Sa., 21.07.2018

Fußball: 3. Liga Preußen legen Trikotverkauf auf Eis und nehmen Lagardère in die Pflicht

Die Rückansicht lässt noch keine Probleme erkennen. Doch vorne fehlt etwas: ein neuer Trikotsponsor.

Die Rückansicht lässt noch keine Probleme erkennen. Doch vorne fehlt etwas: ein neuer Trikotsponsor. Foto: Alexander Heflik

Münster - 

Der SC Preußen hat ein Alleinstellungsmerkmal. Von 20 Fußball-Drittligisten ist Münster der einzige ohne einen Hauptsponsor. Der Trikotverkauf wurde deshalb noch nicht gestartet. Der DFB dürfte bei der Nachlizenzierung genau hinschauen, wie der SCP dieses finanzielle Loch gestopft hat.

Von Alexander Heflik

Acht Tage vor dem Saisonstart bleibt die Brust des SC Preußen Münster weiter frei. Das (schon einmal verschobene) obligatorische Foto-Shooting für das Mannschaftsbild sah zwar einen kompletten Kader des Fußball-Drittligisten, aber nicht den Schriftzug eines neuen Hauptsponsors auf dem grünen Jersey. Nur am linken Ärmel war das Logo von bwin, dem Partner der 3. Liga, aufgedruckt.

Preußen könnte Strafe kassieren

Bei den Preußen liegt deshalb auch der Trikotverkauf auf Eis, weil der Club diese Exklusivität einem zukünftigen Partner weiter offenhält, dieses Verhandlungsplus lässt sich der SCP etwas kosten. Zu allem Überfluss könnte der DFB den SCP wegen Nichteinhaltung der Bedingungen bestrafen, spätestens bei der Nachlizenzierung müssen die Planungen bestätigt oder bereinigt werden. „Das wäre der schlimmste Fall“, sagt Geschäftsführer Malte Metzelder. Jenseits davon gab es bei den Preußen zudem noch eine Betriebsprüfung durch das Finanzamt für 2012 bis 2015, der Verein wird wohl einiges nachzahlen müssen. Metzelder nimmt das auf den ersten und zweiten Blick pragmatisch: „Dann müssen wir den Gürtel noch enger schnallen." Adlerträger mit Tendenz zur Wespentaille.

Dabei war das Ende der mehr als ein Jahrzehnt langen Partnerschaft mit Tuja seit mindestens zwei Jahren absehbar, auch dass der nächste Partner nicht mal ansatzweise 800 000 Euro per anno garantieren würde. Aber Vermarkter Lagardère hat bislang keinen neuen Partner gefunden. Die vorrangig auf regionale Unternehmen ausgerichtete Suche wurde nun national ausgeweitet. Der Druck auf Lagardère steigt.

Der Preis fällt jeden Tag

„Jeder Tag ohne Hauptsponsor tut weh“, sagt Metzelder, bereits jetzt ist der SCP drei Wochen hinter einem regulären Abschluss. Die Brust des Clubs wird damit täglich günstiger, der Preis fällt. Es gab viele gute Gespräche, einige sehr aussichtsreicher Natur, so Metzelder, aber am Ende keinen Abschluss. Dass der SCP zuletzt vor dem Haus der Provinzial-Versicherungen gesichtet wurde, erklärte Metzelder mit dem Auffrischen der brachliegenden Beziehungen zu dem Konzern, aber nicht mit dem erfolgreichen Ende der Suche nach einem Hauptsponsor.

Da ist der Vermarkter gefordert, vereinsintern ist das ein großes Thema. Der Sportrechtevertreiber verliert auch an Margen und Prozenten, wenn ein Kontrakt verspätet herbeigeführt wird. Metzelder jedenfalls, der Geschäftsführer Sport, ist aktuell auch als „Vertriebler“ an vorderster Front im Einsatz und bei allen Gesprächen mit dabei.

Fotostrecke: Die Preußen-Neuzugänge für die Saison 2018/2019

Sponsoren der anderen Drittligisten

Alle anderen Drittligisten haben mittlerweile diesen vielleicht wichtigsten Vertrag innerhalb eines Budget abgeschlossen, ein Sponsor wie Sunmaker unterstützt sowohl Hansa Rostock als auch den VfL Osnabrück und Carl Zeiss Jena. Die SpVgg Unterhaching, eher im unteren Preissegment der branchenüblichen 150 000 und 300 000 Euro anzusiedeln, fand schon im Winter einen neuen Partner aus der Tiefkühlbranche. Zweitliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern schloss gerade einen Deal mit Layendecker ab – und kassiert überdurchschnittliche 400 000 Euro.

Metzelder spricht nicht mehr von einem Zieldatum, aber er sagt: „Lagardère arbeitet mit Hochdruck an dem Thema. Da ist das Team in der Pflicht. Wir werden auf Dauer auf der Brust nicht blank sein.“ Die Zeit rennt dem Club dennoch davon.



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