Fußball: 3. Liga
Nachspiel für Merkens, Preußen halten Füße nach Derby still

Münster -

Nach dem 2:2 im Derby zwischen Osnabrück und Münster ging es im Rudel mächtig zur Sache. Während die Preußen auf weitere Schritte wie eine Anzeige oder einen Protest verzichten, ermittelt die Polizei nun gegen Tom Christian Merkens (VfL), dem in der Nachspielzeit die Sicherungen durchgebrannt waren.

Donnerstag, 24.09.2015, 16:20 Uhr aktualisiert: 24.09.2015, 17:31 Uhr
Ein Bild, viele Brandherde: Physiotherapeut Dennis Morschel und Rogier Krohne im kurzen Ringkampf mit Osnabrückern (l.), Übeltäter Tom Christian Merkens hebt unschuldig den Arm, Co-Trainer Babacar N‘Diaye versucht zu schlichten, Ersatzkeeper Marco Aulbach versucht sich einzuschalten (r.).
Ein Bild, viele Brandherde: Physiotherapeut Dennis Morschel und Rogier Krohne im kurzen Ringkampf mit Osnabrückern (l.), Übeltäter Tom Christian Merkens hebt unschuldig den Arm, Co-Trainer Babacar N‘Diaye versucht zu schlichten, Ersatzkeeper Marco Aulbach versucht sich einzuschalten (r.). Foto: Jürgen Peperhowe

Im Laufe des Abends und der Nacht erhellte sich das Bild. Was war da genau passiert im Derby zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster nach dem Gastgeber-Tor zum 2:2 in der Nachspielzeit und dem Schlusspfiff? Aufschluss ergaben nicht nur die Augenzeugenberichte, sondern auch NDR-Bilder.

Provokanter Jubel?

Der Reihe nach: Die SCP-Führung in der 90. Minute bejubelte Amaury Bischoff wie so oft auf seine Rückennummer 10 deutend, aber eben auch vor der Bank der Gastgeber und nicht auf der Seite, von wo er die Flanke zu Tobias Willers‘ Eigentor gegeben hatte. Diese Szene war wohl der Auslöser dafür, dass Halil Savran nach seinem umgehenden Ausgleich erst in die Kurve, dann aber schnurstracks zum Franzosen lief. In seinem Schlepptau Tom Christian Merkens, der von der Tribüne auf das Spielfeld gerannt kam. Merkens hatte vor 18 Monaten Bekanntschaft mit Bischoff gemacht, als ihn der Preußenspieler so rüde gefoult hatte, dass er bis heute auf ein Drittliga-Comeback wartet. Was sich verbal in diesem Moment zutrug, blieb ein Geheimnis. Jedenfalls ging der Preußen-Kapitän nach einem Merkens-Stoß zu Boden und ließ sich sehr lange behandeln.

Die folgenden Tumulte sind im Fußball wohl unvermeidlich. Weitere Hitzköpfe im SCP-Dress waren eher nicht zu verzeichnen, einzig Rogier Krohne, der sonst so ruhige Niederländer, ließ sich in ein kurzes Handgemenge verwickeln. Und Physio Dennis Morschel, der sich um Bischoff kümmerte, musste den sich immer wieder anschleichenden Willers mit einem Schubser vom Spielmacher fernhalten.

Keine Konsequenzen

Konsequenzen muss der SCP nicht fürchten. „Es war viel Aufregung da, aber für uns ist die Sache durch“, sagte Sportvorstand Carsten Gockel mit 16 Stunden Abstand. Auf eine Anzeige verzichtet der Club, Bischoff gab bei der anschließenden Befragung durch die Polizei, die sich der Sache annahm, an, keine Schmerzen zu haben – auch wenn das auf dem Feld zunächst anders ausgesehen hatte. Trotzdem ermitteln die Beamten nun wegen Körperverletzung gegen den Osnabrücker.

Die kurzzeitige Hoffnung einiger Preußen, dass durch den Merkens-Aussetzer die Partie womöglich als abgebrochen zu werten ist und der Gast zum Sieger erklärt werden könnte, zerschlug sich schnell. Der hervorragende Schiedsrichter Bastian Dankert pfiff zwar nach dem 2:2 in der zweiten von drei angezeigten Nachspielminuten schon ab, das liegt aber im Ermessensspielraum des Referees. Die Folgen der Geschehnisse von Mittwochabend betreffen Münster also nur am Rande. Die obligatorische Stellungnahme an den ebenfalls ermittelnden DFB-Kontrollausschuss gab der Club ab. Allerdings waren ohnehin Sicherheitsverantwortliche aus Frankfurt vor Ort und bei den Unruhen sogar auf dem Platz.

Empfindliche Strafe

Den VfL erwartet nun nicht zwingend die nächste empfindliche Strafe. Denn der DFB bewertet Merkens bei seinem Vergehen als Spieler und nicht als Zuschauer, wie der Verband am Donnerstag mitteilte. Es ist somit offen, ob der Club für einen nicht ausreichenden Ordnungsdienst belangt werden kann, da verletzte Profis in der Regel Zutritt zum Innenraum haben.

Klar ist aber, dass auf vielen Ebenen noch eine Menge Hass im Spiel ist, wenn die Erzrivalen aufeinandertreffen. Das lässt sich heute ja leider auch in sozialen Medien deutlich ablesen. Auf den Rängen (auch ohne Gäste-Fans), aber auch rund um die Reizfigur Bischoff beginnt, was in den Facebook-Kommentarspalten weitergeht. Es ist noch ein langer Prozess nötig, um die festgefahrenen Ressentiments abzubauen. Zumindest die Vereinsbosse mühen sich um einen normalisierten Umgang. VfL-Präsident Hermann Queckenstedt entschuldigte sich bei Bischoff. Und Geschäftsführer Jürgen Wehlend kontaktierte noch in der Nacht Gockel zur Besänftigung telefonisch.

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