So., 30.08.2015

Fußball: 3. Liga Preußen Münster: Zum Sieg gewechselt

Seht her, der Matchwinner: Marcel Reichwein trifft doppelt und holt einen Elfer raus. Elie Laprevotte (r.) freut sich mit dem erfolgreichen Rückkehrer.

Seht her, der Matchwinner: Marcel Reichwein trifft doppelt und holt einen Elfer raus. Elie Laprevotte (r.) freut sich mit dem erfolgreichen Rückkehrer. Foto: Penno

Münster - 

Preußen Münster hat das Auswärtsspiel beim Halleschen FC mit 3:1 gewonnen, dabei einen 0:1-Halbzeit-Rückstand nach der Pause noch gedreht. Trainer Ralf Loose wechselte nach knapp einer Stunde Marcel Reichwein und Philipp Hoffmann ein, die gemeinsam zwei Tore produzierten. Zudem traf Mehmet Kara per Foulelfmeter zum 2:1 vor 5214 Zuschauern.

Von Alexander Heflik

Manches Mal treffen Trainer die absolut richtigen Entscheidungen und verändern mit ein, zwei taktischen Maßnahmen ein Fußballspiel komplett. Ralf Loose , Coach des SC Preußen Münster , gelang das am 6. Spieltag. Nicht viel deutete darauf hin, dass der SC Preußen Münster im Auswärtsspiel beim Halleschen FC noch irgendwas Brauchbares würde erhaschen können. Doch die Optionen mit Stürmer Marcel Reichwein (59. und 80.) und Torvorbereiter Philipp Hoffmann gaben der Partie eine gänzlich neue Struktur. Nur 23 Minuten nach ihren Einwechselungen hatte Münster aus einem 0:1-Rückstand einen 3:1-Triumph gedreht, weil Mehmet Kara (72.) zudem einen Elfmeter – verursacht an Marcel Reichwein – zum 2:1 verwandelte. Keine 72 Stunden nach der 0:1-Blamage gegen den FSV Mainz 05 II war so etwas wie eine Kurskorrektur unter erschwerten Umständen geschafft.

Reichwein mit breitem Kreuz

„Wenn man gleich mit dem ersten Ballkontakt ein Tor erzielt, dann hat man auch gleich eine breite Brust“, meinte Marcel Reichwein, ein Mann, der sowieso nicht an Minderwertigkeits-Komplexen zu leiden scheint. Keine 60 Sekunden zuvor war er eingewechselt worden, er, der nach einem Meniskusriss Anfang August noch vor einer monatelangen Pause gestanden hatte. In Halle wurden Reichwein und auch Philipp Hoffmann von Loose ins Feuer geworfen, der SCP lag 0:1 zurück, kam überhaupt nicht mehr voran. „Ich wollte schießen, aber dann sah ich Marcel und spielte rüber. Der Treffer gibt einem natürlich ein gutes Gefühl“, meinte Hoffmann. Loose durfte sich über zwei Präzisionswechsel freuen. Dabei stand der 52-Jährige beim eigenen Anhang durchaus auch schon in der Kritik, weil er eben zuletzt oft sehr spät und auch glücklos die personellen Rochaden anschob.

Moral gezeigt nach schwachem Start

In Halle war alles anders. Münster lag zurecht mit 0:1 durch einen Treffer von Timo Furuholm (34.) zur Pause zurück, weil die Hausherren aggressiver und effektiver agierten. Der SCP stand vor dem K.o., als Osayaman Osawe (50.) aus zehn Metern nicht ins Tor traf zum dann vermutlich vorentscheidenden 2:0.

Aber dieses Mal zeigte der SCP Zähne und das, was man unter der gewissen Mentalität und großer Moral versteht.

„Der Trainer hat uns in der Pause noch einmal gut eingestellt, es wurde besser“, befand aufgedrehte Mehmet Kara, Und: „Vor dem Elfmeter war ich total nervös. Wir alle standen nach dem katastrophalen Spiel gegen Mainz unter besonderer Anspannung, das war vom Kopf her brutal.“ Doch spätestens mit dem 2:1 war der Bann gebrochen, und Halle fiel wie ein Kartenhaus zusammen. Dem Halleschen FC wurden so alle Energie und Kontrolle geraubt.

„Unsere erste Halbzeit war nicht so gut, damit dürfen wir nicht zufrieden sein“, zeigte sich Mittelfeldspieler Benjamin Schwarz selbstkritisch. Aber, wie Torwart Lomb meinte: „Wir haben das Gegentor gefressen und wollten nach der Pause unbedingt gewinnen.“ Er hatte in der Vorsaison noch in Halle gespielt, zeichnete sich in den wenigen Szenen vor seinem Gehäuse aus.

Tiefes Durchatmen

Trainer Ralf Loose jedenfalls atmete durch, die drei Punkte geben Ruhe bis zum kommenden Heimspiel gegen Werder Bremen 2: „Insgesamt haben wir ein anderes Gesicht gezeigt als gegen Mainz.“ Dennoch wartet noch viel Arbeit auf ihn, einen solch langen Anlauf zu einer guten Leistung wie in Halle kann sich der SCP eigentlich nicht erlauben.► Des einen Freud, des anderen Leid: Einen Tag nach der Niederlage musste Halles Trainer Sven Köhler seinen Hut nehmen. Köhler war seit 1. Juli 2007 Trainer des Halleschen FC. Bis zum Heimspiel gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart II am 12. September betreut Co-Trainer Benjamin Duray das Team.



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