Fußball: 3. Liga
Grimaldi kann es nicht lassen und schockt Chemnitz

Chemnitz -

Preußen Münster lässt die Saison nicht ausklingen, Adriano Grimaldi erst recht. Der Doppelpack des abwanderungswilligen Kapitäns brachte einen 2:1-Erfolg beim Chemnitzer FC. Der Angreifer stand unter Strom, seine Kollegen aber auch.

Sonntag, 29.04.2018, 20:24 Uhr aktualisiert: 02.05.2018, 21:18 Uhr
Der Kapitän jubelt, der Chemnitzer Laurin von Piechowski dreht sich verärgert ab. Durch den Doppelpack von Adriano Grimaldi feierte Münster den 2:1-Sieg.
Der Kapitän jubelt, der Chemnitzer Laurin von Piechowski dreht sich verärgert ab. Durch den Doppelpack von Adriano Grimaldi feierte Münster den 2:1-Sieg. Foto: Jürgen Peperhowe

Als der „Tanz um die goldene Ananas“ beendet war, da strahlten die Spieler des SC Preußen wieder. Der Früchtekorb ging nach Westfalen. Eine Woche nach der 1:2-Heimpleite gegen den Halleschen FC war das mehr oder weniger bedeutungslose Aufeinandertreffen beim Chemnitzer FC mit 2:1 (1:0) gewonnen worden. Kein Durchhänger, keine Motivationsprobleme, keiner auf den Rängen, der sich beschweren konnte über laxe Einstellung bei den Profikickern. Im Saisonfinale machte aber vor allem der SCP wieder etwas für das eigene Seelenleben, für das Renommee. So gesehen war es kein unwichtiger Sieg.

„Wir schauen schon auf die Rückrundentabelle“, befand dann auch Trainer Marco Antwerpen. Er, der den Club in der Winterpause von Benno Möhlmann übernommen hatte, will möglichst noch weitere sechs Punkte einfahren. Es geht um Punkte, Siegprämien, Prestige, und vielleicht auch darum, dass dieser SCP mal nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat und diese Mannschaft zu Höherem berufen ist. Bloß nicht mit schlechten Schwingungen aus dem Spieljahr schlittern.

Vier Fragen an Sebastian Mai

Sebastian Mai feierte nach fünf Monaten Pause bei seinem Jugendclub sein Comeback.

Wie hat es sich angefühlt auf dem Platz?

Mai: Schön.

 

Hatten Sie keine Angst oder Zweifel, ob die Form schon reicht?

Mai: Dafür bin ich Profi. Seit drei, vier Wochen bin ich wieder im Training. Ich wurde auch taktisch vorbereitet. Die Position war für mich nicht neu, des Öfteren habe ich das auch unter Benno Möhlmann gespielt.

 

Was bleiben für Ziele?

Mai: Ich will so viele Minuten wie möglich spielen. Leider habe ich schon vier Gelbe Karten und muss mich etwas zurückhalten.

 

Ihr Vertrag läuft aus und wird nach zwei Jahren beim SCP nicht verlängert. Wohin führt die Reise jetzt?

Mai: Das weiß ich selber noch nicht, da steht noch nichts fest.

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In Chemnitz machten die Preußen fast alles richtig gegen einen Gegner, der gar nicht wie ein Abstiegskandidat daherkam. Und Münster hatte Adriano Grimaldi, der mit seinen Saisontoren zwölf und 13 die Weichen auf Sieg stellte. „Ein gutes Spiel von uns. Am Ende gewinnen wir verdient“, bilanzierte er. Seine Vorjahresquote hat er damit übertroffen. „Das war mein Ziel“, sagte er hinterher. Beim 1:0 witterte er die Unsicherheit von Torwart Kevin Kunz (6.). Ein perfekter Blockversuch, weil der Ball – wie schon gegen Paderborn – ins Tor trudelte. Das 2:1 nach 57 Minuten war eine leichtere Übung für den SCP-Kapitän, weil die Vorarbeit vom wuseligen Philipp Hoffmann auf der rechten Seite perfekt war. Grimaldi also geht, in Chemnitz nach 65 Minuten, im Sommer weg aus Münster. Der Vertrag wird nicht verlängert, mit 26 Jahren plant der Angreifer einen zweiten Versuch wohl in der 2. Liga, alle liquiden Drittligisten wollen ihn wohl auch. Seinen neuen Verein verriet er deshalb nicht wirklich: „FSV Bunte Smarties.“ Drehte ab und entschwand grinsend.

100. Sieg – der Kreis schließt sich

Geplant war dieser Erfolg schon eine Woche vorher, doch mit etwas Verspätung war die Freude genauso groß. Preußen Münster feierte in Chemnitz den 100. Sieg in der 3. Liga. 2011 war das Bundesliga-Gründungsmitglied aufgestiegen und hatte ebenfalls bei den Himmelblauen am zweiten Spieltag durch einen Doppelpack von Benjamin Siegert zum allerersten Mal drei Punkte in dieser Spielklasse eingesammelt. So schließt sich also der Kreis. Überhaupt sind die Sachsen der absolute Lieblingsgegner der Preußen. Denn von 14 Vergleichen in sieben Jahren gewann der SCP neun, alleine fünf davon auswärts. Die Dauerrivalen, die einst zusammen aus der Regionalliga hochgerückt waren, gehen nun aber getrennte Wege. Fast schade aus Sicht der Preußen beim Blick auf diese vorzüglichen Bilanzen.

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Chemnitz gegen Münster war fast schon ein Klassiker in der 3. Liga, aber die „Himmelblauen“ steigen ab. Der eigene Anhang nahm es mit einem Anflug von Galgenhumor. Der Song „Goldener Reiter“ von Joachim Witt, ein Popstück der neuen deutschen Welle, wurde umgetextet: „„Hey, hey, hey, wir waren DDR-Meister, wir waren im Europacup, wir sind pleite – und jetzt steigen wir ab.“ Das war schon zynisch, das war auch lässig, dieser Umgang mit dem eigenen Niedergang. Der CFC spielte eigentlich nicht wie ein Absteiger, machte das 1:1 durch Tom Baumgart (53.), dessen Schuss Lion Schweers abfälschte, hatte aber in letzter Konsequenz nicht die Klasse des SCP. Hört, hört.

Bei Münster fiel keiner ab, aber Tormann Max Schulze Niehues war zwei Mal entscheidend zur Stelle. Hoffmann irritierte die gegnerischen Abwehrspieler nach Belieben. Nico Rinderknecht neutralisierte Dennis Grote, den CFC-Schlüsselspieler. Und dann war da noch Grimaldi. Er ist in Top-Form, jetzt, wo alles endet. Ob er gerne weiterspielen würde, die Saison länger dauern solle: „Eigentlich nicht. Wir sind auf der Zielgerade und haben alles rausgehauen.“

Reichlich Rotation

Wieder mal hatte SCP-Trainer Marco Antwerpen seine Mannschaft auf einigen Positionen umgestellt. Rechts kam Fabian Menig nach abgesessener Sperre zurück, sodass Philipp Hoffmann von dort in einem 3-4-1-2-System ganz nach vorne neben Adriano Grimaldi rutschte. Links vertrat Jannik Borgmann Benjamin Schwarz, auf der Sechs spielte Sebastian Mai für Martin Kobylanski, der seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Als Zehner fungierte diesmal Nico Rinderknecht. Auf die Bank mussten Tobias Rühle und A-Jugend-Spieler Cyrill Akono.

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