Fußball: Nationalmannschaft
Preuße Ousman Touray hofft auf ein nächstes Mal in Gambias A-Nationalelf

Münster -

Ein Einsatz war Ousman Touray noch nicht vergönnt. Doch dass der A-Jugend-Spieler von Preußen Münster für die A-Nationalmannschaft von Gambia überhaupt nominiert war, war schon eine große Sache für ihn und seine Familie.

Donnerstag, 05.04.2018, 11:32 Uhr aktualisiert: 06.04.2018, 10:52 Uhr
Ousman Touray (links, Nummer 24) beim Erinnerungsfoto mit dem Nationalteam Gambias vor dem Länderspiel gegen die Mannschaft der Zentralafrikanischen Republik im März.
Ousman Touray (links, Nummer 24) beim Erinnerungsfoto mit dem Nationalteam Gambias vor dem Länderspiel gegen die Mannschaft der Zentralafrikanischen Republik im März.

Gelernt bei Westfalia Kinderhaus, weitergelernt beim 1. FC Gievenbeck, noch mehr gelernt beim SC Preußen Münster. Wenn Ousman Touray über seine Karriereträume als Fußballer spricht, hört sich das wie ein Fortsetzungsroman an. Dabei hat der 18-Jährige, zurzeit beim U-19-Bundesligisten des SCP am Ball, einen großen Karriereschritt bereits hinter sich. Im März war er zur Nationalmannschaft Gambias eingeladen, blieb im Testspiel gegen die Zentralafrikanische Republik (1:1) zwar ohne Einsatzminuten und Eintrag auf dem Spielberichtsbogen, aber: Nationalspieler des westafrikanischen Landes darf er sich irgendwie dann doch nennen.

Ein Traum, ein „ziemlich tolles Ereignis – das Beste, was ich je erlebt habe“, sagt er. 12 000 Zuschauer im Independence Stadium of Bakau, die Nationalhymne des Heimatlandes seiner Eltern, von der er nur den Refrain mitsingen kann: beeindruckend und möglicherweise eine weitere Sprosse auf der Leiter nach oben. Schade nur, dass die Partie bis zum Schluss auf des Messers Schneide stand, sonst hätte Nationaltrainer Maltar Mibage den Spross aus Münster doch noch eingewechselt – zu den Profis wie Omar Colley vom belgischen Erstligisten KRC Genk oder Madou Barrow vom englischen Zweitliga-Club FC Reading. Touray hofft auf das nächste Mal und blickt nun auf die Qualifikationsrunde der Afrika-Meisterschaften in der U 21. Auch hier wäre eine Nominierung in der gambianischen Nationalmannschaft seine Premiere.

„Meine Eltern konnten es zunächst gar nicht fassen“, erzählt Touray. Sein Vater sei vor etwa 30 Jahren nach Deutschland gekommen und geblieben, seine Mutter sei mit den sieben Kindern 2008 nachgekommen, erzählt der 18-Jährige. Die fünf Brüder entdeckten ihre Liebe zum Sport. Adam Touray, der älteste, spielte als erfolgreicher Center beim UBC Münster, wechselte dann in die Basketball-Bundesliga zum Mitteldeutschen BC und spielt nun beim Pro-B-Club ETB Essen in der 2. Bundesliga. Bruder Lamin kickt in der U 16 von Borussia Dortmund, Ibu in Gievenbeck, Alfaseny bei Westfalia, Yaya bei der Hammer SpVg – und Ousman demnächst vielleicht in der Nationalmannschaft Gambias.

Sein SCP-Trainer Cihan Tasdelen hält etwas auf seinen Schützling: „Er ist superschnell auf dem Platz. Den Scouts ist er jedenfalls aufgefallen“, schildert der U-19-Coach der Preußen. Was ihm auffiel: „Ousman hatte große taktische Defizite, als er damals zu uns stieß. Aber er hat sich enorm entwickelt, hat nie aufgegeben. Er hat eine sehr gute Einstellung zum Sport.“

Lob, das der Nachwuchsfußballer vom Geschwister-Scholl-Gymnasium (elfte Klasse) verträgt. Er erkennt die Klasse der Konkurrenz auf seiner Position halblinks und im Sturm an. Cebrail Demir, Malik Cakmakci oder Soufian Guirhil nennt er. Trotzdem: Die U 23 des SCP in der Westfalenliga ist nicht zwangsläufig das Ziel des flinken Stürmers. Er will mehr – die nächsten Monate werden entscheidend sein, ehe er ins Seniorenlager wechselt. Im Falle des Scheiterns habe er einen „Plan B“ im Kopf: „Ich mache mein Abitur, ob in Münster oder anderswo.“ Und wenn es mit dem Fußball nicht klappen sollte? „Ich würde gerne Architektur studieren“, sagt er – und lernt weiter. Auch für das Reifezeugnis.

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