Fußball: 3. Liga
2:1-Sieg über Kaiserslautern - Kobylanski lässt den SCP abheben

Kaiserslautern -

Eine kleine Sensation war nicht der Sieg des SC Preußen Münster, sondern die Art und Weise des 2:1 beim 1. FC Kaiserslautern. Nach dem 0:1 glich Fabian Menig (74.) aus, Martin Kobylanski traf in der 92. Minute per Freistoß zum Sieg.

Dienstag, 07.08.2018, 21:20 Uhr aktualisiert: 08.08.2018, 11:44 Uhr
Im letzten Moment geklärt: Münster Oliver Schnitzler fährt das Bein gegen Timmy Thiele (links) aus und verhindert das 0:1.
Im letzten Moment geklärt: Münster Oliver Schnitzler fährt das Bein gegen Timmy Thiele (links) aus und verhindert das 0:1. Foto: Jürgen Peperhowe

Diesen Auftritt auf dem in jeder Hinsicht brandheißen Betzenberg werden Spieler, Trainer, Anhänger des SC Preußen so schnell nicht vergessen. Der Außenseiter belohnte sich bei Top-Favorit und Zweitliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern im Traditionsduell für eine couragierte, abgebrühte und kämpferische Vorstellung mit einem 2:1 (0:0)-Sieg. Und das nach 0:1-Rückstand! Matchwinner: Joker Martin Kobylanski.

„Wir haben die Kulisse angenommen, uns nicht beeindrucken lassen“, sagte Trainer Marco Antwerpen. „Wir sind ein verdienter Sieger. Es macht uns unheimlich stolz, gerade hier das Ergebnis gedreht zu haben. Das gelingt wirklich nicht vielen.“

Gleich zu Beginn Duftmarken

Die Preußen setzten gleich zu Beginn zwei Duftmarken. Hoffmann bediente jeweils Warschewski von rechts, erst landete der Kopfball des Youngsters auf dem Tor, dann misslang ihm freistehend die Annahme (2., 3.). Die ersten Minuten prägte der SCP mit aggressiver Zweikampfführung und frühen Attacken. „Wir wussten, dass Lautern nicht sofort Druck ausübt und nicht so ins Pressing geht“, erläuterte Antwerpen.

Die forsche Art ließ sich allerdings nicht permanent aufrechterhalten. Die Hausherren brachten allmählich mehr ein, hatten ein paar Halbchancen. Richtig Glück hatte Münster, als Julius Biada nach einer Ecke aus drei Metern zu überrascht war und den Ball drüber nagelte (21.). Die Partie hatte hohen Unterhaltungswert, war zudem teils hitzig.

Eine hitzige Partie

Die Preußen, die nicht symmetrisch formiert waren und fast ausschließlich über rechts (Hoffmann) angriffen, waren in der entscheidenden Zone noch zu wenig präsent und fanden kaum Abschlüsse, hielten aber bemerkenswert dagegen.

Als es die Gäste etwas mit dem durchaus gewollten dem Zeitspiel übertrieben, ernteten sie gellende Pfiffe ernteten. Das kitzelte René Klingenburg. Er jagte einen Freistoß direkt aufs Tor. Jan-Ole Sievers parierte, beim ersten Nachsetzen von Scherder klärte Janek Sternberg mit Hilfe der Hand, der folgende Hoffmann-Schuss ging vorbei (37.) – kein Elfer.

1. FC Kaiserslautern - Preußen Münster

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  • 1. FC Kaiserslautern - Preußen Münster Foto: Jürgen Peperhowe
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Anders als in den bisherigen beiden Partien traf der SCP diesmal nicht direkt nach der Pause – sondern kassierte selbst ein blödes Gegentor. Nach einem Einwurf landete der Abpraller vor den Füßen von Kevin Kraus, der aus 23 Metern die Direktabnahme ins Netz donnerte (51.). Das war unglücklich hoch drei. „Ärgerlich, den hat er top getroffen“, befand Antwerpen. „Doch die Reaktion war sehr gut.“ Fast im Gegenzug verfehlte Niklas Heidemann den Kasten nur knapp (52.).

Drei Fragen an Martin Kobylanski

Auf die Bank versetzt, eingewechselt, Gas gegeben, Tor vorbereitet, Siegtreffer erzielt – was für ein Abend für Martin Kobylanski.Wo haben Sie denn bitte diese beiden herrlichen Freistöße hergezaubert?

Beim ersten hatte ich mich schon weggedreht und gefreut. Der kam mit Schnitt, den hat der Keeper noch stark geholt. Der zweite kam gar nicht genau in den Winkel, sondern eher vom Tor weg.

Hatten Sie Wut im Bauch, nachdem Trainer Marco Antwerpen die Offensiven stark kritisiert hatte?

Er weiß, was er an mir hat. Dass es mal eine Halbzeit nicht so klappt wie gegen Jena, ist halt so. Diesmal wollten wir die Mannschaft etwas kompakter aufstellen, das war die Trainer-Entscheidung. Aber er weiß auch, dass ich Freistöße übe und wir vorne gute Leute fürs Dribbling haben, die Standards herausholen.

Wie ist es denn jetzt den Betzenberg zu rocken?

Kobylanski: Schon geil. Respekt, dass auf einem Dienstag so viele Fans mitgereist sind. Für solche Momente spielen wir Fußball. Einfach super, hier ein Spiel zu drehen. Aber für uns war nach dem 1:1 die Marschroute, weiter vorne draufzugehen.

...

Reaktionsschnell über die Linie

Versteckt hatte sich der „Underdog“ bis dato keineswegs, jetzt aber war er gezwungen zu agieren. Die drei Wechsel (Rufat Dadashov, Tobias Rühle und Kobylanski) brachten den nötigen Schwung. Rühle hätte  nach seinem Flankenversuch und Florian Dicks Handspiel einen Elfmeter bekommen müssen (70.). Er reklamierte vergeblich und holte kurz darauf einen Freistoß raus – Kobylanski trat an, Sievers faustete, und Verteidiger Fabian Menig drückte das Leder reaktionsschnell über die Linie (74.). Sein erstes Tor für die Preußen, und das im Fritz-Walter-Stadion!

Alles zum Spiel

FCK: Sievers - Dick, Kraus, Hainault (72. Özdemir), Sternberg - Hemlein, Fechner, Albaek, Zuck - Biada (46. Spalvis), Thiele (84. Huth)

SCP: Schnitzler - Scherder, Kittner, Borgmann - Menig, Braun (68. Kobylanski), Rodrigues Pires, Heidemann - Klingenburg - Hoffmann (63. Rühle), Warschewski (63. Dadashov)

Schiedsrichter: Robert Kempter (Stockach)

Tore: 1:0 Kraus (51.), 1:1 Menig (74.), 1:2 Kobylanski (90.+2)

Zuschauer: 22.881

Gelb: Biada, Fechner, Spalvis, Sternberg / Borgmann, Rodrigues Pires, Heidemann, Schnitzler

...

So manches stimmt noch nicht

Die Lauterer Schlussoffensive war nun unvermeidlich. Schnitzler musste einen Freistoß von Mads Albaek entschärfen (82.). Das Publikum peitschte die „Roten Teufel“ nach vorn, die vergaßen dabei die Absicherung, was dem SCP zu Gute kam mit seinen frischen Kräften und guten Kontern. Klingenburg zog den Freistoß. Kobylanski schritt zur Tat – und drin! Aus 25 Metern in der 92. Minute! Direkt im Anschluss rettete Schnitzler erneut gegen Albaek (90.+3). Dann der Abpfiff. Bei Preußen brachen alle Dämme.

Einzelkritik: 1. FC Kaiserslautern gegen Preußen Münster

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  • Oliver Schnitzler: Sicher bei hohen Bällen, auch wenn er in die Sonne blickte. Sein viel zu flacher Abstoß blieb folgenlos, weil er ihn selber ausbügelte (18.). Kleine Unsicherheiten mit dem Ball am Fuß leistete er sich mehrfach. In der Schlussphase allerdings zwei starke Paraden. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Diesmal halbrechts in der Dreierkette eingesetzt und weitgehend abgeklärt. Als die Pfälzer es nach dem 1:1 immer häufiger mit hohen Bällen versuchten, stand er seinen Mann und war einer der Türme in der Schlacht. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Startelf-Debüt in dieser Saison, wie immer als Mittelmann. Dirigierte hervorragend. Als es in der hektischen Schlussphase ein ums andere Mal brenzlig wurde, schritt er voran, auch wenn er nicht jeden Ball sauber klärte. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jannik Borgmann: Erstmals in dieser Saison im Einsatz und ohne große Anpassungsprobleme. Die Zuordnung auf der linken Defensivseite wurde mit der Zeit auch immer besser. Beim 0:1 traf ihn keine Schuld, das war vor allem Lauterer Glück. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Zuverlässig gegen den Ball, hart im Zweikampf, allerdings landeten ein paar Bälle im Nichts. Seine Chips setzten Philipp Hoffmann oft gut ein. Großer Jubel dann nach seinem Premierentor. Aufmerksam hatte er auf die Chance gelauert und glich zum 1:1 aus. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun: Vor der Abwehr unermüdlich, schaltete sich sogar oft noch ins Pressing ein. Der Chef der Zweikämpfe ist er sowieso. Abstellen muss er jedoch seine vereinzelten schlampigen Abspiele. Wich Martin Kobylanski, als der SCP Tore brauchte. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: Rückte aus taktischen Gründen eine Position nach hinten und bewies Ballsicherheit und gutes Stellungsspiel, dazu Hartnäckigkeit. Ein paar Fehlpässe zu viel waren jedoch dabei. Auffällig: seine gute Physis. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann: Interpretierte seine Rolle phasenweise recht offensiv, weil vor ihm kein Flügelspieler mehr war, und zahlte links dabei einiges an Lehrgeld im Rückwärtsgang. Biss sich mit der Zeit aber immer besser fest. Hatte am Ende bei einigen harten Attacken etwas Glück. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg: Neue Rolle als Zehner und dabei lange kaum in Erscheinung. Starker Freistoß aus spitzem Winkel (37.). Rückte aus seiner Position zu wenig in die Spitze nach. Doch als die Crunchtime kam, holte er den Freistoß vor dem 2:1 heraus. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann: Erstmals von Beginn an dabei und sofort voll da. Machte mehrfach, gerade zu Anfang, Alarm über rechts und war der Aktivposten schlechthin. Als er kräftemäßig leicht abbaute, ging es gleich runter. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski: Auswärts wieder in der Anfangsformation und äußerst präsent. Suchte Abschlüsse, verlängerte Bälle oder legte sie ab - und arbeitete für die Mannschaft, auch wenn ihm die Kugel manchmal versprang. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov: Kam für Warschewski und beschäftigte die Lauterer Abwehr dabei ordentlich. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Ersetzte Hoffmann und war sofort drin. Spielte gute Bälle, machte Trouble und holte - seine Spezialität - Freistöße heraus. Etwa vor dem 1:1. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Eingewechselt für Braun und der große Gewinner des Abends. Starke Szenen im Konterspiel, aber vor allem: glänzend am ruhenden Ball. Toller Freistoß vor dem 1:1, super Siegtor ebenfalls per Freistoß. Was für ein Kurzauftritt! Note: 1,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
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