Fr., 15.06.2018

Fußball: 3. Liga Preußen Münster präsentiert neues Team mit altem Adler

Einsame Runden für den Laktattest – mit den neuen Adlern auf der Brust: Diese Trainingsshirts sind schon wieder Geschichte, (von vorne) Tobias Warschewski, Niklas Heidemann, Rufat Dardashov und Marian Prinz sind bereits neu eingekleidet.

Einsame Runden für den Laktattest – mit den neuen Adlern auf der Brust: Diese Trainingsshirts sind schon wieder Geschichte, (von vorne) Tobias Warschewski, Niklas Heidemann, Rufat Dadashov und Marian Prinz sind bereits neu eingekleidet. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Der SC Preußen Münster präsentiert sich am Samstag erstmals den Fans. Die bekommen beim öffentlichen Training die neuen Spieler zu sehen – aber das alte Logo: Drei Tage ist die Vorbereitung alt, aber es ist schon viel passiert an der Hammer Straße.

Von Ansgar Griebel

An diesem Samstag präsentiert sich der „neue“ SC Preußen erstmals seinen Fans. In einem öffentlichen Training (16 Uhr im Preußenstadion) lässt Trainer Marco Antwerpen seine Jungs vor Publikum schwitzen. Für die sieben Neuzugänge der Erstkontakt mit den Fans – Trainer und Mitspieler lernten Oliver Schnitzler (Hallescher FC), Marian Prinz (Bayer Leverkusen), Niklas Heidemann (Wuppertaler SV), Dominik Lanius (Victoria Köln), Rufat Dadashov (Dynamo Berlin) und Ugur Tezel (Hertha II) bereits kennen, Kevin Rodriguez Pires stößt erst am Samstag zum Team – kennt die meisten neuen Kollegen allerdings bereits aus der vergangenen Spielzeit.

Der ehemalige Mittelfeldchef der SF Lotte ist allerdings durch seinen verlängerten Urlaub um ein einzigartiges Vergnügen gebracht worden – und wird wohl nie den neuen Wappen-Adler auf der Brust tragen. Die Trainingsshirts mit dem neuen Logo sind bereits wieder eingesammelt und als Sammlerstück – in Philatelisten-Kreisen würde man sagen Fehldruck – ein Stück Preußen-Historie.

Aufsichtsratschef Frank Westermann und Präsident Christoph Strässer hatten sich persönlich in die heftig entbrannte Diskussion eingeschaltet, und das „Evolutionslogo“ nach unüberhörbarer Kritik aus Fankreisen wieder eingeholt. „Um weiteren Schaden vom Verein abzuwenden und den Fokus wieder auf die wesentlichen Dinge – sprich die sportliche Entwicklung, das Vorantreiben des Stadionprojektes und die finanzielle Konsolidierung – zu richten, werden wir den 2004er Adler weiterverwenden und in einem Folgeprozess, gemeinsam mit den Fans, eine Diskussion darüber anstoßen, wie sich der SC Preußen auch in diesem Bereich weiterentwickeln kann“, sagt Westermann. Strässer ergänzt: „Wir distanzieren uns nicht vom Ergebnis, von dem wir weiterhin überzeugt sind, nehmen aber die Kritik an der Art und Weise, wie das neue Logo nach außen getragen wurde, sehr ernst.“ Zum Zeitpunkt dieser Stellungnahme hatte das Fanprojekt am Donnerstagabend bereits eine Online-Petition zur Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gestartet, die in kürzester Zeit 500 Unterstützer zählte.

Ein nicht minder außerordentlicher Störfaktor dürfte damit wohl vorerst beseitigt sein. Ob und wie weit Ruhe einkehrt bei den Preußen, wird sich jetzt zeigen und wohl auch von der Vorstellung der Mannschaft abhängen, die am kommenden Samstag (23. Juni/Handorf) beim Legenden-Auftritt gegen die Altstars um Aufstiegstrainer Marc Fascher erstmals über zwei Mal 30 Minuten in geordneter Elfer-Formation auftreten wird. Als echten Test will Marco Antwerpen diese Partie allerdings nicht bewertet wissen. Dafür kommt dann schon eher der folgende 90-Minuten-Auftritt am Sonntag (24. Juni, 14 Uhr) beim und gegen den Landesligisten SC Münster 08 infrage.

Kommentar

Der SC Preußen Münster hat in dieser Woche die Vorbereitung auf eine herausfordernde Drittliga-Saison gestartet, zwei neue Spieler verpflichtet und überraschend einen Leistungsträger verloren – diskutiert wurde aber vor allem über die grafische Gestaltung des Wappen-Adlers. Das hat das Zeug zur Provinzposse und dürfte außerhalb der Stadtgrenzen auch als solche gewertet werden. Nur: Es geht tatsächlich um mehr als Geflügelpest und Vogelgrippe. Es geht um das gestörte Innenverhältnis von Fans und Verein – das vom Adler nur beflügelt wurde, aber bereits zuvor im Argen lag. „Ignoranz“, wirft Benny Sicking, Vorsitzender des Fan-Projekts, dem Preußen-Vorstand vor – und meint nicht nur das neue Wappentier. „Naivität“ trifft es wohl eher – nur: böser Wille war sicher nicht im Spiel.Der neue Adler ist weg – und konnte wahrscheinlich am wenigsten für den viralen Aufruhr. Es gab schlichtweg keine Zeit, sich für das arme Tier zu erwärmen, weil die sozialen Netzwerke als veritabler Schnellkochtopf die Gemüter in Sekundenschnelle zum Kochen brachten. Immerhin haben Frank Westermann und Christoph Strässer kühlen Kopf bewahrt und den Vogel schnellstmöglich wieder eingefangen. Bei aller nachvollziehbaren Kritik, gebührt dieser konsequenten Reaktion Respekt. Der SCP beweist Lernfähigkeit und macht mit diesem kleinen Schritt zurück gleichzeitig einen großen auf die Fans zu. Die dürfen sich jetzt wieder auf das Wesentliche konzentrieren, und das ist bekanntlich auf dem Platz. Ansgar Griebel

Offiziell bestätigt ist jetzt das Testspiel gegen den Zweitligisten Union Berlin im Takko-Stadion der SG Telgte am 13. Juli (Freitag, 18.30 Uhr, Vorverkauf ab 30. Juni unter anderem im WN-Ticketshop). Diese Partie füllt die durch die Absage der Partie gegen den PEC Zwolle entstandene Testspiellücke – ob dann schon ein neuer Hauptsponsor das Trikot zieren wird, ist ungewiss, allemal prangt der alte Adler auf der Brust.



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