Fußball: 3. Liga
Schweers’ vergessener Geniestreich für Preußen Münster

Münster -

Lion Schweers trifft in Münster, Sebastian Mai in Zwickau. Der eine ist 20 Jahre alt, der andere 22 – und in der kommenden Spielzeit könnten beide Seite an Seite die Innenverteidigung des SC Preußen bilden. Wenn die aktuelle Spielzeit schon nichts mehr zu bieten hat, lohnt sich zumindest ein Blick in die Zukunft.

Sonntag, 24.04.2016, 14:25 Uhr aktualisiert: 25.04.2016, 17:46 Uhr
Lion Schweers (M.) feierte seinen ersten Drittligatreffer mit Marco Pischorn und Benjamin Schwarz (l.). Am Ende ließ das Ergebnis allerdings keinen Raum, den Premierentreffer angemessen zu feiern.
Lion Schweers (M.) feierte seinen ersten Drittligatreffer mit Marco Pischorn und Benjamin Schwarz (l.). Am Ende ließ das Ergebnis allerdings keinen Raum, den Premierentreffer angemessen zu feiern. Foto: Jürgen Peperhowe

Am Ende musste Horst Steffen loslassen. Er tat das sehr ungern, das war nicht zu überhören: „Aber nach diesem Ergebnis ist es wohl so. Das hat sich erledigt.“ Der Trainer des SC Preußen Münster strich am Freitagabend in den Katakomben des Preußenstadions 30 Minuten nach der unnötigen 1:2 (1:1)-Niederlage gegen den SC Magdeburg die sorgsam gehegte und gepflegte Zahl 4 aus seinem Motivationskästchen. Platz vier, bis zum Freitagsspiel immer noch als ambitioniertes Ziel an die Kabinenwand geheftet, hat als Menetekel ausgedient. In den letzten drei Saisonspielen geht es jetzt in Theorie und Praxis „nur“ noch darum, eine wechselhafte Saison mit Würde über die Bühne zu bringen. „Heute ein Sieg gegen Magdeburg, damit ein Plätzchen klauen und auf sechs nach vorne rutschen – und den Rückstand auf Platz vier auf vier Zähler verkürzen. So hatte ich mir das vorgestellt“, gönnte Steffen einen kurzen Blick in sein Wunschdenken, das am Freitagabend spätestens nach 89 Minuten der Partie humorlos und endgültig von der Realität weggefegt wurde. Magdeburgs Torjäger Christian Beck wuchtete das Leder nach einem Eckball vorbei am chancenlosen Preußen-Keeper Niklas Lomb zum 2:1-Siegtreffer in die Maschen. Bereits in der 16. Minute hatte Beck erstmals zugeschlagen, Lion Schweers` Torpremiere kurz vor dem Pausenpfiff hatte zwischenzeitlich die Preußen zu Recht zurück ins Spiel gebracht und Steffens „4“ noch einmal kurzfristig zum Thema gemacht.

Nun geriet die laufende Saison nicht an diesem Freitagabend aus der Spur, die Preußen hatten sich in den Wochen und Monaten schon deutlich schwächer präsentiert, aber das Ergebnis passte sich dem Verlauf der Spielzeit formschön an. Immerhin gab es auch belebende Elemente, möglicherweise mit zukunftsweisenden Charakter. Lion Schweers lieferte erneut eine solide Vorstellung in der Abwehrzentrale ab und krönte seine Leistung mit seinem Kopfballtor. „In der Hinrunde hatte ihn noch keiner auf dem Zettel, inzwischen ist er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Lion hat eine super Entwicklung genommen“, sagte einer, der die stetig ansteigende Leistungskurve des gebürtigen Dortmunders aus nächster Nähe mitverfolgen durfte, Torhüter Niklas Lomb. Auch der Mann an Schweers` Seite freute sich mit dem Torjäger-Novizen. „Ich gönne ihm das total“, so Marco Pischorn, den ebenfalls keine Schuld an der Niederlage traf. Welche Folgen der erste Treffer für den Schützen im Mannschaftskreis haben wird, stand am Freitag noch nicht fest. „Da werden wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Lomb, „aber heute Abend ist nicht der richtige Zeitpunkt zum Feiern.“

Geht fair vor?

„Das ist eine tolle Sache, dass Philipp da auf den Beinen bleibt, aber eigentlich müssen wir in dieser Situation einen Elfmeter bekommen“, kommentierte SCP-Trainer Horst Steffen im Nachgang die Situation nach 55 Minuten, als der Preußen-Stürmer im Strafraum ins Straucheln geriet – aber statt zu Boden zu gehen, den Ball noch zu Marcel Reichwein ins Zentrum beförderte. Dessen akrobatischer Seitfallzieher misslang – Gefahr gebannt. Hoffmann pochte im Anschluss allerdings nicht auf den Fairnesspreis. „Der Kontakt war minimal, ich habe ihn kaum gespürt. Ich hatte eher Angst, dass ich gelbrot sehe, wenn ich zu Boden gehe“, so der 23-Jährige, der kurz vor der Pause gelb wegen Meckerns gesehen hatte.

...

Noch drei Spiele stehen bevor, „und die sind uns wichtig“, sagt Steffen – genauso wichtig dürften die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit sein. Da spielte sich in der Innenverteidigung ein junger Mann in den Fokus, ein anderer belebte die Fantasien aus der Fremde. Sebastian Mai, am Freitag erst als Neuzugang verkündet, traf am Samstag ebenfalls. Beim 4:2-Sieg seines FSV Zwickau gegen den SV Babelsberg erzielte der 22-Jährige bereits seinen dritten Saisontreffer für den Spitzenreiter. Die künftige Abwehrzentrale der Preußen lässt hoffen, jetzt sind die anderen Abteilungen dran. In dieser gerüchte-schwangeren Zeit fällt derzeit der Name Tammo Harder von Borussia Dortmund II, der in Drittligazeiten für die Borussen auch schon gegen die Preußen stürmte und traf.

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