Fußball
Professor zu BVB: «echte kapitalmarktorientierte Liebe»

Der BVB hat wie Bayern München Großinvestoren für sich gewonnen. Damit macht sich der Club vom kurzfristigen sportlichen Erfolg unabhängiger, muss nach Meinung von Wirtschaftsprofessor Henning Zülch aber als börsennotiertes Unternehmen auch Nachteile verkraften.

Donnerstag, 21.08.2014, 17:12 Uhr aktualisiert: 21.08.2014, 17:15 Uhr

Leipzig (dpa) - Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund holt sich in Sportausrüster Puma und Versicherer Signal Iduna zwei weitere Investoren ins Boot.

Im Interview der Nachrichtenagentur dpa bewertet Prof. Dr. Henning Zülch von der HHL Leipzig Graduate School of Management die Chancen und Risiken.

Welche Vorteile ergeben sich aus dem Geschäftsmodell Bayern München versus Borussia Dortmund unter dem Gesichtspunkt, dass nur der BVB börsennotiert ist?

Zülch:Vorteile ergeben sich eindeutig für die Kapitalmarktteilnehmer. Sie geben Risikokapital und müssen folglich besonders geschützt werden. Der BVB muss daher sämtliche entscheidungsrelevanten Kapitalmarktinformationen auf der Basis international anerkannter Bilanzierungsregeln weitreichend offenlegen. Es gilt: Während der FCB die Hosen noch anhat, muss der BVB diese ausziehen. Hinzu kommt, dass auch beispielsweise verschärfte Regeln zur Corporate Governance gelten. Die Causa «Hoeneß» wäre beim BVB nicht so glimpflich abgelaufen.

Und welche Nachteile ergeben sich?

Zülch:Nachteile können dem BVB durch seine Kapitalmarktorientierung entstehen, da der durchschnittliche Investor eher an kurzfristigen Erfolgen interessiert ist. Investitionen in das Geschäftsmodell BVB bedürfen indes einer längeren Zeitdauer, um als rentabel qualifiziert zu werden. Des Weiteren führt eine höhere Transparenz in Sachen Kapitalmarktinformationen immer zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber Vereinen, die nicht so viele Informationen von sich preisgeben müssen.

Wie abhängig macht sich der Verein von den Investoren?

Zülch:Der BVB macht sich nicht abhängiger von seinen Investoren als andere Unternehmen am Kapitalmarkt. Aber: Der BVB macht sich durch seine strategischen Partner unabhängig vom Geschäftsmodell Profifußball, bei welchem Erfolg und damit Gewinne und Verluste nicht wirklich planbar sind. Die Investoren geben dem Verein die Möglichkeit - unabhängig von Einnahmen aus der Champions-League -, langfristig finanziell stabil zu planen. Wenn man so will, wird das Risiko des Geschäfts minimiert.

Wie sehr muss er sich künftig nach dem Willen der Geldgeber richten?

Zülch:Weder Evonik noch Puma noch Signal Iduna werden in die Transferpolitik des BVB eingreifen. Sie wollen nur - wie jeder Investor - eine angemessene Verzinsung ihres Geldes sicherstellen. Dies kann durch direkte finanzielle Rückflüsse sein, aber auch durch einen Imagegewinn und damit die Förderung der eigenen Geschäfte. Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, dass all die genannten Unternehmen keine Investmentgesellschaften sind, sondern Industrie- beziehungsweise Versicherungsunternehmen, so dass gerade der Imagegewinn und nicht die kurzfristige Gewinnerzielung ein Impetus für den Einstieg beim BVB ist.

Welche Auswirkungen hat die Kapitalerhöhung auf den Wert der Aktie - nicht nur kurzfristig?

Zülch:Die Kapitalerhöhung ist definitiv eine Bewährungsprobe für den BVB. Das heißt, im nächsten Quartal wird sich zeigen, ob die BVB-Aktie wirklich werthaltig ist, wie dies von vielen Analysten zurzeit unterstellt wird.

Gehen die einsteigenden Unternehmen ein großes Risiko ein?

Zülch:Nein. Der BVB ist nicht ohne Grund kürzlich in den SDAX aufgenommen worden. Dies spricht für die Solidität des Geschäftsmodells BVB.

Was ist der Hintergedanke bei dem Deal für Puma und Signal Iduna?

Zülch:Die Unternehmen wollen zum einen am Wachstumskurs und dem Imagegewinn des BVB noch intensiver als bislang teilhaben. Zum anderen ist dies nur die Konsequenz der bisherigen vertrauensvollen strategischen Allianz mit dem BVB. Es ist echte kapitalmarktorientierte Liebe.

Lässt sich mit dem Fußball für Investoren Geld verdienen?

Zülch:Schaut man sich die Performance des BVB gegenüber der durchschnittlichen Performance aller SDAX-Unternehmen in den letzten fünf Jahren an, so lässt sich feststellen, dass sich langfristig gesehen Geld mit dem Fußball aus Investorensicht verdienen lässt. Der BVB kann hier als «Outperformer» charakterisiert werden. Ob dies indes dem Risiko des Geschäftsmodells Profifußball entspricht, ist fraglich.

ZUR PERSON:Henning Zülch (41) ist seit 2006 an der HHL Leipzig Graduate School of Management Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling. Der Dortmunder hat an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Wirtschaftswissenschaften studiert.

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