Positionspapier Profifußball
St.-Pauli-Präsident: «Bundesliga-Fregatte leck geschlagen»

Hamburg (dpa) - Präsident Oke Göttlich vom FC St. Pauli sieht das Positionspapier des Fußball-Zweitligisten für Reformen im deutschen Profifußball auf einem guten Weg.

Samstag, 08.08.2020, 11:14 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 11:18 Uhr
Fordert auf, über ein neues System für den Profifußball nachzudenken: Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli.
Fordert auf, über ein neues System für den Profifußball nachzudenken: Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli. Foto: Axel Heimken

«Ich glaube, dass alle erkannt haben, dass wir, um es einmal maritim zu umschreiben, mit unserer Bundesliga-Fregatte richtig leck geschlagen sind und es so nicht weitergeht», sagte Göttlich dem «Hamburger Abendblatt». Das 44 Jahre alte Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball Liga betonte, die Aussagen der DFL-Spitze und der Vereine «zeugen von der Bereitschaft, Veränderungen vorzunehmen». Dabei steht eine gerechtere Verteilung der Einnahmen unter den 36 Proficlubs im Fokus.

«Es geht darum, dass wir nach dem besten Hygiene-Konzept der Welt nun auch ein wirtschaftliches Hygiene-Konzept benötigen. Welches am Ende dazu führen muss, dass man einen Wettbewerb herstellt, der alle an der gleichen Stelle loslaufen lässt», sagte Göttlich der «Bild»-Zeitung. «Es ist eben nicht fair, wenn bei einem 1000-Meter-Lauf einige schon an der 900-Meter-Marke starten.»

Göttlich nannte den US-Sport, «das kapitalintensivste, kapitalistischste Sportsystem der Welt», als beispielgebend. «Es verfügt aber auch über die strengsten Regeln. Wir hier in Deutschland generieren immer mehr Kapital durch neue Geschäftsideen und Finanzierungsmodelle, verweigern uns aber gewissen Regeln», monierte der St.-Pauli-Präsident im «Hamburger Abendblatt». In der Bundesliga würden den Tabellenersten vom -letzten «auf der Einnahmeseite 1000 Prozent» trennen, «in den USA sind es nur 23 Prozent».

Göttlich beklagte, «dass es in der Regel unmöglich ist, sich als Zweitligist länger als zwei Jahre in der Bundesliga zu halten. Sie können gar nicht so viel Fremdkapital permanent nachschütten, um die finanzielle Lücke zu schließen. Und es ist wissenschaftlich belegbar, dass Geld am Ende doch Tore schießt.»

Borussia Dortmund wähnt Göttlich als Unterstützer. Deren Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke habe kürzlich gesagt: Dortmund werde die Meisterschaft nicht als realistisches Ziel ausrufen können, meinte Göttlich und folgerte in der «Bild»: «Und das ist mal mit Sicherheit ein Grund, warum wir über ein anderes System nachdenken müssen. Und deshalb danke ich Watzke für diese ehrliche Aussage.»

© dpa-infocom, dpa:200808-99-90282/2

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