So., 05.08.2018

Fußball: 3. Liga Alles gegeben, nichts bekommen – erste Preußen-Pleite der Saison gegen Jena

Hinfallen, hadern, wieder aufstehen: Am Dienstag geht es in Kaiserslautern weiter.

Hinfallen, hadern, wieder aufstehen: Am Dienstag geht es in Kaiserslautern weiter. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Diese Niederlage warf die Preußen für den Moment um. Doch mildernde Umstände waren dem Gastgeber nach dem 1:2 gegen Carl Zeiss Jena bei brütend heißen Temperaturen gewiss. Trainer Marco Antwerpen legte den Finger dennoch in die Wunde.

Von Alexander Heflik

Da war mehr drin. Hitze hin oder her, 0:2-Rückstand hin oder her, selbst bei der aus Münsters Sicht berechtigen Schiedsrichter-Schelte. Aber die Aufholjagd des SC Preußen wurde nicht belohnt. Ein phasenweise spielerisch guter Auftritt sowie kämpferisch eine gewaltige Steigerung nach der Pause reichten im ersten Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena nicht aus. Vom Thron gestoßen wurde der Drittligist aus Münster mit dem 1:2 (0:2) vor 7214 Zuschauern, wobei wirklich keiner der Tabellenführung großen Rang eingeräumt hatte.

Trainer Marco Antwerpen fand zu Beginn der englischen Woche kritische Worte für seine Mannschaft: „Wir bekommen das 0:1 durch einen Eckball. Aber ärgerlich ist die Reaktion der Mannschaft darauf. Wir waren plötzlich völlig raus aus dem Spiel.“ Nach dem Standard von Manfred Starke köpfte Maximilian Wolfram (28.) ein. Gerade war die der Wärme geschuldete Trinkpause vorbei, die Adlerträger noch einen Hauch zu tief im Ruhemodus versunken. Keinen traf so richtig die Schuld beim 0:1, nur können solche Szenen besser, entschiedener verteidigt werden.

Schweers-Ausfall droht

Innenverteidiger Lion Schweers wurde von Dennis Slamar unsanft von den Beinen geholt. Schiedsrichter Martin Petersen bewertete das als „normales“ Foulspiel. Zum einen sah Slamar deshalb nicht die zweite Gelbe Karte und durfte auf dem Feld bleiben.

Zum anderen zog sich der Abwehrspieler der Preußen eine Sprunggelenksverletzung zu. Sein Einsatz am Dienstag beim 1. FC Kaiserslautern (Anstoß 19 Uhr) ist mehr als fraglich. Der Zweitliga-Absteiger kam dank des Treffers von Lukas Spalvis beim Gastspiel in Großaspach zu einem 1:1 (1:1). Vor 9500 Zuschauern hatte Timo Röttger zur Führung für die SG Sonnehof getroffen. Der FCK ist ungeschlagen nach zwei Partien und erwartet den SCP am Dienstag am Betzenberg.

Und als wären Antwerpens Prophezeiungen vom Freitag Realität geworden: Jena spielte giftig, clever und vor allem effizient mit der Führung im Rücken. Als Münster mit sich selbst beschäftigt war, die Spieler krampfhaft versuchten, Ordnung in ihr Spiel und die Köpfe zu bekommen, erhöhte Felix Brügmann (39.) prompt auf 2:0. Ausgerechnet Münsters Mr. Zuverlässig, Sandrino Braun, hatte mit einem schlampigen Fehlpass das Tor eingeleitet.

Fotostrecke: Einzelkritik: Preußen Münster gegen Carl Zeiss Jena

Manchmal gibt es solche Niederlagen, die einem in Mark und Bein fahren. Oder man verliert so, wie es die Preußen taten. Nach der Pause hätte sich das Antwerpen-Team mindestens einen Punkt verdient. Schnell fiel der Ausgleich, weil René Klingenburg (48.) mit großer Übersicht eine Flanke von Fabian Menig zum 1:2 einköpfte.

Wenig später vergab Philipp Hoffmann die größte Möglichkeit zum Ausgleich (55.). „Den muss ich machen“, rätselte er nach der Partie weiter. Aber mit ihm und Tobias Warschewski brachten die Wechsel viel Schwung. „Die zweite Halbzeit war super von uns. Wir können uns nichts vorwerfen“, so Hoffmann.

Interview mit Sandrino Braun

Sandrino Braun stand für das Preußen-Spiel. Starker Beginn, großer Fehler, Comeback nach der Pause.

Warum hat der SCP das Spiel verloren?

Braun: Wir haben alles probiert, gut begonnen in der ersten Halbzeit. Aber nach dem 0:2 war alles über den Haufen geworfen, was wir uns vorgenommen hatten. Unsere zweite Halbzeit fand ich gut.

Am Dienstag geht es nach Kaiserslautern – mit welchem Gefühl?

Braun: Erst mal müssen wir dieses Spiel noch genau analysieren. Und dann bereiten wir uns vor und freuen uns auf eine geile Atmosphäre am Betzenberg.

In den letzten Spielzeiten wäre nach Heimniederlagen sofort Endzeitstimmung ausgebrochen. Jetzt gab es Applaus nach Abpfiff. Wie beurteilen Sie das jetzt?

Braun: Wir haben eine gute Reaktion gezeigt. Man sieht die Handschrift des Trainers. Alles muss sich noch finden. Und das war erst der zweite Spieltag.

Tatsächlich diktierte der SCP das Geschehen, hatte allerdings bis auf einen Abschluss von Kevin Rodrigues Pires kaum hochkarätige Chancen. Münster zeigte Biss und Punch, drückte trotz der Bullenhitze bis zum Schluss aufs Tempo, verlor dabei am Ende nur gänzlich die spielerische Linie. Kapitän Simon Scherder sprach für seine Mitstreiter: „Wir haben alles reingeworfen, was wir haben.“ Nur der Ausgleich fehlte.

Re-Live

Hier der Spielverlauf der Partie zum Nachlesen.

Vielleicht auch, weil Schiedsrichter Martin Petersen (Filderstadt) einen diskutablen Eindruck hinterließ. Zwei Mal forderten die Preußen Handelfmeter, Jenas bereits verwarnter Abwehrchef Dennis Slamar hätte nach einem Foulspiel an Lion Schweers den Platz verlassen müssen, und dann ließ der Bundesliga-Referee sehr viele Nickeligkeiten und grenzwertige Aktionen weiterlaufen.

Fotostrecke: Preußen Münster gegen Carl Zeiss Jena

Lange Leine, vor allem für die Gäste. Für Münsters Klingenburg war gerade die harte Gangart der Gäste keine Entschuldigung: „Jena hat das clever gemacht. Das gehört im Fußball dazu.“ Der Gast wagte über 90 Minuten noch ein Stückchen mehr in den Zweikämpfen als Münster, riskierte häufiger Fouls. Kein Preuße wurde verwarnt, dafür aber vier Gäste-Spieler. Es war der kleine Unterschied an diesem Tag.

Grimaldi-Grüße

Freundliche Grüße aus dem Grünwalder Stadion an die Hammer Straße schickte Ex-Kapitän Adriano Grimaldi am Samstag nach dem 5:1 des TSV 1860 München gegen die Sportfreunde Lotte. Sein Tor zum 2:0 feierte der Stürmer mit einer Hand vor den Augen.

Am Spielfeldrand wurde er nach Abpfiff gefragt, woher diese Gestik komme. „In Münster wurde ich von meinen Kollegen immer dafür kritisiert, dass ich keinen Torjubel habe. Nun habe ich mir diesen kürzlich im Rahmen eines Fotoshootings spontan einfallen lassen.“



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