Do., 09.08.2018

Fußball: 3. Liga Preußen feiern Sieg auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ausgelassen

Einzug der Gladiatoren mit Münsters Kapitän Simon Scherder an vorderster Front – danach stürmte der SC Preußen rotzfrech den legendären Betzenberg.

Einzug der Gladiatoren mit Münsters Kapitän Simon Scherder an vorderster Front – danach stürmte der SC Preußen rotzfrech den legendären Betzenberg. Foto: Jürgen Peperhowe

Kaiserslautern - 

Der Fabian Menig ist ja ein Mann mit Humor. „Den zweiten Freistoß wollte ich eigentlich auch abstauben“, sagte der Preußen-Verteidiger nach der triumphalen Eroberung des Betzenbergs am Dienstagabend. „Aber den hat er dann selbst rein­gehauen.“ Gemeint war Martin Kobylanski, der Mann des Tages bei Münsters 2:1 (0:0)-Sieg beim 1. FC Kaiserslautern, von dem viele der Anwesenden noch in einigen Jahren nachfolgenden Generationen berichten wollen.

Von Thomas Rellmann

Dieser Moment, dieser drei Punkte bringende Treffer in der Nachspielzeit (90.+2), war der Startschuss zu einer langen schwarz-weiß-grünen Partynacht. Und das 67 Jahre nach dem DM-Finale und 54 Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen dieser beiden Traditionsclubs. Das Video, das Routinier Ole Kittner keine Stunde nach dem Abpfiff bei Instagram postete, war als Beweis für beste Laune an Bord des Mannschaftsbusses gar nicht nötig gewesen. Aber in Zeiten sozialer Medien gehören Dokumente singender Fußballer eben dazu. Auch auf diesem Sektor konnte sich die Mannschaft nach der Top-Leistung in der Pfalz sehen lassen.

Erst in die falsche Richtung gelaufen

Aus 19 Metern hatte Kobylanski zuvor Versuch Nummer eins auf den Kasten gezirkelt und FCK-Keeper Jan-Ole Sievers zur Parade gezwungen. Doch Menig drückte den Abpraller aufmerksam über die Linie (74.). „Schwer war der nicht, ich musste nur konzentriert bleiben“, räumte der Torschütze ein. Dann ging es ab in die Kurve. „Ich bin erst in die falsche Richtung gelaufen und habe dann noch mal umgedreht.“

Der Ausgleich war hochverdient

Kein Wunder. Im SCP-Trikot hatte der Rechtsverteidiger bisher noch nie ein Tor bejubelt. „Grundsätzlich muss man ja in solchen Situationen immer nachlaufen. Ich hatte diesmal aber das Gefühl, dass es sich lohnen könnte. Etwas Frust, der rausmusste, war nach zwei verweigerten Elfmetern sicher auch dabei“, sagte er. Stimmt. Für die Handspiele von Janek Sternberg (37.) und Florian Dick (71.) hätten durchaus Pfiffe ertönen dürfen. Egal, „wir waren schon in der ersten Hälfte besser, der Ausgleich war hochverdient. Und mit unseren Wechseln kam dann auch neuer Input“, so Menig.

Fotostrecke: 1. FC Kaiserslautern - Preußen Münster

Viele Variationsmöglichkeiten in der Offen­sive

Ein wesentlicher Aspekt. Auch wenn Trainer Marco Antwerpen die fehlende Breite im Kader beklagt, darf er sich dennoch über viele Variationsmöglichkeiten in der Offen­sive freuen. Neben Kobylanski brachte er in Lautern auch Tobias Rühle und Rufat Dadashov für die alles andere als enttäuschenden Tobias Warschewski und Philipp Hoffmann („Beide hatten ­viele Wege und lange Sprints“). Und auf der Bank saß sogar noch Lucas Cueto. Sechs unterschied­liche Spielertypen. Ein echtes Plus. Da kann jeder Wechsel eine Waffe sein. Bisher war das in allen drei Spielen der Fall.

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Ich fand uns fußballerisch besser.

Trainer Marco Antwerpen

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Auch die Abwehr hielt stand

Doch schon vor dem ersten Treffer hatten die Gäste überzeugt. „Ich fand uns fußballerisch besser“, sagte Antwerpen. „Wir haben viel über tiefe Pässe gelöst, unseren Spielstil auf den Gegner abgestimmt, bewusst rechts­lastig über Hoffmann agiert, nur anfangs die Situationen nicht immer durchgespielt. Wie wir dann nach dem 0:1 unseren Stiefel weitergespielt haben – das muss man auf dem Betzenberg erst mal so machen.“

Auch die Abwehr um Kittner und Simon Scherder hielt dem Druck permanent stand. „Wir haben fast alles wegverteidigt“, sagte der Coach. „Und wir wussten: Über Standards geht einiges.“ Dafür war ja Kobylanski da. Ob René Klingenburg – diesmal als Zehner aufgeboten, aber selten im Strafraum – nach 92 Minuten wusste, was folgen würde, als er den Freistoß rausholte und sofort die Faust ballte? Der Deutsch-Pole hielt, was er am ruhenden Ball verspricht.

Drei Fragen an Martin Kobylanski

Auf die Bank versetzt, eingewechselt, Gas gegeben, Tor vorbereitet, Siegtreffer erzielt – was für ein Abend für Martin Kobylanski.

Wo haben Sie denn bitte diese beiden herrlichen Freistöße hergezaubert?

Kobylanski: Beim ersten hatte ich mich schon weggedreht und gefreut. Der kam mit Schnitt, den hat der Keeper noch stark geholt. Der zweite kam gar nicht genau in den Winkel, sondern eher vom Tor weg.

Hatten Sie Wut im Bauch, nachdem Trainer Marco Antwerpen die Offensiven stark kritisiert hatte?

Kobylanski: Er weiß, was er an mir hat. Dass es mal eine Halbzeit nicht so klappt wie gegen Jena, ist halt so. Diesmal wollten wir die Mannschaft etwas kompakter aufstellen, das war die Trainer-Entscheidung. Aber er weiß auch, dass ich Freistöße übe und wir vorne gute Leute fürs Dribbling haben, die Standards herausholen.

Wie ist es denn jetzt den Betzenberg zu rocken?

Kobylanski: Schon geil. Respekt, dass auf einem Dienstag so viele Fans mitgereist sind. Für solche Momente spielen wir Fußball. Einfach super, hier ein Spiel zu drehen. Aber für uns war nach dem 1:1 die Marschroute, weiter vorne draufzugehen.

Zur Belohnung der Mittwoch frei

Böse über seinen Bankplatz gab er sich hinterher nicht. „Er ist selbst ein sehr kritischer Spieler und sucht die Fehler nicht bei uns“, attestierte ihm sein Trainer. Als es in der Schluss­phase hektischer, das Publikum lauter wurde und den Sieg erzwingen wollte, schaltete sich auch die Preußen-Bank vermehrt ein. Assistent Kurtulus Öztürk ging ins „Eins-gegen-Eins“ mit Lauterns Torwarttrainer-Legende „Gerry“ Ehrmann, der prompt auf die Tribüne musste. Nicht nur die SCP-Spieler waren an diesem Abend wehrhaft. „Ob wir hier ­ sicher rauskommen“, grinste Antwerpen, als er die Katakomben betrat.

Sie kamen. Und zur Belohnung gab’s den Mittwoch frei. Erst am Montag geht es zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte weiter. Nur eine verkappte Eng­lische Woche also. Die Regenerationsphase können die Preußen jetzt richtig gut gebrauchen.

Fotostrecke: Einzelkritik: 1. FC Kaiserslautern gegen Preußen Münster



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