Fußball: 3. Liga
Preußen feiern Sieg auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ausgelassen

Kaiserslautern -

Der Fabian Menig ist ja ein Mann mit Humor. „Den zweiten Freistoß wollte ich eigentlich auch abstauben“, sagte der Preußen-Verteidiger nach der triumphalen Eroberung des Betzenbergs am Dienstagabend. „Aber den hat er dann selbst rein­gehauen.“ Gemeint war Martin Kobylanski, der Mann des Tages bei Münsters 2:1 (0:0)-Sieg beim 1. FC Kaiserslautern, von dem viele der Anwesenden noch in einigen Jahren nachfolgenden Generationen berichten wollen.

Mittwoch, 08.08.2018, 18:34 Uhr aktualisiert: 09.08.2018, 17:24 Uhr
Einzug der Gladiatoren mit Münsters Kapitän Simon Scherder an vorderster Front – danach stürmte der SC Preußen rotzfrech den legendären Betzenberg.
Einzug der Gladiatoren mit Münsters Kapitän Simon Scherder an vorderster Front – danach stürmte der SC Preußen rotzfrech den legendären Betzenberg. Foto: Jürgen Peperhowe

Dieser Moment, dieser drei Punkte bringende Treffer in der Nachspielzeit (90.+2), war der Startschuss zu einer langen schwarz-weiß-grünen Partynacht. Und das 67 Jahre nach dem DM-Finale und 54 Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen dieser beiden Traditionsclubs. Das Video, das Routinier Ole Kittner keine Stunde nach dem Abpfiff bei Instagram postete, war als Beweis für beste Laune an Bord des Mannschaftsbusses gar nicht nötig gewesen. Aber in Zeiten sozialer Medien gehören Dokumente singender Fußballer eben dazu. Auch auf diesem Sektor konnte sich die Mannschaft nach der Top-Leistung in der Pfalz sehen lassen.

Erst in die falsche Richtung gelaufen

Aus 19 Metern hatte Kobylanski zuvor Versuch Nummer eins auf den Kasten gezirkelt und FCK-Keeper Jan-Ole Sievers zur Parade gezwungen. Doch Menig drückte den Abpraller aufmerksam über die Linie (74.). „Schwer war der nicht, ich musste nur konzentriert bleiben“, räumte der Torschütze ein. Dann ging es ab in die Kurve. „Ich bin erst in die falsche Richtung gelaufen und habe dann noch mal umgedreht.“

Der Ausgleich war hochverdient

Kein Wunder. Im SCP-Trikot hatte der Rechtsverteidiger bisher noch nie ein Tor bejubelt. „Grundsätzlich muss man ja in solchen Situationen immer nachlaufen. Ich hatte diesmal aber das Gefühl, dass es sich lohnen könnte. Etwas Frust, der rausmusste, war nach zwei verweigerten Elfmetern sicher auch dabei“, sagte er. Stimmt. Für die Handspiele von Janek Sternberg (37.) und Florian Dick (71.) hätten durchaus Pfiffe ertönen dürfen. Egal, „wir waren schon in der ersten Hälfte besser, der Ausgleich war hochverdient. Und mit unseren Wechseln kam dann auch neuer Input“, so Menig.

1. FC Kaiserslautern - Preußen Münster

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  • 1. FC Kaiserslautern - Preußen Münster Foto: Jürgen Peperhowe
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Viele Variationsmöglichkeiten in der Offen­sive

Ein wesentlicher Aspekt. Auch wenn Trainer Marco Antwerpen die fehlende Breite im Kader beklagt, darf er sich dennoch über viele Variationsmöglichkeiten in der Offen­sive freuen. Neben Kobylanski brachte er in Lautern auch Tobias Rühle und Rufat Dadashov für die alles andere als enttäuschenden Tobias Warschewski und Philipp Hoffmann („Beide hatten ­viele Wege und lange Sprints“). Und auf der Bank saß sogar noch Lucas Cueto. Sechs unterschied­liche Spielertypen. Ein echtes Plus. Da kann jeder Wechsel eine Waffe sein. Bisher war das in allen drei Spielen der Fall.

Ich fand uns fußballerisch besser.

Trainer Marco Antwerpen

Auch die Abwehr hielt stand

Doch schon vor dem ersten Treffer hatten die Gäste überzeugt. „Ich fand uns fußballerisch besser“, sagte Antwerpen. „Wir haben viel über tiefe Pässe gelöst, unseren Spielstil auf den Gegner abgestimmt, bewusst rechts­lastig über Hoffmann agiert, nur anfangs die Situationen nicht immer durchgespielt. Wie wir dann nach dem 0:1 unseren Stiefel weitergespielt haben – das muss man auf dem Betzenberg erst mal so machen.“

Auch die Abwehr um Kittner und Simon Scherder hielt dem Druck permanent stand. „Wir haben fast alles wegverteidigt“, sagte der Coach. „Und wir wussten: Über Standards geht einiges.“ Dafür war ja Kobylanski da. Ob René Klingenburg – diesmal als Zehner aufgeboten, aber selten im Strafraum – nach 92 Minuten wusste, was folgen würde, als er den Freistoß rausholte und sofort die Faust ballte? Der Deutsch-Pole hielt, was er am ruhenden Ball verspricht.

Drei Fragen an Martin Kobylanski

Auf die Bank versetzt, eingewechselt, Gas gegeben, Tor vorbereitet, Siegtreffer erzielt – was für ein Abend für Martin Kobylanski.

Wo haben Sie denn bitte diese beiden herrlichen Freistöße hergezaubert?

Kobylanski: Beim ersten hatte ich mich schon weggedreht und gefreut. Der kam mit Schnitt, den hat der Keeper noch stark geholt. Der zweite kam gar nicht genau in den Winkel, sondern eher vom Tor weg.

Hatten Sie Wut im Bauch, nachdem Trainer Marco Antwerpen die Offensiven stark kritisiert hatte?

Kobylanski: Er weiß, was er an mir hat. Dass es mal eine Halbzeit nicht so klappt wie gegen Jena, ist halt so. Diesmal wollten wir die Mannschaft etwas kompakter aufstellen, das war die Trainer-Entscheidung. Aber er weiß auch, dass ich Freistöße übe und wir vorne gute Leute fürs Dribbling haben, die Standards herausholen.

Wie ist es denn jetzt den Betzenberg zu rocken?

Kobylanski: Schon geil. Respekt, dass auf einem Dienstag so viele Fans mitgereist sind. Für solche Momente spielen wir Fußball. Einfach super, hier ein Spiel zu drehen. Aber für uns war nach dem 1:1 die Marschroute, weiter vorne draufzugehen.

...

Zur Belohnung der Mittwoch frei

Böse über seinen Bankplatz gab er sich hinterher nicht. „Er ist selbst ein sehr kritischer Spieler und sucht die Fehler nicht bei uns“, attestierte ihm sein Trainer. Als es in der Schluss­phase hektischer, das Publikum lauter wurde und den Sieg erzwingen wollte, schaltete sich auch die Preußen-Bank vermehrt ein. Assistent Kurtulus Öztürk ging ins „Eins-gegen-Eins“ mit Lauterns Torwarttrainer-Legende „Gerry“ Ehrmann, der prompt auf die Tribüne musste. Nicht nur die SCP-Spieler waren an diesem Abend wehrhaft. „Ob wir hier ­ sicher rauskommen“, grinste Antwerpen, als er die Katakomben betrat.

Sie kamen. Und zur Belohnung gab’s den Mittwoch frei. Erst am Montag geht es zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte weiter. Nur eine verkappte Eng­lische Woche also. Die Regenerationsphase können die Preußen jetzt richtig gut gebrauchen.

Einzelkritik: 1. FC Kaiserslautern gegen Preußen Münster

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  • Oliver Schnitzler: Sicher bei hohen Bällen, auch wenn er in die Sonne blickte. Sein viel zu flacher Abstoß blieb folgenlos, weil er ihn selber ausbügelte (18.). Kleine Unsicherheiten mit dem Ball am Fuß leistete er sich mehrfach. In der Schlussphase allerdings zwei starke Paraden. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Diesmal halbrechts in der Dreierkette eingesetzt und weitgehend abgeklärt. Als die Pfälzer es nach dem 1:1 immer häufiger mit hohen Bällen versuchten, stand er seinen Mann und war einer der Türme in der Schlacht. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Startelf-Debüt in dieser Saison, wie immer als Mittelmann. Dirigierte hervorragend. Als es in der hektischen Schlussphase ein ums andere Mal brenzlig wurde, schritt er voran, auch wenn er nicht jeden Ball sauber klärte. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jannik Borgmann: Erstmals in dieser Saison im Einsatz und ohne große Anpassungsprobleme. Die Zuordnung auf der linken Defensivseite wurde mit der Zeit auch immer besser. Beim 0:1 traf ihn keine Schuld, das war vor allem Lauterer Glück. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Zuverlässig gegen den Ball, hart im Zweikampf, allerdings landeten ein paar Bälle im Nichts. Seine Chips setzten Philipp Hoffmann oft gut ein. Großer Jubel dann nach seinem Premierentor. Aufmerksam hatte er auf die Chance gelauert und glich zum 1:1 aus. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun: Vor der Abwehr unermüdlich, schaltete sich sogar oft noch ins Pressing ein. Der Chef der Zweikämpfe ist er sowieso. Abstellen muss er jedoch seine vereinzelten schlampigen Abspiele. Wich Martin Kobylanski, als der SCP Tore brauchte. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: Rückte aus taktischen Gründen eine Position nach hinten und bewies Ballsicherheit und gutes Stellungsspiel, dazu Hartnäckigkeit. Ein paar Fehlpässe zu viel waren jedoch dabei. Auffällig: seine gute Physis. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann: Interpretierte seine Rolle phasenweise recht offensiv, weil vor ihm kein Flügelspieler mehr war, und zahlte links dabei einiges an Lehrgeld im Rückwärtsgang. Biss sich mit der Zeit aber immer besser fest. Hatte am Ende bei einigen harten Attacken etwas Glück. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg: Neue Rolle als Zehner und dabei lange kaum in Erscheinung. Starker Freistoß aus spitzem Winkel (37.). Rückte aus seiner Position zu wenig in die Spitze nach. Doch als die Crunchtime kam, holte er den Freistoß vor dem 2:1 heraus. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann: Erstmals von Beginn an dabei und sofort voll da. Machte mehrfach, gerade zu Anfang, Alarm über rechts und war der Aktivposten schlechthin. Als er kräftemäßig leicht abbaute, ging es gleich runter. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski: Auswärts wieder in der Anfangsformation und äußerst präsent. Suchte Abschlüsse, verlängerte Bälle oder legte sie ab - und arbeitete für die Mannschaft, auch wenn ihm die Kugel manchmal versprang. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov: Kam für Warschewski und beschäftigte die Lauterer Abwehr dabei ordentlich. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Ersetzte Hoffmann und war sofort drin. Spielte gute Bälle, machte Trouble und holte - seine Spezialität - Freistöße heraus. Etwa vor dem 1:1. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Eingewechselt für Braun und der große Gewinner des Abends. Starke Szenen im Konterspiel, aber vor allem: glänzend am ruhenden Ball. Toller Freistoß vor dem 1:1, super Siegtor ebenfalls per Freistoß. Was für ein Kurzauftritt! Note: 1,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
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