Fußball: 3. Liga
Luft ist bei den Preußen endgültig raus

Münster/AUE -

Mehr saß nicht drin, am Ende musste sich Preußen Münster mit Rang neun in der Tabelle der 3. Liga begnügen. Bei Aufsteiger und Zweitliga-Rückkehrer Erzgebirge Aue verlor der SCP mit 0:3 (0:2), zehn Spieler und Co-Trainer Babacar N’Diaye verlassen den Club. Weitere Abgänge – nicht ausgeschlossen.

Montag, 16.05.2016, 14:34 Uhr
Das Erzgebirge feiert den direkten Wiederaufstieg, Marco Pischorn hingegen schleicht vom Rasen. Der 30-Jährige absolvierte in Aue sein letztes Spiel für den SC Preußen.
Das Erzgebirge feiert den direkten Wiederaufstieg, Marco Pischorn hingegen schleicht vom Rasen. Der 30-Jährige absolvierte in Aue sein letztes Spiel für den SC Preußen. Foto: Sebastian Sanders

Manchmal will man nicht zurückblicken, aber leider kommt mancher selberernannte Fußball-Prophet mit dahingeworfenen, motzigen Sätzen zu einer Art regionaler Berühmtheit. So sagte Marcus Piossek, als er die Preußen nach einem wochenlangen Transfergerangel gen 1. FC Kaiserslautern verließ, im August 2015: „Mit mir werden die Preußen Sechster, ohne mich Neunter.“ Da haben wir den Salat, der SCP beendet die Saison 2015/16 auf Rang neun, die 0:3 (0:2)-Auswärtsniederlage bei Erzgebirge Aue machte den Kohl auch nicht mehr fett. Der weise Herr Piossek.

Diese letzte Niederlage war praktisch absehbar. Die letzten Wochen liefen im Standby-Modus ab, weil alle Perspektiven nach und nach abhanden gekommen waren, auch wenn Trainer Horst Steffen das so nicht hinnehmen wollte. Spätestens Mitte März wussten alle Preußen, dass von Platz eins bis vier nichts mehr gehen würde. Dann war klar, dass zehn Spieler den Verein verlassen werden. Der Fokus, den so viele andere Vereine im Finale hatten, fehlte den Preußen. Und so ist die Kellerkinder-Bilanz aus dem letzten Saisondrittel mit 13 Punkten aus 15 Partien ansatzweise zu erklären, alle anderen Teams brannten für ihre Aufgaben, Münster machte noch Dienst nach Vorschrift.

Mwene im Anflug

Zwei Verteidiger stehen offenbar hoch im Kurs beim SC Preußen, Verpflichtung sehr wahrscheinlich. Rechtsverteidiger Phillipp Mwene stieg gerade mit dem VfB Stuttgart II ab, hier spielt der gebürtige Wiener, der bei der Austria das kicken lernte, seit 2010. Der 22 Jahre alte Rechtsverteidiger kickte in der A- und B-Jugend in Stuttgart und kommt nun auf 73 Drittliga-Partien (vier Tore), zudem stehen 29 Länderspiele im Juniorenbereich zu Buche. In der U-21-Auswahl waren es zwölf Einsätze (zwei Tore), zuletzt spielte er im März gegen die Ukraine mit. Kommt Mwene, würde wohl eine Vertragsverlängerung mit Björn Kopplin unwahrscheinlich werden. Sowohl als Links- wie auch als Innenverteidiger ist Jeron Al-Hazaimeh einsetzbar, er ist allerdings noch mit SF Lotte in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gefordert. Der 24 Jahre alte Düsseldorfer spielte unter anderem in der 3. Liga beim Chemnitzer FC und kam dort auf zwölf Einsätze.

...

Dass der SCP ausgerechnet zum Abschluss nach Aue musste, war sowas wie Ironie des Schicksals. Da hatte Münsters Ex-Trainer Pavel Dotchev aus einem Zweitliga-Absteiger am Boden eine Bande von Stehaufmännchen gemacht, gekrönt mit der fast schon sensationellen Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus. Ja, Dotchev, der mit den Preußen 2013 mit Fußballspektakel und 72 Punkten am Aufstieg knapp vorbeigerauscht war und wenig später gehen musste. Auch der SCP hätte gerne so einen Wundertüten-Fußball angeboten, es gelang zumindest von den Ergebnissen in der Hinrunde. In der zweiten Serie knickte der SCP ein, die viertschlechteste Bilanz aller Drittligisten spricht Bände.

In Aue zeigten sich die Kicker aus dem Erzgebirge als Meister der Effektivität. Vor der Pause, als der SCP durch einen Kopfball von Lion Schweers (8.) die beste Chance hatte und Mehmet Kara (22.) nach einem Foulvon Calogero Rizzuto keinen Elfmeter bekam, trafen Pascal Köpke (15.) und Simon Skarlatidis (41.). Nach dem Wechsel ging nichts mehr, das 3:0 durch Pascal Köpke (83.) war Ausdruck der gnädigen Spielweise der Hausherren. Und ein Kunststück mit der Hacke.

Am 19. Juni geht es weiter

Die Preußen absolvieren am Dienstag und Mittwoch noch zwei Übungseinheiten, das Training nehmen sie am 19. Juni wieder auf. Die neue Saison in der 3. Liga startet mit dem ersten Spieltag vom 29. bis 31. Juli. Dann folgt gleich eine englische Woche vom zweiten bis vierten Spieltag. Die dritte Runde ist am 9./10. August angesetzt. Die Hinserie endet mit dem 19. Spieltag vom 16. bis 18. Dezember. Weiter geht es mit Spieltag 20 vom 27. bis 29. Januar. Letzter Spieltag ist der 20. Mai.

...

„Wir hatten in der ersten Hälfte eine gute Anlage, da haben wir mal was anderes probiert. Wir hatten auch vier, fünf gute Chancen. Es hätte zur Pause auch anders stehen können. Nach dem Wechsel war die Luft raus“, befand SCP-Coach Horst Steffen. „Uns fehlte wieder mal der Punch, aus guten Ansätzen Erfolg zu schlagen“, so Sportvorstand Carsten Gockel. Max Schulze Niehues, der im 38. Saisonspiel seinen ersten Einsatz absolvierte, verhinderte letztlich Schlimmeres - und zeigte dem Coach, was er in Wettkämpfen zu leisten im Stande ist. Aber artig lieferte der SCP die Punkte ab, freundlich wurde sich vor Dotchev verneigt und ein Präsent überreicht. Dann war Schluss, die unendlich lange Heimreise stand an, Feierabend in der 3. Liga für den Augenblick. Zum Glück für die Preußen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4007666?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820606%2F
Nachrichten-Ticker