Fußball: 3. Liga
Preußen-Präsident Krimphove zum Lagardère-Deal: „Es wird kein Geld regnen“

Münster -

Der auf acht Jahre befristete Deal zwischen Preußen Münster und Vermarkter Lagardère Sports klingt vielversprechend, dem Verein wird der Vertrag durch eine Summe zwischen 500 000 und einer Million Euro versüßt. Allerdings sind Erfolge, sportlich und wirtschaftlich, die Voraussetzung für ein Gelingen der Partnerschaft.

Donnerstag, 16.06.2016, 09:00 Uhr aktualisiert: 16.06.2016, 12:21 Uhr
Deal abgeschlossen: (v.l.) Sportvorstand Carsten Gockel, Präsident Georg Krimphove, Hendrik Schiphorst (Lagardère), Präsidiumsmitglied Siggi Höing und Dirk Kugel (Cocnito) arbeiten künftig in der Vermarktung eng zusammen.
Deal abgeschlossen: (v.l.) Sportvorstand Carsten Gockel, Präsident Georg Krimphove, Hendrik Schiphorst (Lagardère), Präsidiumsmitglied Siggi Höing und Dirk Kugel (Cocnito) arbeiten künftig in der Vermarktung eng zusammen. Foto: SC Preußen Münster

Der SC Preußen Münster hat einen über acht Jahre bis zum 30. Juni 2024 laufenden Kontrakt mit der französischen Vermarktungsgruppe Lagardère Sports abgeschlossen. Damit tritt der Drittligist seine Vermarktungsrechte ab. „Für uns hat das eine positive Wirkung. Wir denken, dass die Netzwerke der Lagardèrè-Gruppe uns helfen können und erhoffen uns Synergieeffekte in der Zukunft“, sagte SCP-Präsident Georg Krimphove . Um aber auch gleich anzufügen: „Es wird jetzt kein Geld vom Himmel regnen.“

Der Clubchef sagte auch, dass der SCP in der Vermarktung noch nicht ausgereizt sei, gerade im digitalen Bereich sowie bei der überregionalen und nationalen Werbung sei noch Luft nach oben. Ein weiterer Teil des Tafelsilbers ist ebenfalls noch zu haben: die Namensrechte für Stadion.

Wofür steht Lagardère?

Hervorgegangen aus Sportfive und als Teil der global agierenden Sportmarketing-Agentur Lagardère Sports and Entertainment, ist Lagardère Sports in Deutschland an 17 Standorten vertreten und bietet als Pionier und Markttreiber Expertise, Marketingrechte sowie Dienstleistungen für wertstiftende Partnerschaften in der Sportvermarktung. Neben dem Kerngeschäft Fußball agiert Lagardère bundesweit auch auf weiteren reichweitenstarken Plattformen im Handball-, Winter- und Motorsport. Im Profifußball ist Borussia Dortmund das Premiumprodukt, weitere fünf Erstligisten (etwa der Hamburger SV und Bayer Leverkusen), sieben Zweitligisten sowie mit Münster und dem MSV Duisburg zwei Drittligisten gehören zum Klientenstamm.

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Bislang hatte Dirk Kugel mit seiner Agentur Cocnito den Verein betreut. Mit ihm wuchs der Anteil im Sponsorenbereich auf über 250 Partner an, zwischen 4,2 bis 4,4 Millionen Euro dürfte der Betrag liegen, der durch die Sponsoren erwirtschaftet wird. In Zukunft soll diese Zahl dann wohl steigen. Zum einen ist es üblich, dass der neue Vermarkter Lagardèr Sports erst dann richtig mitverdienen kann, zum anderen braucht der SCP weitere Einnahmen. „Wir setzen damit ein Zeichen für die Zukunft. Das ist ein wichtiger und richtiger Schritt zur Professionalisierung des Clubs“, erklärte Thomas Bäumer, der Aufsichtsratsvorsitzende der Preußen . Er war von Beginn an stark eingebunden in die Gespräche.

Beim SCP werden Kugel und Ex-Kapitän Jens Truckenbrod, der nach Ende seiner Karriere zu Cocnito gewechselt war, weiter mit an Bord beim SCP bleiben, es gilt die vielen bereits bestehenden Partnerschaften weiter zu pflegen und zu hegen. Zudem wird der Vermarkter mindestens einen Mitarbeiter abstellen.

Kommentar: Vernunft oder Ausverkauf

Die Vertragspartner bezeichnen den Deal zwischen dem SC Preußen und Lagardère Sports als Meilenstein für die Zukunft. Andere sagen, der Club hat sich unnötig acht Jahre angekettet und sein letztes Tafelsilber verhökert. Vernunft oder Ausverkauf. Die Wahrheit liegt zwischen den beiden Polen. Viele Drittligisten sind finanziell angeknockt, im Dezember vermeldete der SCP eine halbe Million Euro Schulden. Ein Vermarkter verspricht derweil Sicherheit, Stabilität und Professionalität, saugt dafür eine Menge Geld ab. Und der Verein hat Souveränität abgetreten, ein Risiko ist vorhanden. Es ist ein schmaler Grat, Ausgang ungewiss.  Alexander Heflik

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Zum Ende der vergangenen Saison wurden Gespräche zwischen Verein und Lagardère Sports aufgenommen. Auch die Schweizer Firma Infront Sports & Media, die mittlerweile die Vermarktung von Ligakonkurrent VfL Osnabrück für fünf Jahre übernommen hat, hatte nach Informationen unserer Zeitung mit dem SCP verhandelt, dann aber Abstand davon genommen. Infront will in Osnabrück den Sponsoring-Anteil auf 4,3 Millionen Euro anheben. Der VfL ist der fünfte Drittligist im Infront-Portfolio. Der VfR Aalen, Mitbewerber des SCP und der Osnabrücker, hatte unlängst einen Vertrag mit dem Vermarkter vorzeitig aufgelöst. Der Kontrakt war über fünf Jahre datiert, nun macht der VfR die Vermarktung regional ausgerichtet in Eigenriege weiter.

Der SCP hat sich dagegen gebunden, die Unterschrift soll mit einer Summe X versüßt worden sein, diese dürfte buchhalterisch zwischen 500 000 und einer Million Euro liegen. Lagardère Sports dürfte auf Dauer mindestens branchenübliche 15 Prozent der Einnahmen im Sponosrenbereich erhalten, Details über den Preußen-Vertrag wurden allerdings nicht bekannt.

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