Keine Punkte, keine Tore
Fußball-Drittligist Preußen Münster rutscht in eine Krise

Rostock -

Ist das schon ein Fehlstart? Zwei Spiele, zwei Niederlagen – der SC Preußen hat jedenfalls jegliche Starteuphorie selbst im Keime erstickt. Erneut war Münster nicht auffallend unterlegen, doch beim 0:1 (0:0) bei Hansa Rostock fehlten wieder die klaren Szenen, zwei Aussetzer brachten die Niederlage. In Unterzahl mangelte es am Ende an Ideen, wenn auch nicht am Willen. „Es waren zwei Schlüsselszenen“, sagte Trainer Horst Steffen, der sich vor dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg am Mittwoch durchaus schon unter Druck sieht – auch wenn er spielerisch eine klare Steigerung zum 0:1 gegen Osnabrück gesehen hatte.

Samstag, 06.08.2016, 11:45 Uhr aktualisiert: 06.08.2016, 11:56 Uhr
Trauriger Abgang: Die Preußen bleibt punkt- und torlos in dieser Saison mit (v.l.) Sandrino Braun, Michele Rizzi, Mehmet Kara und Jeron Al-Hazaimeh.
Trauriger Abgang: Die Preußen bleibt punkt- und torlos in dieser Saison mit (v.l.) Sandrino Braun, Michele Rizzi, Mehmet Kara und Jeron Al-Hazaimeh. Foto: Jürgen Peperhowe

Eine personelle Änderung gab es beim SCP. Edisson Jordanov musste an alter Wirkungsstätte auf die Bank, Mehmet Kara kam ins Spiel und agierte in einer Dreier-Mittelfeldreihe. Auf dem Rasen ging es gleich gut zur Sache. Beide Seiten suchten den Weg nach vorn. Sebastian Mai hatte nach einem Freistoß von Michele Rizzi die erste Chance, legte den Ball aber freistehend knapp über den Querbalken (8.). Auch Jeron Al-Hazaimeh schnupperte mit seinem Volleyschuss, der einen Meter zu hoch angesetzt war, an der Führung (12.).

Hanseatischer Druck

„Wir hatten einige vielversprechende Angriffe und lange alles im Griff“, sagte Steffen. Es entwickelte sich ein schnelles, ein gutes Drittliga-Spiel, in dem die Gastgeber etwas mehr Ballbesitz hatten. Glück hatte der SCP, als Tobias Jänicke nach einem Mai-Patzer im Aufbau frei durch war und im Duell mit Kara zu Boden ging, der Pfiff aber ausblieb (27.). Der hanseatische Druck nahm hiernach etwas zu, klare Abschlüsse blieben aber aus.

3. Liga: Hansa Rostock gegen SC Preußen Münster

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  • Braun, Rizzi, Kara und Al-Hazaimeh

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grimaldi muss ausgewechselt werden.

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  • Enttäuschung bei Rühle.

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  • Nach dem Spiel: Tritz.

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  • Al-Hazaimeh

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  • Grimaldi

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  • Stoll und Al-Hazaimeh nach dem Spiel.

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  • Stoll und Marco Kofler

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  • Rühle

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  • Trainer Horst Steffen

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  • Enttäuscht: Kara.

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  • Grimaldi kann gegen Michael Gardawski nur hinterherschauen.

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  • Horst Steffen mit Denis Mangafic: Preußens Nummer 30 kassiert im Spiel die gelb-rote Karte.

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  • Denis Mangafic im Duell mit Fabian Holthaus.

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  • Grimaldi muss verletzt ausgewechselt werden.

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  • Lion Schweers im Zweikampf mit Kerem Bülbül.

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  • Preußen-Trainer Horst Steffen ist unzufrieden mit dem Spiel seiner Elf.

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Aus der Kabine kamen die Rostocker mit einem Ausrufezeichen. Lion Schweers rutschte an einem Steilpass vorbei, Kerem Bülbül legte nach links zu Jänicke, doch dessen Abschluss aus spitzem Winkel rauschte weit neben den Kasten (47.). Es war die gefährlichste Szene der Kogge bis dato.

Ampelkarte für Mangafic

Kurz darauf leistete sich Denis Mangafic sein zweites Foul gegen Fabian Holthaus. Das Problem: Es war auch sein zweites gelbwürdiges, Schiedsrichter Christian Dietz zückte sofort die Ampelkarte (54.). Die Preußen hatten sogar noch Glück, dass sich der folgende Freistoß von Stephan Andrist, den die Mauer abfälschte, nicht ins Tor senkte (56.).

Die Preußen-Spieler in der Einzelkritik

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  • Max Schulze Niehues: Lange ohne Arbeit, beim Gegentor dann machtlos. Parierte einmal gut gegen Stephan Andrist. Am Ende sogar im Hansa-Strafraum. Note: 3

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  • Denis Mangafic: Wenig Druck über rechts, dagegen immer wieder gefordert in der Defensive. Seine zwei Fouls, die Gelb-Rot ergaben, waren überflüssig und wohl spielentscheidend. Note: 5

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  • Lion Schweers: Den Aufbau überließ der Youngster meist seinen Nebenleuten. Anfangs aufmerksam, später mit kleinen Wacklern. Hatte in der Nachspielzeit die beste Chance. Note: 3,5

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  • Sebastian Mai: Einige wichtige Rettungsaktionen vor der Pause, aber auch ein schlimmer Aufbaufehler. Vor dem Gegentor mit einem gefährlichen Pass beteiligt, in der Schlussphase Antreiber und wieder mehrfach Retter. Note: 3,5

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  • Jeron Al-Hazaimeh: Suchte zunächst dosiert, aber passend den langen Weg nach vorn. Leistete sich aber auch Fehler. Vor allem den entscheidenden vor dem 0:1. Note: 4

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  • Mehmet Kara: Zu Beginn mit Elan und gewohnter Dribbelstärke. Baute danach jedoch etwas ab. Im Mittelfeld weniger wertvoll als auf dem Flügel. Note 4

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  • Michele Rizzi: Der Organisator im Zentrum, Standards weiter verbesserungswürdig. Quälte sich mit Adduktorenbeschwerden durch. Das merkte man ihm mit der Zeit auch an. Note: 4

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  • Sandrino Braun: Nicht jedes Abspiel kam an, ab und an fehlte das Timing. Trotzdem ein laufstarker Posten vor der Abwehr, der später auch abfiel. Note: 4

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  • Tobias Rühle: Zog zahlreiche Fouls auf der rechten Seite. Anfangs sehr aktiv, aber ohne Präzision bei den Hereingaben. Später als einzige Spitze ohne Szenen. Note: 3,5

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  • Adriano Grimaldi: Bekam früh einen Schlag auf den Oberschenkel und blieb ziemlich ungefährlich über die 56 Minuten auf dem Platz. Auch kaum Anspiele. Note: 4,5

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  • Sinan Tekerci: Klasse Ballbehandlung - wenn er denn mal am Ball war. Das war selten der Fall. Tauchte komplett ab, erst recht nach der Pause. Note: 5

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  • Stéphane Tritz: Musste für den herausgestellten Mangafic rechts verteidigen. Machte das unauffällig, bereitete aber die Schweers-Großchance per Freistoß vor. Note: 3,5

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  • Edisson Jordanov: Zunächst auf der Bank an alter Wirkungsstätte. Nach seiner Einwechslung sehr bemüht. Keine Note

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  • Lennart Stoll: Kam für eine Viertelstunde in der Spitze zum Einsatz. Ungewohntes Betätigungsfeld. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

Hansa wollte es jetzt wissen und wurde belohnt. Jänickes Weitschuss rauschte noch knapp vorbei (63.). 30 Sekunden später war er erfolgreich, als Al-Hazaimeh – von Mai in Bedrängnis gebracht – einen Fehlpass spielte, Andrist in den Strafraum eindrang, Marcel Ziemer noch verpasste, aber Jänicke am langen Pfosten völlig freie Bahn hatte (63.). „Beide Szenen waren total unnötig“, befand Steffen.

Frustrierte Münsteraner

Die jetzt im 4-4-1 sortierten Münsteraner wirkten extrem frustriert und fanden auch keinen Weg in den gegnerischen Sechzehner. Eine echte Schlussoffensive gab es nicht. Die SCP-Fehler im Aufbau häuften sich, die Hausherren konterten einige Male zu ungenau oder blieben hängen. Bei einer Andrist-Hereingabe musste Keeper Max Schulze Niehues aber in höchster Not retten (78.). Vom Ausgleich jedenfalls waren die Münsteraner weit entfernt. Erst, als sich in der Nachspielzeit drei Standards ergaben, hätte das 1:1 fallen können, doch Hansa-Keeper Marcel Schuhen parierte den Schweers-Kopfball glänzend (90.+2).

Zum zweiten Mal also in dieser Saison blieben Stürmer und Mittelfeldspieler ohne echten Abschluss . Für den Coach durchaus ein echtes Alarmsignal. Er stellte sich jedoch auch vor sein Team. „Ich habe im Vergleich zu Sonntag eine Entwicklung gesehen, in Sachen Ballkontrolle war das ein Riesenunterschied.“ Es ändert dennoch nichts an dem Umstand, dass die Preußen nach der ersten Niederlage an der Ostsee überhaupt einen gewaltigen Rucksack tragen. Die ersten Punkt der Saison sind gegen die Zebras Pflicht. Sonst brennt‘s schon.

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