Sa., 29.08.2015

Auswärtssieg in Halle Die Preußen drehen das Ding

Auswärtssieg in Halle : Die Preußen drehen das Ding

Marco Pischorn (24 / SC Preussen Muenster) beim Kopfball gegen Florian Brügmann / Bruegmann (7 / Hallescher FC) Foto: Rene Penno

Halle - 

Das war eine Antwort auf die „dünne Vorstellung“ aus der Wochenmitte. Preußen Münster hat das wegweisende Auswärtsspiel beim Halleschenn FC nach 0:1-Rückstand in der zweiten Halbzeit umgebogen und mit 3:1 gewonnen. Timo Furuholm brachte vor 5214 Zuschauern die Hausherren in Führung, doch „Joker“ Marcel Reichwein (59. und 80.) sowie Mehmet Kara (72.,Foulelfmeter) sorgten für die Wende. (Aktualisiert 18:30 Uhr)

Von Alexander Heflik

Drei Tage nach einer desaströsen Heimpartie beim 0:1 gegen den FSV Mainz 05 zeigte sich der SCP wiedererstarkt und ließ sich nicht von den engagierten Hausherren umwerfen. Trainer Loose hatte seine Mannschaft „nur“ auf drei Position verändert. Benjamin Schwarz rückte nach seiner zweiten Gelb-rot-Sperre wieder in die defensive Mittelfeldzentrale, Abdenour Amachaibou musste weichen. Letztgenannter stand noch nicht einmal im Spieltags-Aufgebot. Nach der Auswechselung am vergangenen Mittwoch beim 0:1 gegen Mainz nach nur einer halben Stunde war das so etwas wie die Höchststrafe für die Offensivkraft. Zudem rückte erwartungsgemäß Marc Heitmeier für Chris Philipps in die Innenverteidigung und Cihan Özkara nahm den Platz von Angreifer Rogier Krohne ein.

Fotostrecke: SC Preußen im Auswärtsspiel gegen den Halleschen FC

Halle hatte in der ersten Halbzeit ein Chancenplus, die bessere Spielanlage. Die Führung durch Timo Furuholm nach 34 Minuten fiel allerdings in einer Phase, wo sich das Geschehen beruhigt hatte. Münster hatte seine besten Möglichkeiten, wenn Mehmet Kara mit seinen Dribblings in Schwung kam. Ihm fehlten allerdings lange die offensiven Mitspieler, um daraus noch mehr zu machen. Nach 27 Minuten vernaschte er, also Kara, die gesamte Hallenser Abwehr, doch Benjamin Schwarz' Schuss wurde aus bester Lage geblockt. Auf der Gegenseite hatte SCP-Schlussmann Niklas Lomb einige gefährliche Situationen zu entschärfen, vor allem der Schuss von Sascha Pfeffer (10.) hatte Würze. Später setzte sich das Privatduell mit besserem Ausgang für Lomb noch zweimal fort. Es war kein wirklich schlechtes Spiel, allerdings waren die Hausherren effektiver und noch etwas griffiger als die Preußen. Halle wollte den ersten Sieg, Halle investierte mehr als die Gäste, die durchaus gewillt waren, den peinlichen Auftritt gegen Mainz vergessen zu machen.

Beim 1:0 überbrückte Halle das linke Mittelfeld blitzschnell, Björn Kopplin stand allein auf weiter Flut gegen Sören Bertram, dessen Flanke mit Timo Furoholm auch noch einen Abnehmer in der vielbeinigen SCP-Abwehr fand.

Fotostrecke: Die Preußen in der Einzelkritik gegen den Halleschen FC

Nach dem Wechsel hatte der SCP durch – natürlich – Kara, die erste gute Aktion nach 47 Minuten. Doch keine drei Minuten später hätten die Hausherren die Vorentscheidung herbeiführen können. Einen Flankenball von Pfeffer konnte aber erst Furuholm nicht unter Kontrolle bringen und direkt im Anschluss Osayamen Osawe aus acht Metern nicht ins Tor schießen. Preußen-Trainer Loose musste das Glück erzwingen, wechselte den farblosen Kapitän Amaury Bischoff und den schwachen Angreifer Cihan Özkara aus – keine Minute später sorgten die eingewechselten Philipp Hoffmann als Passgeber und „Abstauber“ Marcel Reichwein für das 1:1. Schon verrückt.

Der SCP wachte jetzt auf, weil vor allem Reichwein für viel Unruhe in der Abwehr der Gastgeber sorgte. Überraschend zeigte Schiedsrichter Florian Heft (Neuenkirchen) nach 72 Minuten auf den Elfmeterpunkt, Dorian Diring soll bei einem Freistoß Münsters Benjamin Schwarz umgerissen haben, Mehmet Kara ließ sich diese Chance nicht nehmen und verwandelte sicher zur 2:1-Führung. Jetzt brannte die Luft, jeder Pfiff des Referees wurde vom Hallenser Anhang kritisiert, aber vor allem wussten die Rot-Weißen nicht mehr vor und zurück...

Und die Gäste nutzten jetzt den Augenblick, alles gelang. Langer Ball von Hoffmann, Reichwein wartet als Abnehmer, 3:1. Münster drehte das Ding innerhalb von 20 Minuten in eine ganz andere Richtung. Das war schon stark, aber einfach kann der SC Preußen Münster in dieser Saison wohl nicht.

Hier geht´s zum Live-Ticker.

Kommentar zum Spiel: Zwischen zittrig und aufgeweckt

Für die Preußen war der Auftritt in Halle eine Reifeprüfung. Wie hatte der runderneuerte SCP die Schmach der 0:1-Heimniederlage gegen Mainz vor nicht einmal 72 Stunden weggesteckt? Auch wenn es am Ende zu einem 3:1-Erfolg in Halle langte, so war das erneut ein hin und her. Passable Preußen bis zum 0:1-Rückstand, zittrige Preußen bis zur Pause, aufgeweckte Preußen nach dem Wechsel.

Wichtigste Bürgerpflicht der Preußen war eine positive Reaktion auf die Niederlage gegen Mainz, wo alles schiefging und gar nichts passte. In Halle stimmte die Körpersprache, dieses Mal trat der SCP wie eine Mannschaft auf, alle kämpften für alle – auch wenn bei weitem nicht alle in Topform waren.

Das Finale furioso war bemerkenswert, die erste Stunde dagegen weniger. Münster fehlt es noch an einem konstant hohem Niveau von der ersten Minute an und bis zum Ende. Doch das war deutlich besser als gegen Mainz. Das sollte aber auch keiner vergessen: Die Wende gelang auch nur gegen einen Gegner, der seinerseits angezählt in die Partie ging. Halle verlor die Balance beim ersten harten Treffer, Reichweins Haken zum 1:1 saß, der Tabellenvorletzte taumelte sofort. So gesehen: Das haben die Preußen gut gemacht, aber es gibt noch viel zu tun.

Alexander Heflik, Halle 



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