Alles wäre ganz anders gekommen
Ein möglicher Zweitliga-Aufstieg 2013 hätte den SCP in eine neue Dimension geführt

Wer geglaubt hatte, die Aufstiegsfeier nach dem Sprung von der Regionalliga in die 3. Liga im Mai 2011 sei nicht mehr zu übertreffen gewesen, der musste Abbitte leisten. Denn die Siege über RW Erfurt und dann in der Heimpartie gegen die Stuttgarter Kickers waren am Ende die Grundlage, ehe gegen den SV Babelsberg die große Party steigen dürfen. Preußen Münster kehrt 2013 in die 2. Bundesliga zurück – nach 22 Jahren Abstinenz.

Samstag, 26.11.2016, 09:00 Uhr aktualisiert: 27.11.2016, 11:59 Uhr
Was für ein Abend: Münster feiert im Mai 2011 den Drittliga-Aufstieg.
Was für ein Abend: Münster feiert im Mai 2011 den Drittliga-Aufstieg. Foto: Jürgen Peperhowe

Es wäre so schön gewesen, und eigentlich niemals seit dem Abstieg 1991 war der SCP so nah dran an der Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus. „Muss ich mich für 72 Pluspunkte entschuldigen?“, fragte Pavel Dotchev nach dem realen Ende der Saison 2012/13. Es fehlte ein Zähler auf Platz drei ( VfL Osnabrück ), und auch nur vier Punkte waren es zu Rang zwei (Arminia Bielefeld) und dem direkten Aufstieg.

Wo stünde der SCP heute?

Natürlich wäre Dotchev weiter Trainer gewesen, der eine vor Selbstbewusstsein und Kraft strotzende spielerisch überragende Mannschaft in die Zweitliga-Serie 2013/14 geschickt hätte. Zur Überraschung bereit wie weiland Darmstadt 98. Fast sechs Millionen Euro an TV-Geldern hätte der SCP zugeschanzt bekommen, der Etat wäre auf 12 Millionen Euro gestiegen. Damit wäre was anzufangen gewesen. Fünf, sechs gestandene Zweitliga-Profis wären gekommen. Und vermutlich wären die Zuschauerzahlen noch einmal gestiegen. Die 19 Punktpartien und zwei Begegnungen im DFB-Pokal gegen Werder Bremen und FC Augsburg besuchten 2012/13 205 282 Menschen, ein Schnitt von 9775 je Partie.

Noch heute sind alle Beteiligten fest davon überzeugt, dass das dem SCP einen gewaltigen Schub gegeben hätte, Zweifel am dauerhaften Verbleib hätte es keine gegeben. Warum auch? Man fühlte sich nach zwei Saisons in der 3. Liga bereit, mit Teams wie Heidenheim oder Sandhausen auf Augenhöhe mitzuhalten. Die Aufsteiger aus der 3. Liga waren stets konkurrenzfähig in der 2. Liga. „Aufstieg gleich Abstieg“, die Formel gilt nicht zwischen diesen Klassen.

Eine reine Fußballarena wäre entstanden

Vor allem wäre durch diesen Aufstieg Bewegung in die Stadionfrage gekommen, die damalige Entscheiderriege hatte die Pläne für die Weiterentwicklung an der Hammer Straße in der Schublade. Eine reine Fußballarena wäre entstanden, mit einem Fassungsvermögen von 22.000 Zuschauern, bei Top-Spielen sogar noch auf 25.000 Besucher erweiterbar. Die Kredite für die Finanzierung wären auf dem Geldmarkt zu Mini-Zinsen zu haben gewesen, der SCP hätte Miete beim Stadionbesitzer, einer Holding der Stadt, gezahlt. Und zwar problemlos, gestaffelt nach Klassenzugehörigkeit. Der Schandfleck marode Westkurve wäre als erstes behoben worden. Im besten Fall wären Ende 2017 die Bauarbeiten abgeschlossen gewesen. Wer, bitte schön, in der Stadt hätte sich gegen diese Pläne sträuben können? 



Das Preußen-Stadion

1926, Anfang: 20 Jahre nach der Vereinsgründung zog der SCP vom Münstermann-Gelände zur Hammer Straße um. Seit 1925 zahlte der SCP für das neue Gelände einen Pachtzins von 1250 Reichsmark, der Club lieh sich Geld für den Stadionbau, die Stadt war der Bürge. 1928 stieg der SCP trotz neuer Arena ab, zwei Jahre später, während der Wirtschaftskrise, übertrug der Verein die Anlage an die Stadt und mietete das Gelände. Seit 1959 verwaltet die Stadt das Stadion.

1948, Holztribüne: Drei Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Holztribüne gebaut, sie bot 2200 Menschen auf Bänken Platz. In der zehnte Reihe sorgten Stahlträger dabei für Sichtbehinderungen.

2009, neue Tribüne: Mitte 2008 wurde der Umbau im Bestand beschlossen, eine neue Tribüne wurde für 4,85 Millionen Euro gebaut, sie bietet 2900 Menschen Platz, verfügt über VIP-Räume und zehn Logen.

Zuschauerrekord: Die Vereinschronik spricht vom 3. Juni 1951 und der Rekordkulisse von 40 000 Zuschauern im Spiel der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Nürnberg (6:4). Unbestätigt ist, dass am 26. Mai 1976 beim 4:1 über Borussia Dortmund diese Marke überschritten wurde. Fakt ist, dass am 24. August 1963 am ersten Bundesliga-Spieltag nur das Heimspiel der Preußen gegen den Hamburger SV (1:1) mit 30 000 Besuchern als ausverkauft notiert wurde.

Leichtathletik-Arena: Viele große Sportfeste fanden in den 60er und 70er Jahren statt. Bis zu 20 000 Zuschauer wollten die Wettbewerbe sehen. Hermes Ramirez aus Kuba hält seit 1969 über 100 Meter den Stadionrekord in 10,1 Sekunden. 1981 und 1985 fand das Jazzfest im Stadion vor der Haupttribüne statt.

Kapazität: Das Fassungsvermögen des Stadion betrug bis 1989 28 000 Plätze, seit 1991 nur noch 21 700 Menschen, aktuell sind knapp 15 000 Zuschauer zugelassen, geschuldet ist das den Emissionswerten.

Besonderheit: Die Toiletten sind nicht für Männer und Frauen ausgewiesen, sondern für Seegers und Kalinen – eine Verneigung vor dem regionalen Dialekt namens Masematte.

Perspektive: An der Hammer Straße könnte aufgrund der Infrastruktur eine reine Fußballarena bis auf 22 000 Plätze ausgebaut werden. Die Kosten dürften bei 15 bis 20 Millionen Euro liegen. Die Pläne dafür hat das ehemalige Präsidiumsmitglied Uwe Landheer ausgearbeitet.


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