Fußball: 3. Liga
Gockel geht nach 20 Jahren

Münster -

Als die umgebaute Führungs-Mannschaft um Präsident Christoph Strässer sowie Fabian Roberg, den Aufsichtsrats-Vorsitzenden, vor einigen Tagen in der Öffentlichkeit präsentiert wurde, da saß Sportvorstand Carsten Gockel weit außen am Rand. Dass seine Zeit beim Fußball-Drittligisten in naher Zukunft enden könnte, war in diesem Moment nicht unwahrscheinlich. Jetzt folgte nichtsdestotrotz der laute Abschiedsknall.

Freitag, 28.10.2016, 18:50 Uhr aktualisiert: 28.10.2016, 19:51 Uhr
Das war es: Ex-Sportvorstand Carsten Gockel, der zuletzt die Geschäftsführung innehat, verlässt den Club von der Hammer Straße
Das war es: Ex-Sportvorstand Carsten Gockel, der zuletzt die Geschäftsführung innehat, verlässt den Club von der Hammer Straße Foto: Jürgen Peperhowe

Seinen Stammplatz im Rahmen der Pressekonferenz vor Punktspielen hatte er schon letzte Woche nicht mehr eingenommen, in Lotte verpasste er die Partie. Ein angekündigter Abschied wird das genannt, auf Raten.

Nun nahm der 43-Jährige nicht ganz unerwartet die Dinge selbst in die Hand, am Donnerstag informierte er engste Mitarbeiter, bat am Freitagmorgen in einem Gespräch mit Roberg und Strässer um die Vertragsauflösung und geht – vermutlich betritt er am kommenden Freitag letztmals in seiner Funktion die Geschäftsstelle.

Kommentar

Den Kommentar unseres Redaktionsmitglieds, Alexander Heflik, zu diesem Thema finden Sie hier: Eine Ära des SCP endet

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Dem Club war das eine Mitteilung über 18 Zeilen wert. Wohin es Gockel zieht, stand nicht darin. Nach Informationen unserer Zeitung wechselt der gebürtige Soester in die Privatwirtschaft und wird Betreuer von sogenannten Key-Accounts, also Großkunden. Dabei soll Thomas Bäumer, der frühere Aufsichtsrats-Vorsitzende, mit Türen geöffnet haben.

Carsten Gockel verlässt den SC Preußen Münster

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  • Carsten Gockel war über ein Jahrzehnt lang ein Gesicht des SC Preußens. Jetzt endet eine Ära.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lange Zeit war Carsten Gockel auch als Spieler aktiv beim SCP. Von 1996 bis 2000, sowie von 2003 bis zum Karriereende 2006 spielte er in Münster.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sportlicher Leiter, Interimstrainer, Sport-Vorstand und Geschäftsführer. Gockels Aufgaben beim SC Preußen Münster waren vielfältig.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch außerhalb des Vereins war Gockel aktiv. Hier sieht man ihn bei einem Zoobesuch mit dem ehemaligen Zoo-Direktor Jörg Adler.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Große Euphorie vor der Saison 2015/2016. Mit Trainer Ralf Loose und Co-Trainer Babacar N´Diaye ging man optimistisch in die Saison. Loose wurde allerdings während der Rückrunde entlassen. Mit dem erhofften Aufstieg wurde es nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit Nachfolger Horst Steffen hoffte Gockel endlich den richtigen Mann für den Trainerposten gefunden zu haben. Aber unter Steffen fand der SC Preußen nie richtig in die Erfolgsspur.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war oft Trainingsgast und hörte sich die Ansprachen an oder sprach selbst zur Mannschaft.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit dem SC Preußen Münster wird er wohl immer irgendwie verbunden bleiben. Ab nächster Woche ist er aber in keiner aktiven Funktion mehr tätig.

    Foto: Wilfried Hiegemann

Wer Nachfolger von Gockel wird, der in Personalunion den Geschäftsbetrieb und die Sportliche Leitung beim Drittligisten innehatte, ist völlig offen. Mögliches Szenario wäre die Einstellung eines kaufmännischen Leiters, der den Geschäftsbetrieb weiterführt, sowie eines Sportlichen Leiters. Erstgenannter muss sich um rund 15 Angestellte kümmern. Letztgenannter, also der Sportchef, sollte eigentlich erst im Frühjahr ein Thema werden. Namen? Detlev Dammeier wohl nicht. Stefan Grädler, der schon einmal den SCP betreute, wäre frei. Artfremde aus anderen Sportarten würden vielleicht sogar in das Profil von Präsidiumsmitglied Walther Seinsch passen. Alles offen beim SCP, was diese Funktionen oder Doppelrolle betrifft. Nichts genaues weiß man nicht.

Gockel kam als 22-Jähriger im Sommer 1996 von der Hammer SV zum SCP, in sieben Spielzeiten werden für ihn 212 Pflichtspiele für Münster mit 48 Toren regis­triert. Nach Ende der Karriere rückte der A-Lizenz-Inhaber in den Bereich der sportlichen Leitung nach dem Absturz des Clubs in die Oberliga. Nun, in seiner elften Saison beim SCP, stehen sportlich die Regionalliga-Qualifikation 2008, der Aufstieg in die 3. Liga (2011) sowie mehrere Teilnahmen am DFB-Pokal zu Buche. Zwei Mal sprang er als Interimslösung nach der Trennung von Georg Kress (2007) und Roger Schmidt (2010) kurzfristig als Trainer ein.

Die Einheit der Führungsriege bröckelte seit 2013. Den Machtkampf mit dem damaligen Präsidenten Dr. Marco de Angelis sah Gockel als Sieger, er blieb im Amt, ihm stand Aufsichtsratschef Thomas Bäumer zur Seite. Für die Fankurve war Gockel da schon länger als Feindbild Nummer eins ausgemacht, weil der 43-Jährige den Einsatz von Pyrotechnik oder Ausschreitungen offensiv und entschieden verurteilte. Aber Gockel war auch das Gesicht des SCP bei der kommunalen Verwaltung oder den vielen Schulpartnerschaften. Mit ihm an der Spitze holte sich der SCP Renommee und Image zurück. Nach nun 20 Jahren geht Gockel. Er hat genug.

Das ist die Führungsmannschaft des SCP

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  • Neues Führungsduo im Preußen-Präsidium: SPD-Politiker Christoph Strässer (l.) und Unternehmer Walther Seinsch.

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  • Aus der alten Führungsriege - v.l.: Carsten Gockel (Sportvorstand), Uwe Landheer (Vorstand Liegenschaften), Georg Krimphove (Präsident), Siggi Höing (Vorstand, Sponsoren), Thomas Bäumer (Aufsichtsratschef) und Mike Schmitz (Vorstand Finanzen) - sind nur zwei Personen übrig geblieben:

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  • Siggi Höing, der weiterhin für Sponsoren zuständig ist und...

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  • ...Carsten Gockel, der den Vorstand allerdings verlässt und nur noch als Geschäftsführer arbeiten wird.

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  • Christoph Strässer führt künftig das Preußen-Präsidium.

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  • Auch Unternehmer Walther Seinsch ist jetzt neu im Vorstand und zuständig fürs Sportliche und das Stadionprojekt.

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  • Der bisherige Jugendkoordinator Bernd Niewöhner rückt in den Vorstand auf und kümmert sich weiter um den Nachwuchsbereich.

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Außerdem neu im Vorstand: Martin Jostmeier (2.v.l.), stellvertretender Geschäftsführer des Handwerkerbildungszentrums, ist zuständig für Finanzen.

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  • Fabian Roberg hatte nur eine kurze Amtszeit als Preußen-Aufsichtsrats-Chef. Am 20. November 2016 kündigte der Unternehmer aus Münster seinen Rücktritt an.

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  • Stellvertreter ist weiter Michael Klein.

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  • Prominenter Neuzugang im Aufsichtsrat: Ex-Profi und -Nationalspieler Christoph Metzelder. Er soll in allen sportlichen Angelegenheiten beraten.

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  • Um das gleiche Feld soll sich auch Jochen Terhaar kümmern.

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  • Diese zehn Männer bilden am 14. Oktober den neuen Aufsichtsrat der Preußen: (v.l.) Marc Zahlmann, Jürgen Becker (neu, Steuerberater), Frank Rheinboldt, Fabian Roberg, Michael Klein, Frank Westermann (neu, Anwalt), Wilhelm Schwellenbach, Christoph Metzelder (neu), Jochen Terhaar (neu) und Werner Bisplinghoff.

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  • Die neue Führungsriege hat hohe Ziele.

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