Gemeinsam kreativ
Chöre wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen

Aufgrund des Risikos beim Singen, sind auch Chöre von der Corona-Krise betroffen. Kreativität und Geduld seien da gefragt, erklärt Uwe Berger vom Chorverband. Er berichtet von einfallsreichen Ideen, um das gemeinsame Proben trotzdem zu ermöglichen.

Dienstag, 06.10.2020, 09:45 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 09:50 Uhr
Gemeinsam kreativ: Chöre wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen
Uwe Berger mit einem Kinderchor im Jahr 2018. Foto: Pjer Biederstädt

Singen ist aktuell ein Risiko. Wie gehen Chöre mit der Situation um? Redakteurin Alexandra Schlüter hat Uwe Berger, den Vorsitzenden des Chorverbandes Münster Land und Stadt, dazu befragt.

Wie sehr hat Corona die Chöre getroffen?

Uwe Berger: Getroffen hat die Corona-Krise die ganze Chorszene. Kleinere Chöre haben es natürlich leichter, unter den gegebenen Hygieneregeln eine Probemöglichkeit zu finden. Finanziell sind unsere Chöre nicht gefährdet, da sie sich ja durch ihre eigenen Beiträge finanzieren, wobei die Chorleiter im Regelfall weiterbezahlt werden, das gehört zum Zusammenhalt der Chorgemeinschaft dazu. Natürlich fehlen Einnahmen durch Konzerte, die sind aber ohnehin nur ein „Zubrot“, da wir ja Amateure sind.

Wie finden zum Beispiel aktuell Chorproben statt?

Uwe Berger: Derzeit sind Kreativität und Geduld gefragt. In der warmen Jahreszeit gab es draußen viele Möglichkeiten. Bei vor allem den größeren Chören ruht aber leider der Probenbetrieb noch immer. Soweit geeignete Räumlichkeiten verfügbar sind, nehmen aber viele Chöre diesen nach längerer Pause wieder auf. Leider stehen weiterhin Schulräume nicht zur Verfügung.

Wie wird derzeit die Gemeinschaft gelebt?

Uwe Berger: Umso mehr leben unsere Chöre aber die Chorgemeinschaft im freundschaftlichen Umgang, auch dies natürlich – wie in der gesamte Gesellschaft – unter den gegebenen Regeln. Hier zeigt es sich, dass die Chormitglieder mehr verbindet als das reine Singen. Ich glaube, dass dieser Zusammenhalt und die gelebte Solidarität sich auch in die „Nach-Corona-Zeit“ mitnehmen lässt. Gemeinsam eine Krise zu überstehen, stärkt den Zusammenhalt.

Sind Ihnen besonders kreative Ideen bekannt?

Uwe Berger: Viele Chöre nutzen Online-Konferenzprogramme zum gemeinsamen – oder besser gleichzeitigen – Singen; das setzt aber dem Chorleiter Grenzen hinsichtlich der typischen Probenarbeit in puncto Stimmbildung, Körperhaltung, Bewegung. Andere setzen mit Musik- und Videoprogrammen Stücke sozusagen „puzzleartig“ am Computer zusammen und produzieren so Videos. Unsere Chorverbandschorleiterin Eva-Maria Benning hat bei den Chören eine sehr gute Resonanz erfahren: Keine Frustration, sondern Kreativität und gemeinsame Verantwortung für die Krisenbewältigung hat sich gezeigt.

Welchen Effekt hat Singen für den Menschen?

Uwe Berger: Singen ist gut für die Seele, aber auch für den Körper, die Gesundheit, das Leben in Gemeinschaft. Gerade in Krisensituationen kann dies den Einzelnen und die Gemeinschaft stabilisieren, Hoffnung und Freude vermitteln. Wir müssen aber anerkennen, dass – leider – gerade der Gesang durch den verstärkten Ausstoß an Aerosolen dieser Freude zur Zeit enge Grenzen setzt. Keine Freude ist den Preis eines unter Umständen lebensbedrohenden Krankheitsausbruchs wert. Jeder ist gefordert, Verantwortung zu übernehmen.

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