Corona verändert auch Weihnachtstraditionen
Trend zum frühen Christbaum

Sundern/Bühl -

O Tannenbaum: Eigentlich ist es in Deutschland eine schöne Tra­dition, den Christbaum kurz vor Heiligabend zu kaufen. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

Freitag, 04.12.2020, 21:34 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 21:45 Uhr
Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Weihnachtsbäume in diesem Jahr teurer als in den Jahren davor.
Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Weihnachtsbäume in diesem Jahr teurer als in den Jahren davor. Foto: picture alliance

Die Weihnachtsmärkte sind corona-bedingt abgesagt, der Ski-Ur­laub über die Feiertage fällt aus – das Virus zwingt die Menschen verstärkt in die eigenen vier Wände. „Und dort wollen sie es sich gemütlich machen“, sagt Eberhard Hennecke, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaumerzeuger beim Landesverband Gartenbau NRW, in Sundern. Die Folge: Bereits drei Wochen vor dem Fest läuft der Baumverkauf auf Hochtouren – gekauft wird das schmucke Grün immer häufiger auch online.

Verkaufsgipfel am vierten Advent

Nach Angaben des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger in Bühl bei Baden-Baden werden jedes Jahr in Deutschland rund 25 Millionen Bäume verkauft. Knapp zwei Drittel stammen aus dem Sauerland. „Wir haben schon seit einiger Zeit festgestellt, dass viele Menschen ihren Tannenbaum früher aufstellen“, sagt Ver­bands­sprecherin Saskia Blümel auf Nachfrage. Dieser Trend sei durch die Pandemie deutlich verstärkt worden.

Regelungen für Gottesdienste

Als Kanzlerin Merkel und die Länderchefs in der vergangenen Woche die Corona-Regeln verschärften, erklärten sie zu Weihnachtsgottesdiensten nur, dass „religiöse Zusammenkünfte mit Großveranstaltungscharakter“ zu vermeiden seien. Diese vage Aussage ist inzwischen konkretisiert worden. Wie Antonius Hamers, Leiter des katholischen Büros NRW, erklärte, haben sich die fünf Bistümer verpflichtet, die Teilnehmerzahl auf 250 in Gebäuden und 500 außerhalb zu begrenzen. „Diese Regelung ermöglicht es den Menschen, ohne Gefahr für die Gesundheit einen Gottesdienst mitzufeiern“, sagte Hamers auf Nachfrage. In Münster haben die Kirchengemeinden ihre Angebote erweitert , teils nach draußen verlegt und Anmeldesysteme eingeführt.

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Dennoch werden nach wie vor die meisten Bäume rund um den vierten Advent verkauft. Der Gipfel werde in diesem Jahr um den 19. Dezember erwartet, dem Samstag vor dem 4. Advent, sagt Hennecke ge­genüber unserer Zeitung. Da Heiligabend diesmal auf ei­nen Donnerstag falle, gingen vermutlich auch viele erst am 21., 22. oder 23. Dezember auf die Baum-Suche.

Tannenbäume teurer als sonst

Aufgrund der Corona-Seuche sind die Weihnachtsbäume in diesem Jahr übrigens teurer als in den Jahren davor. Die Händler mussten Hygiene-Konzepte erstellen, mehr Platz vorhalten und zudem zusätzliches Personal einstellen, das schlägt auf der Kostenseite zu Buche. Die Nordmanntanne – Marktanteil: rund 80 Prozent – kostet zwischen 20 und 27 Euro je laufendem Meter; im vergangenen Jahr betrug die Preisspanne 18 bis 23 Euro.

Kommentar: Eine neue Perspektive

Der frühe Ansturm auf die Christbäume ist ein weiterer Beleg für die Erkenntnis, dass in diesem Advent wegen Corona alles anders ist. Während viele darüber schimpfen oder zumindest stöhnen, dass Feiern abgesagt, Gottesdienste straff organisiert und in der Teilnehmerzahl begrenzt oder die üblichen Rituale zu Weihnachten ganz neu gestaltet werden müssen, könnte auch eine ganz andere Perspektive eingenommen werden.

Dieses Weihnachtsfest ist eine Chance, sich auf bewusstere Weise dem Fest zu nähern. Weil – zur verständlichen Besorgnis des Handels – eben kein Gedrängel in den Geschäften dominiert, sondern zu Hause überlegt wird, wie wer wann mit wem zusammensitzen darf und kann. Das Stichwort heißt Neudeutsch „Cocooning“ – die Wirtschaft meldet, dass vor allem Artikel gekauft werden, die das eigene Heim gemütlich machen.

Schwierig wird es zweifellos für jene, die allein sind. Da hilft oft eine kleine, aber aufmerksame Geste. Ach ja, da kommt noch ein Einwand von der Feuerwehr: Der frühe Christbaum muss gut gewässert werden. Damit er nicht zu Weihnachten buchstäblich brennt. Auch das Problem werden wir alle bewältigen.

- Dorle Neumann

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