Fußball: 3. Liga
Keine Luftschlösser bei den Preußen

Münster -

Preußen Münster muss in der kommenden Saison sparsam sein. Der Fußball-Drittligist verringert den Etat um eine halbe Million Euro. Die Personalkosten für den Kader, Trainerstab und Spielbetrieb werden rund 3,2 Millionen Euro betragen. Das Gesamtbudget wird mit 6,7 Millionen Euro taxiert. Der SCP plant dabei mit 24 Akteuren im Aufgebot, darunter auch den Langzeitverletzten Simon Scherder und Jesse Weißenfels.

Donnerstag, 07.04.2016, 21:16 Uhr aktualisiert: 07.04.2016, 21:34 Uhr
Bleiben zuversichtlich: SCP-Präsident Georg Krimphove und Sportvorstand Carsten Gockel.
Bleiben zuversichtlich: SCP-Präsident Georg Krimphove und Sportvorstand Carsten Gockel. Foto: Jürgen Peperhowe

Der SC Preußen Münster befindet sich in der Abwicklung der Saison 2015/16. Nun muss man kein Augur sein, um zu erkennen, dass der Fußball-Drittligist im Mittelfeld der Spielklasse die Punktrunde beenden wird. Am Samstag steht das drittletzte Heimspiel gegen Energie Cottbus an. Aber Präsident Georg Krimphove und Sportvorstand Carsten Gockel stecken schon mittendrin in den Planungen für die Saison 2016/17.

Der Stand der Dinge: Der Etat für den Drittliga-Kader wird um gut eine halbe Millionen Euro gesenkt, der Gesamtetat des Vereins dürfte sich auf 6,7 Millionen Euro einpendeln. Im Kader wird es gravierende Änderungen geben, aufgrund der Tilgung der Verbindlichkeiten (noch rund 420 000 Euro) wird es wohl Auflagen durch den Deutschen Fußball-Bund geben.

►  Lizenz 2016/17: Die Anträge der Preußen für 2. Bundesliga und 3. Liga sind seit Mitte März beim DFB, für die Regionalliga wurden keine Unterlagen eingereicht. Eckpunkte des Antrages sind rund 3,2 Millionen Euro für den sportlichen Bereich (Trainerstab, Spieler, Prämien, Berufsgenossenschaftsbeiträge etc.), das sind rund 500 000 Euro weniger als in der laufenden Spielzeit. „Wir bauen keine Luftschlösser, damit müssen wir auskommen“, sagt Club-Chef Krimphove. Gerechnet wird mit einem Zuschauerschnitt von 7000 Besuchern. Weiterhin dürfte der SCP rund 750 000 Euro durch TV-Gelder erwirtschaften.

►  Sponsoren, Teil 1: Regional scheint der Markt für die Preußen ausgereizt, 350 Partner sorgen für 4,4 Millionen Euro Einnahme. Das ist ein Spitzenwert in der 3. Liga. Schwergewicht ist und bleibt Hauptsponsor Tuja. Ohne den geschätzt hohen sechsstelligen Betrag würde der SCP in allergrößte Schwierigkeiten kommen.

► TV und Sponsoren, Teil 2: Die Mediadaten des DFB sagen, dass die Live-Angebote der 3. Liga noch vor Eishockey, Handball oder Basketball liegen würden. Präsident Krimphove sieht das mit einem lachenden und weinenden Auge: „Eine Liveübertragung kostet uns 1000 Zuschauer, wenn es regnet vielleicht auch 2000. Und so ein Spiel bringt zudem 5000 bis 10 000 Euro zusätzliche Kosten für den Verein. Da kommen am Ende der Saison schnell bis zu 100 000 Euro auf uns zu.“ Aber Krimp­hove sieht auch den Imagegewinn und den neuen „TV-Markt“. Vielleicht auch deshalb wird der Verein möglicherweise eine Vermarktungsagentur wie Sportfive einschalten, um Einnahmemöglichkeiten in nationaler Werbung zu generieren.

►  Aufgebot: Sportvorstand Gockel nennt es einen „Ritt auf der Rasierklinge“. Erste Neuzugänge sollen in Kürze vorgestellt werden, mit Philipp Hoffmann und Danilo Wiebe wurde bis 2018 verlängert, Simon Scherder soll folgen, elf Kaderplätze sind besetzt. Doch gleich 14 Kontrakte laufen aus, darunter drei Leihverträge mit Torwart Niklas Lomb (Bayer Leverkusen), Chris Philipps (FC Metz) und Charles Elie Laprevotte (SC Freiburg). Marc Heitmeier, Marcel Reichwein, Abdenour Amachaibou und Kevin Schöneberg erhalten keine neuen Kontrakte.

Hängepartien dürften Marco Pischorn, Björn Kopplin, Felix Müller wie auch Stürmer Rogier Krohne sein. Zudem sind alle drei Torwartpositionen frei. „Das Personal ist der größte Hebel“, sagt Gockel mit Blick auf die notwendigen Einsparungen. Die Preußen planen mit 24 Kadermitgliedern, darunter die Langzeitverletzten Simon Scherder und Jesse Weißenfels. Ein Trend zudem: Der SCP wird auf jüngere Spieler, auch aus dem eigenen Bereich, setzen. ­Tobias Warschewski (U 19), Bennet Eickhoff (U 23) oder auch Maximilian Wüst (U 19) könnten aufrücken.

►  Trainerstab: Horst Steffen hat einen Kontrakt bis 2017, Torwarttrainer Carsten Nulle soll blieben. Ob und in welcher Form Co-Trainer Babacar N‘Diayes weitermacht, ist noch offen, sein Vertrag endet im Sommer.

►  Stadion: Im Idealfall wird der Bebauungsplan im Herbst geändert, im Frühjahr sollen die Bagger anrollen, und zum Saisonstart 2017/18 hätte der Verein eine Weiterentwicklung erreicht. „Mit unserem Stadion haben wir fast ein negatives Alleinstellungsmerkmal in der 3. Liga“, sagte Carsten Gockel. Nur Würzburg und Fortuna Köln hätten vergleichbare Anlagen. Seit der Fertigstellung der Haupt­tribüne vor sechs Jahren ist nichts mehr passiert, andere Drittligisten sind da weiter. Münsters Wettbewerbsnachteil wird von Saison zu Saison größer.

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