Weiter Weg von der Hammer Straße zum Prinzipalmarkt
Poker um Preußen und Politik

Münster -

Ein SPD-Bundestagsabgeordneter als Preußen-Präsident. Die Personalie Christoph Strässer ist ein Novum in der Geschichte des münsterischen Traditionsclubs. Der erfahrene und gut vernetzte Sozialdemokrat wurde geholt, um das konfliktträchtige Verhältnis zwischen Politik und Preußen zu verbessern.

Samstag, 26.11.2016, 09:00 Uhr
Christoph Strässer
Christoph Strässer Foto: Jürgen Peperhowe

Die erste Bilanz – nach wenigen Wochen – fällt nicht gerade verheißungsvoll aus. Denn es ist etwas passiert, was eigentlich nicht passieren sollte: Der SC Preußen ist zum Zankapfel zwischen CDU und SPD in Münster geworden. Die SPD hält der Stadt Münster vor, dass sie nicht dafür Sorge getragen habe, die als Ersatzstandort für ein Preußenstadion geplanten Fläche an der Nieberdingstraße verfügbar zu machen. Die CDU erwidert, dass es bislang keine Erwartungshaltung des SC Preußen in diese Richtung gegeben habe.

Konfliktlinien der Vergangenheit verliefen anders

Man kann es auch so ausdrücken: Die SPD vertritt die Linie des neuen Preußen-Vorstandes, die CDU die des alten. Der Streit lässt aufhorchen, weil die Konfliktlinien der Vergangenheit anders verliefen. Beim Thema Preußen bildeten CDU und SPD eine große Koalition, die Kritiker saßen eher in den Reihen von Grünen und FDP.

Stadion-Thema

So war es jedenfalls, als in den 1990er Jahren in Münster das Projekt Preußen-Park diskutiert wurde, eine Kombination aus Stadion und Einkaufszentrum. Die damals regierende rot-grüne Koalition in Münster (1994 bis 1999) sprach sogar von einem „geregelten Dissens“, um der Öffentlichkeit klarzumachen, dass man zwar gemeinsam regiere, aber eben nicht beim Thema Stadion.

Der Preußen-Park scheiterte bekanntlich, weil unter Federführung des damaligen Handelsvereins eine erfolgreiche Klage beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht wurde.

Stiefkind der Politik in Münster

Spätestens mit dem Urteil im Jahr 2000 hat sich bei vielen Preußen-Fans der Eindruck verfestigt, das Stiefkind der Politik in Münster zu sein. In der Tat ist Münster nicht so fußballverrückt wie Dortmund oder Gelsenkirchen, der Weg von der Hammer Straße bis zum Prinzipalmarkt scheint zuweilen sehr weit zu sein.

Wenig Ehrgeiz bei der Stadionfrage

Um noch einmal zu CDU und SPD in Münster zurückzukommen. Speziell die beiden Volksparteien bemühen sich um einen guten Kontakt zum SC Preußen, was bei den Grünen schon etwas anders aussieht. Das macht das Leben für die Preußen-Verantwortlichen nicht leichter, denn ohne die Grünen läuft im Rathaus aktuell nichts. Im schwarz-grünen Bündnis gefällt sich die GAL in der Rolle des Juniorpartners, der die Richtung vorgibt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass parteiübergreifend viele Kommunalpolitiker nur einen begrenzten Ehrgeiz haben, sich in der Stadionfrage richtig ins Zeug zu legen und für das Projekt auch noch Steuergeld in die Hand zu nehmen. Hinter vorgehaltener Hand taucht regelmäßig die Frage auf, ob ein Drittligist mit ständig wechselnden Trainern einen solchen Kraftakt auch „wert“ sei.

Das Verhältnis der Münsteraner zum SC Preußen

Die Politik spiegelt dabei sicherlich die gesellschaftliche Ambivalenz wider, die auch ansonsten das Verhältnis der Münsteraner zum SC Preußen prägt. Preußen-Fans weisen gern darauf hin, dass Fußball das Image einer Stadt positiv beeinflussen kann. Preußen-Kritiker meinen, dass die Ultras schon für genug Negativ-Schlagzeilen sorgen.

Die Bretter, die Strässer bohren muss, sind so gesehen sehr dick. In der Stadionfrage. Aber auch sonst.

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