Sonderveröffentlichung

„Bei uns zählt die Person, nicht der Pass“
Brücken zwischen den Kulturen

Ärmel hochkrempeln und gemeinsam malochen, bis das Ziel erreicht ist – die Bergbau-Mentalität prägt bis heute die Menschen im Ruhrgebiet. In Kumpel-Manier packen etwa die Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Integrationsagentur in Gelsenkirchen Herausforderungen einfach an, während andere womöglich noch lange diskutieren. „Bei uns zählt der Mensch, nicht die Herkunft“, bringt es Admir Bulic, der Leiter der Integrationsagentur, auf den Punkt.

Von Oliver Schönfeld

„Bei uns zählt die Person, nicht der Pass“: Brücken zwischen den Kulturen
Mit ihrer Arbeit hat die Gelsenkirchener Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt (AWO) überregional viel Aufmerksamkeit gefunden und zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Regelmäßig informieren sich Vertreter anderer Sozialeinrichtungen oder auch Politiker – bis hin zur europäischen Ebene – über das Konzept. Foto: Jürgen Peperhove

Integrationslotsen

So bunt wie unsere Gesellschaft ist auch das AWO-Team zusammengesetzt, von Sozialarbeitern bis zu Menschen ohne Berufsabschluss. „Wir sprechen über 20 Sprachen. Mit Honorarkräften und Dozenten arbeiten gut 80 Personen für die Integrationsagentur – zusätzlich viele Ehrenamtliche“, berichtet Bulic. Einen Großteil der Mitarbeiter gewinnt die AWO aus dem Kreis der Betroffenen selbst und qualifiziert sie als „Integrationslotsen“. Jeder und jede bringt dabei die eigene Lebensgeschichte und individuelle Stärken mit. Integrationslotsinnen wie Georgiana Abbas oder Mioara Boboc – beide aus Rumänien – finden nicht nur wegen ihrer Sprachkenntnisse schnell den richtigen Draht zu Neu-Gelsenkirchenern.

Sechs Sprachen

Abbas spricht sechs Sprachen und absolvierte 2015 ein Praktikum bei der AWO. Willkommensbesuche absolvieren, Sprechstunden anbieten, sich mit anderen Einrichtungen wie Mieterschutzbund, Verbraucherzentrale oder Jugendamt vernetzen: „Die Arbeit ist unglaublich vielfältig und macht sehr viel Spaß“, unterstreicht die Integrationslotsin. „Am schönsten ist es, wenn die Familien nach einiger Zeit nicht mehr unsere Hilfe benötigen, sondern alleine zurechtkommen.“

Multikulturell

Die multikulturelle Zusammensetzung der Integrationsagentur beseitigt nicht nur Sprachbarrieren, sie schafft eine Vertrauensbasis zu den Menschen, die neu nach Gelsenkirchen kommen. Oft sprechen die Neuangekommenen wenig oder gar kein Deutsch und müssen sich bei vielen – für uns selbstverständlichen – Themen erst einmal zurechtfinden. Die Integrationslotsin Mioara Boboc kam ebenfalls über ein Praktikum zur AWO. „Mich freut es, dass ich heute durch meine Erfahrungen helfen kann.“ Inzwischen studiert sie berufsbegleitend und strebt mit einem Dualen Studium den Bachelor in Sozialarbeit (Schwerpunkt Armuts- und Flüchtlingsintegration) an.

Eigener Horizont

Zu den besonders erfahrenen Mitarbeiterinnen in der Integrationsagentur zählt die studierte Lehrerin Bedia Torun. Als politisch Verfolgte fand sie vor gut 30 Jahren den Weg aus der Türkei nach Deutschland. „Frau, Migrantin und behindert – mit meinen eigenen Erfahrungen kann ich mich sehr gut in die Perspektive der Betroffenen hineinversetzen.“ Um administrative Aufgaben, etwa das Gestalten von Flyern, kümmert sich Otto Hünemörder: Nach seiner kaufmännischen Berufsausbildung war er lange Jahre arbeitssuchend, bis er schließlich 2011 bei der AWO seine Berufung fand.

Unbürokratisch

Zuwanderung kennt das Ruhrgebiet seit Jahrzehnten. Die AWO befasst sich schon seit mindestens 40 Jahren mit dem Thema, auch wenn es die Integrationsagentur erst seit zehn Jahren gibt. Im Laufe der Zeit haben sich die Schwerpunkte verändert – von den ersten Gastarbeiter-Generationen über den Kreis der Spätaussiedler bis hin zu Kriegs- und Armutsflüchtlingen. Heute bildet zudem der Zuzug von Menschen aus den östlichen EU-Ländern einen Schwerpunkt der Arbeit. Wichtig ist es daher für Bulic, gemeinsam mit seinem Team flexibel zu bleiben und die Aufgaben nicht bürokratisch anzugehen: „Wir sprechen mit betroffenen Menschen und Institutionen vor Ort, um bedarfsorientierte Projekte und Methoden zu entwickeln.“

Kumpel sein

Bulic selbst stammt aus einer Gastarbeiterfamilie. Seine Eltern kamen in den 1970er-Jahren aus Ex-Jugoslawien nach Deutschland. Während seine Mutter als Reinigungskraft arbeitete, fand der Vater Arbeit im Bergbau. Die Werte, die er seinem Sohn vermittelt hat, hatten viel mit dieser „harten Maloche” zu tun. „Kumpel sein”, das bedeutet für ihn bis heute eine konkrete Lebenseinstellung. Wichtig ist ihm eine Kommunikation auf Augenhöhe. Dazu sind die AWO Integrationslotsen in den Ortsteilen und Wohnquartieren präsent, bieten Sprechstunden an und suchen den direkten Kontakt. Zugewanderte, die neu nach Gelsenkirchen kommen, werden zur Begrüßung gemeinsam von Mitarbeitern des Ordnungsamtes und der AWO besucht. Ist mit Wohnung, Miete, Strom und Wasser alles geregelt? Sind die Kinder in der Schule angemeldet? Wissen die Neu-Gelsenkirchener um Pflichten wie etwa das Müllsortieren oder den wöchentlichen Treppendienst? Häufig sind es alltägliche Dinge, die erst einmal organisiert werden wollen.

Selbstständig werden

Dabei handeln die AWO-Mitarbeiter nach dem Prinzip des „Förderns und Forderns“, unterstreicht die Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski: „Unser Ziel ist es, die Menschen so zu unterstützen, dass sie ihr Leben alleine organisieren können.“ Gleichzeitig vermitteln die AWO-Mitarbeiter, dass es Rechte und Pflichten gibt. „Vieles, das hier wichtig ist, kennen die Menschen aus ihren Herkunftsländern nicht. Da muss Verständnis geschaffen und vermittelt werden, bevor es zu Reibungspunkten in der Nachbarschaft kommt“, erklärt Bulic weiter. Straßenfeste und ähnliche Formen der Begegnung, aber auch das enge Netzwerk mit kommunalen Behörden, weiteren gemeinnützigen Organisationen und den Sportvereinen vor Ort helfen dabei, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

Erfolgsrezept

Mit ihrer Arbeit hat die Gelsenkirchener Integrationsagentur überregional viel Aufmerksamkeit gefunden und zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Regelmäßig informieren sich Vertreter anderer Sozialeinrichtungen oder auch Politiker – bis hin zur europäischen Ebene – über das Konzept. Wird Bulic dabei um Rat gefragt, antwortet er stets: „Erfolg hat drei Buchstaben: Tun!“ Damit Integration gelingt, malochen die AWO-Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue.

Die Arbeiterwohlfahrt wurde im Jahr 2019 100 Jahre alt. Zu diesem runden Geburtstag hat der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen viele weitere Geschichten gesammelt, die im Internet zu finden sind. __

www.awo-100-geschichten.de

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