Fußball: 3. Liga
Preußen, Lotte, Osnabrück – Nachbarschaftsduelle vorprogrammiert

Münster -

Die 3. Liga läuft seit Freitagabend. Mittendrin: Zwei Mannschaften aus dem Münsterland und eine weitere aus der unmittelbaren niedersächsischen Nachbarschaft. Was Preußen Münster, die SF Lotte und der VfL Osnabrück so vorhaben, unterscheidet sich schon deutlich.

Samstag, 30.07.2016, 11:00 Uhr aktualisiert: 30.07.2016, 18:39 Uhr
Münster gegen Osnabrück ist mittlerweile ein Drittliga-Klassiker geworden. Auf dem Feld, hier am Ball Preuße Mehmet Kara, wurde immer viel geboten, auf den Tribünen gab es mitunter unschöne Szenen.
Münster gegen Osnabrück ist mittlerweile ein Drittliga-Klassiker geworden. Auf dem Feld, hier am Ball Preuße Mehmet Kara, wurde immer viel geboten, auf den Tribünen gab es mitunter unschöne Szenen. Foto: Jürgen Peperhowe

Wer von der 3. Liga spricht, der spricht zwangsläufig auch über Preußen Münster und den VfL Osnabrück. Seit 2011 spielen beide Traditionsclubs nicht nur auf der Landkarte sondern oft auch tabellarisch Seite an Seite in dieser Liga, die das Bindeglied zwischen fußballerischer Provinz und der ganz großen Bühne darstellt. An der Hammer Straße in Münster und an der Bremer Brücke in Osnabrück werden Jahr für Jahr Schlagzeilen für diese Liga geschrieben – wenn es jedoch um die Saisonentscheidung geht, dann geben beide Clubs oft nur noch Stoff für Randnotizen her.

Das Kommen und Gehen in Liga drei wird an der Bundesautobahn 1 mit Spannung verfolgt, nur die eigenen Teams haben die Ausfahrt Richtung zweiter Liga zuletzt in schöner Regelmäßigkeit verpasst.

In der am Freitag beginnenden Spielzeit zählen Münster und Osnabrück einmal mehr zum erweiterten Favoritenkreis – auch wenn der Chemnitzer FC, Holstein Kiel und die Absteiger MSV Duisburg und SC Paderborn noch höher gehandelt werden. Allemal haben weder Münster noch Osnabrück das Bestreben, auf Dauer zum festen Inventar dieser Spielklasse zu werden. Irgendwann soll der Absprung gelingen. Die Trainer Horst Steffen (Preußen) und Joe Enochs (VfL) haben in der vergangenen Spielzeit fertige Teams übernommen und ihnen vor dieser Saison erstmals den eigenen Stempel aufgesetzt. In der aktuellen Saisonvorbereitung wird das Wörtchen Aufstieg zwar weder bei den Preußen in Nordrhein-Westfalen noch wenige Kilometer nördlich in Niedersachsen fordernd eingesetzt – doch hier wie dort lockt ewig die Liga zwei.

Davon ist beim kleinsten Drittligisten (noch) nicht die Rede: Die Sportfreunde aus Lotte, 53 Kilometer nördlich von Münster und zwölf Kilometer westlich von Osnabrück beheimatet, haben ihr großes Ziel mit dem Aufstieg erreicht – und wollen diese Klasse natürlich halten. Der letzte Aufsteiger aus der Regionalliga West hieß Fortuna Köln und hat sich in der nächsthöheren Umgebung fest etablieren können. Im Mai schaffte Regionalliga-Süd-Aufsteiger Würzburger Kickers sogar den direkten Durchmarsch in Liga zwei. Das erwartet niemand vom Team des erst 36-jährigen Chefcoaches Ismail Atalan, der im Schatten der beiden Traditionsvereine in unmittelbarer Nachbarschaft aber vergleichsweise ungestört wird arbeiten können.

Steffen zuversichtlich

Horst Steffen, Trainer des SC Preußen, fasst die fünfwöchige Vorbereitungszeit, in der immerhin neun Neuzugänge – allesamt mit Startelf-Potenzial – ins Team integriert werden mussten, so zusammen: „Ich bin verhalten optimistisch.“ Das klingt bescheiden, ist aber nach den zumeist leidvollen Erfahrungen der vergangenen Spielzeiten auch durchaus realistisch. Die Vorbereitung lief für die Preußen rund und harmonisch. „Wir haben das Potenzial, eine gute Saison zu spielen, weil wir gute Typen in der Mannschaft haben. Aber man weiß ja, wie das manchmal läuft“, so Steffen, der seit Januar im Amt ist.

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Preußen-Trainer Horst Steffen im Interview

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  • Foto: Gunnar A. Pier
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Auf die leichte Schulter wird die Sportfreunde dennoch niemand nehmen – schon gar nicht Preußen Münster, das in den beiden vergangenen Jahren jeweils gegen Lotte aus dem Verbandspokal flog und damit die so lukrative erste DFB-Pokal-Hauptrunde verpasste. Da sind also noch Rechnungen offen – der Respekt ist von beiden Seiten groß, zumal Nachbarschaftsduelle bekanntlich ohnehin ihre eigenen Gesetze haben. Das erste und wohl das aus Fan-Sicht „einzig wahre“ Derby findet gleich am ersten Spieltag in Münster statt, wenn die Preußen Osnabrück erwarten (Sonntag 14 Uhr). Die Sportfreunde starten ebenfalls erst am Sonntag mit ihrem Gastspiel bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen.

Atalan wissbegierig

„Wir sind froh, dass es endlich losgeht. Vorbereitung ist kein Ersatz für Meisterschaftsspiele“, sagt Ismail Atalan, Trainer des Aufsteigers Sportfreunde Lotte, die am Sonntag in Bremen (14 Uhr) ihr Drittliga-Debüt geben. Die Vorbereitung lief nicht ganz nach dem Wunsch des Trainers. „Wir haben viele Testspieler eingesetzt, da konnten wir uns kaum einspielen“, so Atalan. Dennoch setzt der 36-Jährige, der gerade den Fußballlehrer-Lehrgang in Hennef absolviert, auf ein Kollektiv. Der Stamm der Truppe ist zusammengeblieben. „Dennoch zählt für uns am Ende nur der Klassenerhalt“, ist Atalan realistisch genug.

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Die ersten Punkte werden allerdings bereits an diesem Freitag verteilt, wenn die beiden Absteiger und Aufstiegsaspiranten MSV Duisburg und der SC Paderborn um 20.30 Uhr gemeinsam den Reigen eröffnen.

Enochs ehrgeizig

Elf Spieler hat Osnabrück abgegeben, 14 Neuzugänge sind zu verzeichnen – vier davon aus der eigenen Jugend. Ob es mit dem Kader zum großen Wurf reicht, bleibt abzuwarten. Neun der 20 Drittliga-Trainer tippen auf einen Aufstieg der Lila-Weißen. Auch die Vorbereitung war zufriedenstellend. Gegen Hannover 96 gelang ein 1:0-Sieg, gegen das Star-Team des FC Porto verlor der VfL nur knapp. Beim eigenen Turnier mit Cardiff City, Borussia Mönchengladbach und dem FC St. Pauli wurde der Osnabrück zwar Letzter, konnte aber zu jeder Zeit mithalten. Für Trainer Joe Enochs steht fest: „Ich will immer gewinnen.“

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