Fr., 03.08.2018

Fußball: 3. Liga Preußen runderneuert ins Heimdebüt gegen FC Carl Zeiss Jena

Das Trikot hat den ersten Härtetest bestanden: Sandrino Braun, Mittelfeldspieler, mit seinen Mitstreitern beim 4:1-Sieg in Köln auch.

Das Trikot hat den ersten Härtetest bestanden: Sandrino Braun, Mittelfeldspieler, mit seinen Mitstreitern beim 4:1-Sieg in Köln auch. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Preußen Münster geht als Tabellenführer in das erste Heimspiel der neuen Saison gegen den FC Carl Zeiss Jena am Samstag um 14 Uhr. Trainer Marco Antwerpen erwartet einen heißen Tanz, nicht nur aufgrund der Witterung, sondern weil die Gäste mit „viel Wucht“ daherkommen werden.

Von Alexander Heflik

Der SC Preußen Münster startet als Tabellenführer in die erste Englische Woche der Saison. Natürlich hat das kaum Aussagekraft, aber mitnehmen sollte man diesen statistischen Wert auf jeden Fall. Kaum auszudenken, wenn der Fußball-Drittligist am Samstag auch noch das saisonale Heimdebüt gegen den FC Carl Zeiss Jena (Anstoß 14 Uhr) gewinnen würde. Das wäre eine kleines Fest, und vor allem könnte der SCP mit Rückenwind und großem Selbstbewusstsein am Dienstag beim 1. FC Kaiserslautern antreten und dann zum Abschluss am 11. August im Nachbarschaftsvergleich SF Lotte erwarten.

Trainer Marco Antwerpen beschäftigt sich mit der Drittliga-Trilogie allerdings nur am Rande. Er weiß, dass das Training kurzkommen wird, dass die Hitze sowieso für Einschränkungen sorgt, und stets nur der nächste Gegner interessiert. Der Betzenberg ist noch so weit weg, und Lotte noch viel weiter.

Personelle Überraschungen?

Der SCP-Coach verrät von seiner Aufstellung – wie immer – recht wenig. Den einen oder anderen Coup hält er für möglich. Auch, dass genau die elf Spieler beginnen, die zuletzt beim Saisonstart gegen Fortuna Köln einen 4:1-Sieg hervorzauberten. Warum auch nicht? Könnte aber auch sein, dass Antwerpen auf eine Abwehr-Dreierkette setzt, weil Jena sich damit womöglich schwerer tut, als mit der SCP-Erfolgsformation von Köln.

„Jena wird gleich zu Beginn viel investieren, vielleicht fehlen ihnen dann am Ende die Körner. Wir müssen die Partie lange offen halten, unsere körperliche Fitness dürfte dann den Ausschlag geben“, vermutet Antwerpen. Der Gegner würde, anders als Köln, mit mehr Wucht, mit mehr Mentalität antreten. Beim SCP wird dabei Offensivkraft Tobias Rühle früher als erwartet wieder zum Aufgebot gehören. Benjamin Schwarz, Philipp Müller und Danilo Wiebe sind weiter außen vor. Tatsächlich müsste Antwerpen zwei Feldspieler auf die Tribüne verbannen.

Gegner-Check: Jena

Man sollte die Gunst der Stunde nutzen, deshalb ist das mal das Spitzenspiel zwischen dem Rangersten aus Münster und dem Verfolger aus Jena auf Platz fünf. Der SCP gewann mit 4:1 bei Fortuna Köln, Carl Zeiss mit 3:2 gegen die SG Sonnenhof Großaspach auf den letzten Drücker. Erst in der 83. Minute markierte der Gastgeber den Ausgleich, in der siebten Minute der Nachspielzeit war es Dominik Bock, der selbigen mit dem 3:2 umstieß. Außerdem hat Jena seit dem 0:6 in Paderborn Anfang April sechs Drittliga-Siege in Serie folgen lassen. Stürmer Julian Günther-Schmidt fällt verletzt lange aus, ein Ersatz wird bis Samstag nicht gefunden sein. Der Club versucht ein Leihgeschäft bei einem Bundesligisten, Ex-Preuße Marcel Reichwein (KFC Uerdingen) bleibt ein Thema. Siegtorschütze Bock rückt aus dem Mittelfeld vor, ein defensives 4-2-3-1 wird erwartet. Mark Zimmermann holte die Regionalliga-Meisterschaft und führte Jena 2017 in die 3. Liga, als Viktoria Köln in der Relegation dank der drei erzielten Auswärtstore bezwungen wurde. Münster musste seinen erfolgreichsten Angreifer mit Adriano Grimaldi (15 Tore) ziehen lassen, Jena mit Timmy Thiele (elf Treffer) auch. Doch der vertragsfreie Grimaldi brachte dem SCP kein Geld beim Transfer zu 1860 München, Thiele den Thüringern schon. Der 1. FC Kaiserslautern soll rund 400 000 Euro für ihn bezahlt haben.

Trauma Relegation 2017

Jena also. Für Marco Antwerpen ist das mit seiner bittersten Niederlage als Fußballlehrer verbunden. „Das Trauma wird schwächer. Vielleicht denke ich in zehn Jahren nicht mehr daran“, erzählt der 47-Jährige. Diese Drittliga-Relegation von 2017 nagt an ihm, als er mit Viktoria Köln denkbar knapp den Kürzeren zog gegen eben FC Carl Zeiss Jena. Antwerpen gibt unumwunden zu, dass er gerade jetzt daran wieder erinnert wird. Keinesfalls sei das omnipräsent, aber es beschäftigt ihn weiter. Ein Erfolg seiner Preußen würden diese Schmach etwas kleiner werden lassen. Die Zeit wird am Ende alle Wunden heilen.

Mit 6500 Zuschauern ist dabei die Erwartung für das erste Heimspiel der Preußen doch sehr niedrig angesetzt. Hitze, Ferien und eine Form von Skepsis begleitet die Adlerträger. Ein Sieg über Jena könnte einiges in Bewegung setzen. Glaubt man Marco Antwerpen, sind seine Männer bereit dafür.

Fotostrecke: Preußen Münsters Kader für die Saison 2018/19 - Kurzporträts



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