welche Formen von Veranstaltungen künftig erlaubt sind, sagte Laumann. Auch über die Freigabe von Sportstätten werde dann entschieden.

Die Entwicklung der Infektionen mit dem Coronavirus nannte der Gesundheitsminister „eine sehr entspannte Situation“. Derzeit seien in NRW 6101 Personen akut infiziert, 1139 in stationärer Behandlung. Hier zeige sich, dass die Öffnungen vor zwei Wochen keine negativen Auswirkungen gehabt haben. „Das ist der Rahmen, wo weitere Veränderungen in Richtung Öffnung vorstellbar sind.“ Dafür sollen auch mehr Personen getestet werden. Für künftige Lockerungen werde zudem die regionale Lage in Kreisen und Städten genauer beobachtet

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