Fußball: 3. Liga
Bittere Quittung für Preußen beim 0:3 in Magdeburg

Magdeburg -

Vorne ließen die Preußen dicke Dinger aus, hinten wirkten sie unkonzentriert wie selten zuvor. Unterm Strich stand also eine 0:3-Niederlage beim 1. FC Magdeburg. Die Münsteraner Serien (zehn Spiele ohne Liga-Niederlage und noch keine Auswärtspleite) rissen also in der MDCC-Arena.

Sonntag, 08.11.2015, 19:42 Uhr
Eine von vielen heiklen Strafraumszenen der Anfangsphase: Doch Marcel Reichwein (o.) bleibt an Christopher Handke hängen. Der SCP nutzte keine, also schlichen Marc Heitmeier, Danilo Wiebe und Mehmet Kara (u.v.l.) vom Platz.
Eine von vielen heiklen Strafraumszenen der Anfangsphase: Doch Marcel Reichwein (o.) bleibt an Christopher Handke hängen. Der SCP nutzte keine, also schlichen Marc Heitmeier, Danilo Wiebe und Mehmet Kara (u.v.l.) vom Platz. Foto: Jürgen Peperhowe

Amaury Bischoff rang nach Worten. Mit blutender Nase und tiefer Enttäuschung im Gesicht versuchte der Preußen-Kapitän die 0:3 (0:2)-Niederlage beim starken 1. FC Magdeburg zu analysieren. „Ein Skandal, dass wir hier verlieren. Also, ein Fußball-Skandal.“ Seine Einschätzung beruhte nicht wie einst bei Janusz Gora (SSV Ulm) auf der Schiedsrichterleistung, sondern vor allem auf den ersten 20 Minuten. Da hatten die Münsteraner tatsächlich größte Gelegenheiten liegen gelassen und stattdessen den Rückstand kassiert.

Dicke Chancen ausgelassen

„Ich war selbst überrascht, dass wir in der Anfangsphase gegen diesen eigentlich so kompakten Gegner so viele Chancen hatten“, sagte Trainer Ralf Loose . „Ein paar der guten Möglichkeiten hätten wir nutzen müssen.“ Vor allem Philipp Hoffmann und Felix Müller legten zu Beginn passend für die Kollegen auf. Doch Danilo Wiebe (1./4.) und Marcel Reichwein (13./18.) verwerteten beste Gelegenheiten nicht, auch Hoffmanns Fernschuss ging drüber (8.). Stattdessen beendete Christian Beck, der Top-Angreifer des Neulings, seine Minikrise und traf, nachdem Marco Pischorn das Abseits aufgehoben hatte und ihn Marc Heitmeier hatte laufen lassen zum 1:0 (10.). „Den haben wir aus den Augen verloren. Insgesamt war unsere Leistung nicht so gut wie zuletzt. Wir haben in den entscheidenden Momenten nicht getroffen. Daher geht das Ergebnis völlig in Ordnung“, so Loose, der in der Nachspielzeit zusehen musste, wie die gesamte Defensive sich erst von Beck und dann von Torschütze Lars Fuchs beim 2:0 wie eine Schülertruppe narren ließ (45.+1).

Mehr Ballbesitz

Ja, auch nach dem Wechsel hatte der Gast mehr Ballbesitz und war um die Wende bemüht. Doch je lauter das Publikum in dieser Zeit wurde (Loose: „Es stand wie eine Eins hinter der Mannschaft“), desto umständlicher und ideenloser agierten die Preußen. Hoffmann (63.) und Björn Kopplin (66.) verzogen, statt den Anschlusstreffer zu erzielen. Doch bei zahlreichen Szenen hatte der SCP auch Glück. Fuchs (47.), Manuel Farrona Pulido (52, 65./Latte), Beinahe-Libero Steffen Puttkammer (58.) und Tarik Chahed (68./87.) verpassten ein höheres Resultat, das nur Marius Sowislo ausbaute (81.), als er allein auf den erst nach der Pause starken Niklas Lomb zusteuerte und traf.

Sowislo stark

Marius Sowislo, der zwischen 2007 und 2009 für die Preußen spielte, war zweifellos der Mann des Tages. Magdeburgs Kapitän bereitete das 1:0 mit einem tollen Steilpass vor und erzielte das 3:0 selbst, nachdem er SCP-Keeper Niklas Lomb bei einem Konter umkurvt hatte. Auf einen Torjubel verzichtete der 32-Jährige aber, auch weil er in Münster die „zweitschönste Zeit“ seiner Karriere erlebt hatte. Einen gleichsam glänzenden Auftritt legten auch die etwa 16000 FCM-Fans hin, die einheitlich einen riesigen Dauerlärm („Vorwärts, Magdeburger Jungs“) veranstalteten und auf den Rängen gerade nach dem Wiederanpfiff unsagbar gute und friedliche Stimmung machten. Vorbildlich!

...

Loose wollte nicht zu hart mit seinen Schützlingen ins Gericht gehen. „Wir haben alles versucht, der Gegner war einfach durchschlagskräftiger und kaltschnäuziger. Und bisher hat das Team einen ausgezeichneten Job gemacht.“ Auch Bischoff ließ sich in seiner Sichtweise nicht beirren: „Wir haben ein super Spiel gemacht, hatten vier, fünf Riesenchancen. Ich habe mich im Mittelfeld gut gefühlt. Das war einfach Pech.“

Stoff für Videoanalyse

Platz zwei in der Tabelle bleibt weiter fest in SCP-Hand. Allerdings lieferte die Partie auch reichlich Stoff für die Videoanalyse, gerade im Defensivverhalten. Der Aufsteiger kam mit einfachen Mitteln, kollektiver Abwehrdisziplin, langen Bällen, viel Leidenschaft und Härte, vereinzeltem Pressing und einem Dreier- bis Fünferriegel zum Erfolg. „Wir sind mit der harten Spielweise des Gegners nicht gut zurechtgekommen“, räumte Lomb ein. Von dieser Sorte warten allerdings noch weitere Kaliber im Laufe der kommenden (kälteren) Monate.

„Das Ergebnis ist enttäuschend. Aber unser Team ist gefestigt und lässt sich nicht umwerfen von dieser Niederlage“, sagte Sportvorstand Carsten Gockel voller Überzeugung – auch in dem Wissen, dass im Hexenkessel MDCC-Arena noch viele andere Konkurrenten straucheln dürften. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob er Recht hat. Im Umgang mit Rückschlägen zeigt sich zumeist ja, wer sich wirklich Spitzenteam nennen darf.

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