Merkel warnt vor Virus-Mutation
Drohende Verlängerung: Lockdown bis Ostern?

Bundeskanzlerin Angela Merkel schwört die Deutschen in der Corona-Pandemie auf „acht bis zehn“ harte Wochen ein - und reflexartig ist die Rede von einer Verlängerung des Lockdowns über den 31. Januar hinaus da. Gesprochen hat die Kanzlerin davon nicht, aber vermutlich daran gedacht. Im Kampf gegen Corona forderte sie schon wiederholt harte Maßnahmen.

Dienstag, 12.01.2021, 21:05 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 07:04 Uhr
Merkel warnt vor Virus-Mutation: Drohende Verlängerung: Lockdown bis Ostern?
Münsters leere Innenstadt während des Lockdown. Foto: Klaus Meyer

Deutschland muss sich möglicherweise auf ei­nen längeren Lockdown gefasst machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet mindestens bis April mit großen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie. „Es bleibt hart bis ­Ostern“, sagte Merkel nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP vor Mit­gliedern der Arbeitsgemeinschaft Inneres der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

In Fraktionskreisen wurde ausdrücklich darauf verwiesen, dass Merkel nicht von einer Verlängerung des derzeitigen Lockdowns bis Ostern gesprochen habe. Offenbar schließt die Kanzlerin dies aber nicht mehr aus.

Warnung vor Ausbreitung der Corona­virus-Mutationen

Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, Merkel habe „harte Maßnahmen“ für die kommenden acht bis zehn Wochen in Aussicht gestellt. Die Zeitung zitierte sie mit den Worten: „Wenn wir es nicht schaffen, dieses britische Virus abzuhalten, dann haben wir bis Ostern eine zehnfache Inzidenz.“

Nach Auskunft mehrerer Teilnehmer hat Merkel zudem vor der Gefahr einer Ausbreitung der Corona­virus-Mutationen in Deutschland gewarnt. Die Entwicklung in Irland habe gezeigt, wie schnell sich das Virus ausbreiten könne. Dort habe es innerhalb kurzer Zeit eine Verzehnfachung der Infektionszahlen gegeben.

Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie 

Der prominente Charité-Virologe Christian Drosten wies in einer Experten­anhörung mit Merkel auf die Gefahr einer zweiten Virusmutation hin, die sich in Südafrika stark ausgebreitet hat. Am späten Dienstagnachmittag meldete die baden-württembergische Landesregierung dann tatsächlich den ersten Nachweis der Mutation aus Südafrika. Sie gilt als besonders aggressiv.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will sich einem Reuters-Interview zufolge nicht festlegen, ob der Lockdown über Januar hinaus verlängert werden könnte. Es sei nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, wann die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erfolgreich ­seien oder beendet werden könnten, sagte er.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht erste Erfolge der Corona-Einschränkungen. „Die Maßnahmen beginnen langsam zu wirken“, sagt Söder nach einem Treffen des Ministerrats. Die Zahl der Neuinfektionen gehe zurück. Grund zur Hoffnung sei auch der Fortschritt bei den Impfungen.

Kommentar

Geht’s noch?

Nein, so geht das nicht. Der verlängerte und verschärfte Lockdown ist gerade 24 Stunden in Kraft, da schwadronieren sie bereits über eine neuerliche Verlängerung, über noch viele zusätzliche harte ­Wochen und Maßnahmen bis Ostern. Ja, man möchte mit den politischen Entscheidungsträgern in diesen Monaten der Pandemie gewiss nicht tauschen; geradezu fatal aber wäre es, wenn diese Politik das Vertrauen der Menschen in ihr Krisenmanagement leichtfertig aufs Spiel setzt.

Und diese Gefahr besteht: Die quasi Erlösung verheißende Impfstoffbeschaffung an die EU abgetreten – und damit verstolpert, versemmelt, was auch immer. Dem Einzelhandel die umsatzstärksten Wochen genommen – aber die versprochene finanzielle Hilfe fließt nicht. Statt­dessen verschärfen sie die Beihilfe-Bedingungen. Der Handel droht an der Winterware zu ersticken. Was wird aus unseren Innenstädten, wenn die Geschäfte sterben?

Drei Wochen Lockdown liegen noch vor uns – und damit das bange Warten auf seine Wirksamkeit. Die Politik spricht oft und gern von der Notwendigkeit einer nationalen Kraftanstrengung. Die Entwicklung differenzierter Reaktions-Strategien könnte auch darunterfallen.

von Norbert Tiemann

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