Fußball: 3. Liga
Preußen atmen nur kurz durch nach dem Ausgliederungsbeschluss

Münster -

Der Tag danach. Einmal kurz durchatmen, und dann wieder ran an die Arbeit. Die Gremien des SC Preußen haben nach dem Ausgliederungsbeschluss am Sonntag noch eine Menge Arbeit vor sich. Erstellt werden soll demnächst auch ein Leitbild, das das Fanprojekt einfordert.

Montag, 15.01.2018, 16:56 Uhr aktualisiert: 15.01.2018, 17:24 Uhr
Zufriedene Gesichter: (o.v.l.) Christoph Metzelder, Walther Seinsch, Frank Westermann und Clemens Große Frie.
Zufriedene Gesichter: (o.v.l.) Christoph Metzelder, Walther Seinsch, Frank Westermann und Clemens Große Frie. Foto: Sebastian Sanders

Zum Schluss lag ein Hauch von Versöhnung über der Mensa am Coesfelder Kreuz. Die Opposition, größtenteils von der aktiven Fanszene gebildet, war enttäuscht, aber friedlich aus dem Saal geschlichen. Viele Befürworter der Ausgliederung aus den Mitglieder-Reihen dagegen blieben noch, applaudierten, gratulierten der Führungscrew des SC Preußen oder sprachen ihr Dank aus. Der Traditionsclub hat sich selbst wieder Leben eingehaucht. Nicht alle Sorgen sind mit dem Schritt in eine Kapitalgesellschaft vom Tisch, doch der Schwebezustand in Sachen Finanzen scheint fürs Erste abgelegt.

Die Darlehen, die mehrere Gremien-Mitglieder (auch Präsident Christoph Strässer) in den vergangenen Monaten zur Verfügung gestellt hatten, sollen jedenfalls zurückgezahlt werden, sobald die Mittel da sind. „Es geht um fünf- und sechsstellige Summen“, so der Clubchef.

Mitgliederversammlung zur Ausgliederung der Profi-Abteilung

1/42
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders

Vernünftiger Umgang miteinander

Der Weg zur Entscheidung war holprig, die Abstimmungsmodalitäten nicht immer ganz klar, und mit 4:45 Stunden zog sich die Veranstaltung auch in die Länge. Doch die Juristen um den Ehrenratsvorsitzenden Hannes Pfeiffer sorgten am Ende für Klarheit. Ein bisschen Hin und Her, ein bisschen Organisationschaos – das gehört wohl zu solchen Versammlungen und ist im Vorfeld nie ganz zu verhindern. Durch die langen Pausen ergab sich immerhin die Möglichkeit zu vielen Gesprächen untereinander.

Hängen blieb bei Beobachtern auch der vernünftige Umgang, den die Verantwortlichen und das Fanprojekt zur Schau stellten. Dessen Vorsitzender Benjamin Sicking befürchtete zwar, „dass Investoren mit über 20 Prozent Anteilen“ zu großen Einfluss erhalten. Jedoch zerstreute Aufsichtsratsboss Frank Westermann diese Zweifel, indem er betonte, dass der e.V. als Komplementär immer zustimmen müsse, auch bei einem Weiterverkauf.

Keine Oligarchen & Scheichs 

„Es ist uns gelungen, eine Besonderheit zu schaffen, die dem Wohl des Vereins, aber auch der Mitglieder gerecht wird.“ Oligarchen und Scheichs seien ohnehin als Anleger auszuschließen. Das von Sicking und Mitstreitern geforderte Leitbild, an dem sich künftige Partner orientieren sollen, soll kommen, so das Versprechen. „Bisher fehlte hierfür schlicht die Zeit“, so Westermann, der durchaus den Schulterschluss zu den Anhängern suchte und gezielt die hervorragende Zusammenarbeit mit Friedrich Lukas, dem Fanvertreter im Aufsichtsrat, hervorhob.

Drei Fragen an Aufsichtsratsmitglied Christoph Metzelder

Hat Sie das klare Abstimmungsergebnis am Ende überrascht?

Metzelder: Wir hatten schon das Gefühl, dass die Stimmung in der Stadt pro Ausgliederung war. Es mussten eben nur genügend dieser Befürworter da sein. Mit dieser überwältigenden Mehrheit hatten wir dann aber doch nicht gerechnet.

Kann der Verein nach dem positiven Ausgang denn für den Moment durchatmen?

Metzelder: Nein, überhaupt nicht. Wir haben einen klaren Auftrag erhalten. Dass es dem Verein an einer weiteren Professionalisierung fehlt, hat man an der Prozedur bei der Versammlung vielleicht auch gesehen.

Was nehmen Sie mit aus der Debatte?

Metzelder: Alle Diskussionen waren kontrovers, vor allem aber ruft der Verein weiter großes Interesse hervor. Dass so viele Mitglieder gekommen sind, zeigt, dass der SCP mehr bewegt als gedacht. Und wir haben gesehen, dass die Basis die Kraft hat, Dinge klar zu entscheiden.

...

Auch die Direktwahl des Vorstands, ein weiteres Anliegen des Fanprojekts, könnte in Kürze ein Thema werden. Dazu bedarf es natürlich wieder einer Satzungsänderung. Strässer ist dafür. „Es gibt aber auch andere Ansichten“, sagt er.

Gespräche über mögliche Kapitalgeber

Aufsichtsratsmitglied Walther Seinsch, der im Oktober 2016 als Triebfeder der Preußen-Pläne auftrat, zeigte sich sehr beeindruckt von den Ereignissen in der Mensa: „Ich war sehr angenehm überrascht, denn wir hatten ja schon Zweifel, dass die Leute, die sich der Sache sicher sind, gar nicht kommen. Das Resultat ist toll.“ Details über das weitere Vorgehen wollte der 76-Jährige noch nicht verraten: „Wir setzen uns in Kürze zusammen und werden dann über mögliche künftige Kapitalgeber sprechen.“

Dass sich aus dem Votum vom Sonntag auch kurzfristige Ressourcen für mögliche Neuzugänge im Winter ergeben, wollte noch keiner der Verantwortlichen abschließend beantworten. „Wir haben mit Marco Antwerpen eine sehr gute Trainer-Lösung gefunden, die Eindrücke sind überzeugend“, sagt Seinsch. „Der Kader ist auch stark genug, nur quantitativ etwas unterbesetzt.“ Als allererstes muss binnen einer Woche die Liquiditätslücke von 500 000 Euro geschlossen werden. „Das muss schon irgendwie zusammenpassen“, sagt Sportdirektor Malte Metzelder dämpfend.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5428179?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820606%2F
Nachrichten-Ticker