Fokus nicht verlieren
Spezialistin für Konfliktlösung rät, alle Aspekte des Lebens wahrzunehmen

Konfrontationen durch die Corona-Krise: Unterschiedliche Einstellungen zu der Pandemie führen vielerorts zu Debatten. Psychologin und Mediatorin Bernadette Näger rät, den Fokus nicht zu verlieren.

Mittwoch, 07.10.2020, 09:35 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 09:38 Uhr
Fokus nicht verlieren: Spezialistin für Konfliktlösung rät, alle Aspekte des Lebens wahrzunehmen
Wenn kein Konsens gefunden wird, dann erhitzen sich schnell die Gemüter. In der Pandemie liegen die Nerven oft noch schneller blank. Die Spezialistin für Konfliktlösung Bernadette Näger rät, den Fokus nicht zu verlieren. Foto: Colourbox

Was macht die derzeitige Situation eigentlich mit uns? Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen, und die Corona-Krise hat im privaten und öffentlichen Raum die Nerven strapaziert. Auch wenn die Pandemie die Solidarität in großen Teilen der Gesellschaft fördert, wirkt sie auf Streitigkeiten häufig wie ein Brennglas. Unterschiedliche Meinungen zu Corona stellen manchmal selbst langjährige Freundschaften auf die Probe und führen zu Stress in der Familie. Doch welche Möglichkeiten gibt es, solchen Konfrontationen mit einer positiven Grundhaltung zu begegnen?

Corona-Krise entfacht Prinzipien-Debatten

„Während die einen nach dem Lockdown schnell wieder in den Urlaub oder mit Freunden ein Bier trinken gehen wollten, ging das den anderen viel zu schnell. Aus solchen unterschiedlichen Bedürfnissen im privaten Umfeld sollte jedoch keine Prinzipien-Debatte entstehen“, rät Bernadette Näger, Psychologin und Mediatorin bei der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM). Es helfe, bei unterschiedlichen Meinungen im persönlichen Umfeld immer neu zu fokussieren, was einem der Kontakt bedeutet und wie man die Beziehung am besten gestalte. Wo Kompromisse oder das aufeinander Zugehen nicht helfen, dürfe man auch mal auf Abstand gehen und den Rahmen neu abstecken – zugunsten des beidseitigen Wohlbefindens.

Selbst-Reflektion ist wichtig

„In der Krise sind wir alle mit der Unberechenbarkeit des Lebens konfrontiert, was zu einer allgemeinen Verunsicherung führt, mit der jeder einzelne anders umgeht“, so ihre Beobachtung. Hinzu komme, so Näger, dass der persönliche Umgang mit Corona häufig durch eine sehr große Ambivalenz geprägt sei. Denn: „Hat man gerade eine schlimme Reportage zu dem Thema gesehen, dann ist die Angst größer, als wenn die mediale Berichterstattung zum Thema Corona beispielsweise etwas entspannter verläuft.“ Hier sei jeder einzelne gefordert, seine Einstellungen und Meinungen immer wieder aufs neue zu hinterfragen. Dabei helfe oft die sogenannte Vogelperspektive: „Wer sich mit etwas Abstand selber betrachtet, erkennt viel einfacher, was wichtig ist und was man selber will.“

Näger stelle zudem fest, dass der Fokus in der Pandemie sehr stark auf der Gesundheit liege. Das sei zwar wichtig und richtig, dennoch sollte auch in der Coronazeit nicht vergessen werden, das Leben in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und andere Aspekte, die eine große Bedeutung für das eigene Wohlbefinden haben – wie Freunde, Arbeit, Hobbies – in ein gutes Maß zueinander zu setzten.

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