2. Liga
Trio krempelt Bochum um: Siebter Bundesliga-Aufstieg winkt

Binnen eines Jahres hat sich der VfL Bochum in der Zweiten Liga von einem Abstiegskandidaten zu einem Spitzenteam entwickelt. Verantwortlich dafür ist solide und unaufgeregte Arbeit im Verein. Im Sommer könnte nun Historisches geschehen.

Donnerstag, 18.02.2021, 13:23 Uhr aktualisiert: 18.02.2021, 13:28 Uhr
Der VfL Bochum will zurück in die erste Bundesliga.
Der VfL Bochum will zurück in die erste Bundesliga. Foto: Guido Kirchner

Bochum (dpa) - Ganz Verwegene träumen schon von einer Wachablösung im Revier. Tatsächlich spricht viel dafür, dass der VfL Bochum im Sommer nach 30 Jahren erstmals wieder eine Liga über dem großen FC Schalke 04 spielt.

Selbst wenn dieses Szenario, das ob der Entwicklungen beider Clubs seit 1991 jahrzehntelang grotesk erschien, von Woche zu Woche realistischer wird, gehen Fragen danach Bochums Sportchef Sebastian Schindzielorz zu weit. «Wenn man die Zahlen, etwa beim Umsatz, sieht, dann ist doch klar, dass sie sich in ganz anderen Sphären bewegen», sagte der Manager des Zweitliga-Zweiten.

Zusammen mit Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Chefcoach Thomas Reis krempelte Schindzielorz den VfL, der sich seit jeher zwischen den Reviergrößen Schalke und Borussia Dortmund behaupten muss, komplett um. Aus dem latent unruhigen Traditionsclub ist ein unaufgeregtes Spitzenteam geworden. Nach 21 Spieltagen steht Bochum punktgleich mit dem Hamburger SV und Holstein Kiel an der Tabellenspitze.

Vor allem sportlich ist der Wandel immens. Vor einem Jahr stand der VfL vor dem Sturz in die Drittklassigkeit, nun sind die Bochumer auf dem besten Weg zurück in die Bundesliga und haben den siebten Aufstieg vor Augen. Am Freitag bei Erzgebirge Aue (18.30 Uhr/Sky) winkt zunächst die Tabellenführung. «Aue wird schwer genug, da denken wir noch nicht an andere Spiele», warnte Trainer Reis, untermauerte indes auch die Ansprüche: «Es haben viele Teams viele Punkte gesammelt. Da wollen wir weiter ein Wörtchen mitreden.» Forscher formulierte es zuletzt Torhüter Manuel Riemann: «Natürlich will ich auch am Ende Erster werden.»

Derlei wäre noch vor einem Jahr undenkbar gewesen. Im Februar 2020 war Reis damit beschäftigt, den VfL aus dem Tabellenkeller zu führen. Im September 2019 hatte sich Schindzielorz für einen riskanten Weg entschieden, indem er den renommierten, aber glücklosen Robin Dutt als Trainer freistellte und durch Trainer-Neuling Reis ersetzte. Schindzielorz setzte auf die «Identifikationsfigur» des einstigen Bochumer Profis. Es funktionierte. Behutsam ging der 47-Jährige die Dinge an, veränderte aber nach und nach Entscheidendes.

Über personelle Umstellungen bekamen die Bochumer mehr Tempo auf den Außenpositionen. Nachhaltig änderte sich auch die Statik des Spiels durch die Verpflichtungen der Leistungsträger Robert Zulj schon im Januar 2020 und Gerrit Holtmann im vergangenen Sommer. Insbesondere Zulj ist inzwischen ein Unterschiedsspieler in der Zweiten Liga.

«Da ist was zusammengewachsen», formulierte es Reis, dessen Team im Kalenderjahr 2020 mit dem HSV und Darmstadt das erfolgreichste war. Sehr kommunikativ im Umgang, scheut sich Reis auch nicht vor unpopulären Maßnahmen. Etwa, indem er Leistungsträger auch mal auf die Bank setzt, wenn ihm die Trainingseinstellung nicht passt.

Auch wirtschaftlich zahlt sich die ruhige Arbeit im Club aus. Wie alle Clubs hat die Corona-Krise auch den VfL getroffen, doch laut Kaenzig ist der Club nicht nachhaltig angeschlagen. Für das vergangene und das laufende Geschäftsjahr kalkulieren sie in Bochum mit einem Corona-Minus von rund elf Millionen Euro. Für Kaenzig ist das noch vertretbar - vor allem, wenn es demnächst in der Bundesliga ganz andere Einnahmen gäbe. Der 47 Jahre alte Schweizer, der schon für Bayer Leverkusen und Hannover 96 arbeitete, bezeichnete es mal als «DNA des Vereins, aus wenig viel zu machen». Beim großen Nachbarn aus Gelsenkirchen war es zuletzt genau anders herum.

© dpa-infocom, dpa:210218-99-495012/2

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