Machtkampf bei Preußen Münster
Fabian Roberg und Walther Seinsch haben sich nichts mehr zu sagen

Münster -

Der Traditionsclub steht vor einer Zerreißprobe. Zwischen Fabian Roberg und Walther Seinsch geht nichts mehr. Und im aktuellen Aufsichtsrat dürfte es zwei Lager geben. Es droht eine Schlammschlacht. 

Montag, 21.11.2016, 19:30 Uhr aktualisiert: 21.11.2016, 20:12 Uhr
Geschiedene Leute: Aufsichtsrats-Vorsitzender Fabian Roberg (l.) und Präsidiumsmitglied Walther Seinsch.
Geschiedene Leute: Aufsichtsrats-Vorsitzender Fabian Roberg (l.) und Präsidiumsmitglied Walther Seinsch. Foto: Jürgen Peperhowe

Der SC Preußen Münster steht vor einer ­ Zerreißprobe , vielleicht auch einer fürchterlichen Schlammschlacht. Nichts geht mehr zwischen Fabian Roberg , Aufsichtsrats-Vorsitzender des Clubs, und ­ Walther Seinsch , dem Präsidiumsmitglied für Sport und Infrastruktur. „Auf keinen Fall“, betonte Roberg, werde es eine weitere Zusammenarbeit mit Walther Seinsch geben. Letztgenannter war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen.

Roberg, der erst vor zwei Monaten ins Kontroll­gremium und vor 40 Tage ins Chef-Amt gehievt worden war, wird definitiv nicht bei der Wahl zum Aufsichtsrat im Rahmen der Jahreshauptversammlung (JHV) am 5. Dezember antreten. Dann stimmen die Mitglieder des 110 Jahre alten Clubs über die Besetzung des Aufsichtsrates ab. Wichtig war für Roberg auch das: „Ich werde nicht mehr antreten, aber das hat mit der finanziellen Lage des Vereins nichts zu tun.“ Und es sei auch kein Rücktritt, weil er bis zur JHV im Amt bleiben und auch Rechenschaft vor der Mitgliedschaft ablegen werde.

Seinsch hat den Schwarzen Peter

Roberg spricht aus seiner Warte Klartext: „Wir haben zu Beginn unserer Arbeit einen Schwur geleistet, dass wir nie unabgestimmt etwas sagen oder irgendwer von uns zu einem Thema un­abgestimmt spricht.“ Doch schon am 13. Oktober bei der Vorstellung des um­gebauten Aufsichtsrates und des neuen Präsidiums sei Seinsch mit seinen Stadionplänen (40.000 Zuschauer, 80 Millionen Euro Bau­kosten) vorgeprescht.

„Da war die Ente auf dem Teich. Das war nicht abgesprochen“, erklärte Roberg. Und meint auch: „Die Ente wieder einzufangen wird extrem schwierig.“

Eine Stadiondebatte im Rahmen des Machbaren vernünftig Stück für Stück zu entwickeln, wäre seine Devise gewesen. Manche nennen das den münsterischen Weg. Nun sei das Thema nicht mehr in den Griff zu bekommen, glaubt Roberg – und Seinsch hat den Schwarzen Peter.

Zur wirtschaftlichen Lage des Vereins wollte Roberg „gar nichts sagen“, ehe der Wirtschaftsprüfer über die Bücher gegangen ist. Der Ex-Präsident Georg Krimphove und der ehemalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Thomas Bäumer dagegen schon.

Zwei Lager im Aufsichtsrat

Die JHV wirft unter diesen Vorfällen ihren Schatten voraus. Es geht um die Änderung der Satzung, Entlastung des Präsidiums, Berichte, und, und, und – und die Wahl des Aufsichtsrates. Bis kommenden Montag können sich beim Ehrenrat des Vereins Bewerber melden, viele Anwärter soll es nach Informationen unserer Zeitung aktuell nicht geben. Diese Aufgabe verspricht ein Abenteuer wie beim Hollywood-Film Indiana Jones zu werden. Ausgang offen.

Es geht um die Existenz des Vereins.

SCP-Präsident Christoph Strässer

Das Kontrollgremium, welches letztlich auch immer den Präsidenten berufen kann und damit eigentlich ein strategisch enorm wichtiges Organ des SCP ist, wird neu gewählt. Denn Wilhelm Schwellenbach ist zurückgetreten. Sein Rückzug hat nichts mit den Kapriolen der letzten Tage und Wochen zu tun, führt aber dennoch zu einer kompletten Neuwahl von sechs Mitgliedern. In der Folge kann sich der Aufsichtsrat auf elf Personen erweitern.

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Im aktuellen Aufsichtsrat dürfte es mindestens zwei Lager geben. Zur Roberg-Fraktion dürften vor allem die altgedienten Aufsichtsrats-Mitglieder zählen, die Seinsch-Vertreter, zu denen bislang Frank Westermann, Jochen Terhaar und Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder gehörten. Am 5. Dezember werden die Karten neu gemischt.

Am Samstag nahmen die Dinge rund um die neu formierte SCP-Spitze die nächste Stufe der Eskalation. Nach einer Aufsichtsratssitzung war für Roberg das Fass übergelaufen. Per Mail in­formierte er seine Mitstreiter und das Präsidium über seine Entscheidung. Wenig später erfuhr die Öffentlichkeit davon. Roberg und Seinsch, die mit einem forschen Auftritt im Oktober angetreten waren, sind jetzt Geschichte. Der SCP steht an einem Scheideweg, Ausgang un­gewiss.

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