Pfingsten in Berlin
Hunderte Boote sorgen für Polizeieinsatz

Berlin -

Die Berliner können sich wieder auf Kneipenbesuche und Freiluftkinos freuen: Ab Dienstag werden die Corona-Regeln ein weiteres Stück gelockert. Am Pfingstwochenende zogen einige Demonstrationen durch die Stadt - am Landwehrkanal lief's aus dem Ruder.

Dienstag, 02.06.2020, 10:20 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 10:23 Uhr
Pfingsten in Berlin: Hunderte Boote sorgen für Polizeieinsatz
Das Standbild aus einem Video zeigt eine Wasser-Demonstration mit Booten auf dem Landwehrkanal in Berlin. Foto: dpa

Eine Ansammlung von Hunderten Schlauchbooten hat zu Pfingsten die Berliner Polizei beschäftigt. Die Versammlung „Für die Kultur - Alle in einem Boot“ am Sonntag habe von der Spree über den Landwehrkanal nach Kreuzberg geführt, teilte die Polizei am Montag mit. Zwischenzeitlich seien rund 300 bis 400 Boote zusammengekommen. Die Polizei sei mit rund 100 Kräften im Einsatz gewesen.

Bis zu 1500 Menschen hätten sich jeweils auf dem Wasser und an Land aufgehalten. Der Veranstalter habe die Versammlung „aufgrund der nicht eingehaltenen Abstände zueinander und von Beschwerden über zu laute Musik“ nach einem Gespräch mit der Polizei am frühen Abend beendet, hieß es im Polizeibericht.

Dem Aufruf der Polizei seien sie „direkt nachgekommen“, sagte einer der Organisatoren. Die Veranstaltung sei nicht als Rebellion gemeint gewesen, der Zulauf habe sie überrascht. Sie hätten damit ein Zeichen setzen wollen, dass die Clubkultur nicht untergehen dürfe.

berlin dpa

Die Demonstration für die Berliner Kultur «Für die Kultur - Alle in einem Boot» ist am Montagnachmittag aufgelöst worden. Foto: dpa

Clubs seit Wochen geschlossen

Die Berliner Clubs sind seit Wochen geschlossen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Viele Betreiber fürchten um ihre Existenz. Bisher ist nicht absehbar, wann sie wieder öffnen können. An diesem Dienstag fallen dagegen andere Einschränkungen weg.

Zum Beispiel dürfen dann Kneipen und Bars wieder öffnen dürfen, allerdings nur solche, in denen Gäste an Tischen Platz nehmen - und auch nur bis 23 Uhr. Auch Spielhallen, Spielbanken und Wettbüros können ab Dienstag wieder loslegen, genau wie Fitnessstudios und Tanzschulen. Auch die Freiluftkinos dürfen unter Auflagen öffnen.

Polizei erinnert an Mindestabstand

Die Teilnehmerbegrenzung für Demonstrationen entfällt inzwischen ebenfalls. Auf Twitter erinnerte die Polizei daran, dass allerdings weiter ein Mindestabstand von 1,5 Metern und die allgemeinen Hygieneregeln eingehalten werden müssten. Proteste gegen die Corona-Auflagen verliefen am Wochenende nach Polizeiangaben weitestgehend friedlich - bis auf einen Übergriff auf einen Pressefotografen im Humboldthain am Samstag.

Die Teilnehmerzahlen bis Samstagnachmittag bewegten sich deutlich unter den angekündigten Werten, hatte Polizeisprecher Thilo Cablitz auf Anfrage gesagt. Zu vielen Demos seien um die 50 Menschen gekommen. Es sei eine „bunte Mischung“ aus Demos gegen die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung und Gegenprotesten gewesen. Rund 550 Polizisten waren am Samstag im Einsatz. Sie notierten sechs Strafermittlungsverfahren und neun Ordnungswidrigkeiten.

Übergriff auf Pressefotografen

Bei einer nicht angemeldeten Demo im Humboldthain soll es am Samstag dem Sprecher zufolge zu einem Übergriff auf einen Pressefotografen gekommen sein, eine Frau soll auf das Objektiv seiner Kamera geschlagen haben. Es sei kein Schaden entstanden, der unverletzt gebliebene Mann habe bisher auch keine Anzeige gestellt. Über den Vorfall hatte zuvor der „Tagesspiegel“ berichtet.

Autokorso als Zeichen des Protests

Zu einer Kundgebung des Vegan-Kochs Attila Hildmann nahe dem Bundeskanzleramt kamen am Samstag laut Cablitz 150 Teilnehmer. Hildmann war zuletzt mit der Verbreitung von Verschwörungserzählungen aufgefallen und hatte mehrfach zu Versammlungen aufgerufen. Er setzte nun seinen Protest gegen die Politik der Bundesregierung mit einem Autokorso fort, den er mit seinem auffälligen Porsche anführte.

Attila Hildmann

Attila Hildmann (M), Vegankoch und Corona-Skeptiker, posiert mit Deutschland-Flagge bei einer Kundgebung gegen die Corona-Politik der Bundesregierung am Olympiastadion vor seinem Porsche. Foto: dpa

Vom Olympiastadion aus folgten ihm etwa 50 weitere Wagen durch die Stadt, wie es von der Polizei hieß. Angemeldet waren 100 bis 150 Autos. Am Stadion posierte Hildmann mit Deutschlandfahne, auch an einigen Autos wehten schwarz-rot-goldene Fähnchen. Die Polizei begleitete die Aktion.

Bei der Veranstaltung Hildmanns hielt eine Frau ein Plakat hoch, auf dem zu lesen war: „Es geht euch nur um Macht + Geld“ und daneben „Chip nein“, „5G nein“, „Immunitätspass nein“, „DDR nein“, „Meinungsfreiheit ja“ und „Bargeld ja“. Auf dem Schild prangten die Gesichter von Angela Merkel und Bill Gates sowie Zeichnungen einer Pinocchio-Figur und eines Marionettenspielers. Ein anderer Teilnehmer trug einen Pullover mit der Aufschrift „Deutsches Reich“. Manche Teilnehmer forderten mit ihren Plakaten wiederum einen Corona-Untersuchungsausschuss. Eine Person zeigte einen Regenschirm, auf dem unter anderem „Kein Krieg“, „Liebe“ und „Freiheit“ stand. 

„Hygienedemos“ nicht willkommen

Das Berliner Bündnis gegen Rechts hatte vorab mitgeteilt, Anhänger von Verschwörungsideologien inszenierten sich an symbolträchtigen Orten wie Mauerpark, Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Reichstagswiese oder Siegessäule. Dem wolle man sich entgegenstellen. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar (Grüne) twitterte: „Wir sind nicht Eure Kulisse! Das gilt für den Rosa-Luxemburg-Platz genauso wie für den Mauerpark.“ Die „rechtsoffenen, sogenannten Hygienedemos“ seien nicht willkommen.

Am Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne blieb die Lage nach Beobachtung eines dpa-Reporters am Samstagmittag ruhig: Niemand erschien zu den angemeldeten Aufzügen. An vergangenen Samstagen hatten dort sogenannte Hygienedemos von Gegnern der Corona-Eindämmung sowie Gegenproteste stattgefunden. Dabei waren Menschen aus verschiedensten politischen Spektren zusammengekommen. Allerdings war die Resonanz schon in den vergangenen Wochen rückläufig.

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