Sa., 25.08.2018

Fußball: 3. Liga Preußen stürzen im Derby in Osnabrück unglücklich, aber heftig ab

Viel schlimmer hätte das Derby für Preußen Münster nicht laufen können. Beim VfL Osnabrück verlor der bisherige Spitzenreiter mit 0:3 (0:2).

Viel schlimmer hätte das Derby für Preußen Münster nicht laufen können. Beim VfL Osnabrück verlor der bisherige Spitzenreiter mit 0:3 (0:2). Foto: Sebastian Sanders

Osnabrück - 

Viel schlimmer hätte das Derby für Preußen Münster nicht laufen können. Beim VfL Osnabrück verlor der bisherige Spitzenreiter mit 0:3 (0:2). Die größtenteils gute erste Hälfte war wertlos, weil es kurz vor der Pause knüppeldick kam.

Von Thomas Rellmann

Es hat schon eine ganze Reihe giftiger und spektakulärer Derbys zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster in der 3. Liga gegeben in den vergangenen Jahren. So übel wie am Samstag hat es den SCP aber noch nie erwischt. Trotz eines hervorragenden Starts in die Partie schlich der Tabellenführer nach dem vierten Spieltag diesmal mit einer 0:3 (0:2)-Schlappe vom Platz. Zudem verletzte sich Keeper Oliver Schnitzler, der danach bei zwei Gegentreffern Pech hatte, und Simon Scherder flog vom Platz. Und die Niedersachsen schoben sich zu allem Überfluss auch noch vorbei auf Platz eins.

Trainer Marco Antwerpen war natürlich enttäuscht: "In der ersten Halbzeit haben wir eine Top-Leistung geboten mit vielen Chancen aus dem Spiel heraus oder nach Standards. Dazu ein verweigerter Elfmeter. Die Gegentore kriegen wir in Serie zu schnell. In der zweiten Halbzeit haben wir dagegen gehalten, hatten die Möglichkeit auf den Anschluss. Das 3:0 war dann die Krone des Ganzen." Er resümierte: "Kein guter Tag, aber mit der Vorstellung waren wir einverstanden."  Scherder betonte: "Bei meinem Platzverweis wollte ich den Schuss blocken, der Ball war an der Hand, aber nicht mit Absicht." Zudem befand der Kapitän: "Wir haben eigentlich super gespielt und hatten super Chancen. Auch nach dem Rückstand sind wir aus der Pause gut rausgekommen." René Klingenburg sagte: "Wir müssen uns den Vorwurf machen, kein Tor geschossen zu haben. Allein ich muss zwei oder drei machen."

Heißes, spannendes Duell

Im Roulette „Zwei aus sechs“ erhielten beim Gast Philipp Hoffmann und Tobias Rühle den Zuschlag für die Doppelspitze. Kein Strafraumstürmer also, dafür zwei Konterspezialisten. Ein Hinweis auf die Ausrichtung? Wie sich später zeigte, eher nicht. Die beiden zusammen vorne drin - das war eine Premiere. In der Dreierkette ersetzte überraschend Dominik Lanius, der sein Liga-Debüt für den SCP feierte, den verletzten Ole Kittner im Zentrum. Lion Schweers blieb draußen.

Fotostrecke: Vfl Osnabrück vs. Preußen Münster

Es war von der ersten Sekunde an ein heißes, spannendes, enges Duell. Und das war wörtlich zu nehmen. Nach drei Sekunden foulte René Klingenburg Ulrich Taffertshofer, nach zwölf Sekunden zwang Marcos Alvarez mit seinem Abschluss SCP-Keeper Schnitzler zum Eingreifen. Münster war zwar nominell defensiv ausgerichtet, hatte aber leichte optische Vorteile und definitiv die besseren Chancen. Etwa über Rühle und Scherder nach einer Ecke (7.). Über Klingenburg, der am Ex-Preußen Nils Körber scheiterte (10.). Über Jannik Borgmann, dessen Kopfball nach Rühles Ecke an den Pfosten klatschte (27.). Zudem hätte das Überraschungsteam, das mehr für die Partie tat, nach einem Handspiel von Maurice Trapp noch einen Elfmeter kriegen können (26.).

Fatale sechs Minuten

Die Gastgeber kamen einige Male gefährlich über die Außen, doch bis auf einen Abschluss von Anas Ouahim (17.), den Schnitzler abwehrte, war da wenig Brenzliges dabei. Die Dreierreihe hielt lange gut. Dann aber folgten fatale sechs Minuten für die Münsteraner. Alvarez schüttelte im Strafraum Borgmann entschlossen ab, frei vor Schnitzler schoss er dem Keeper (unabsichtlich) an den Kopf (38.). Die Nummer eins musste behandelt werden und war bei der folgenden Ecke gleich im Blickpunkt. Den durchrauschenden Ball nahm Taffertshofer direkt, Schnitzler wehrte die Kugel vor die Füße von Trapp ab, der zum 1:0 aus spitzem Winkel eindrückte (39.). Vier Minuten später riss Scherder bei einem Konter David Blacha vor dem Sechzehner um, sah Gelb - und dann, wie Alvarez den fälligen Freistoß ins Torwarteck schlenzte (43.). Bitter, bitter, bitter für den SCP. Schnitzler kühlte sich beim Gang in die Kabine noch die Schläfe. Glasklare Torwartfehler waren es vielleicht nicht, doch eine gewisse Benommenheit ließ sich nicht leugnen. Spätestens nicht in dem Moment, als sich Ersatzmann Max Schulze Niehues in der Halbzeit bereit machte. Später stellte sich eine Gehirnerschütterung heraus. Zudem musste sich der 22-Jährige in der Halbzeit sogar übergeben.

Fotostrecke: Einzelkritik Vfl Osnabrück vs. Preußen Münster

Der zweite Keeper und Rufat Dadashov kamen. Neben Pechvogel Schnitzler musste auch Dominik Lanius weichen. Grund war die taktische Umstellung auf Viererkette und ein 4-3-3. Die Preußen waren nun gezwungen, das Spiel zu machen. Keine leichte Aufgabe gegen tiefstehende Hausherren, die auch noch blitzschnell umschalteten. Immerhin hatten die Außenverteidiger zwei Großchancen in einer wilden Phase der Partie. Doch erst Menig (57.), dann Niklas Heidemann (59.) scheiterten am glänzenden Körber, und das aus bester Position. Dazwischen lag jedoch auch die Chance zur Entscheidung, die Ouahim liegen ließ (58.).

Münster gibt sich kämpferisch

Die war dann nach 67 Minuten allerdings da. Ouahim zog aus der Distanz ab. Der bereits verwarnte Scherder bekam den Ball an den Arm. Das ergab die Ampelkarte und Elfmeter - Alvarez verwandelte sicher. Damit war dann die Luft raus. Münster meldete sich zumindest kämpferisch noch zwei Mal zu Wort. Nach einem Freistoß und dann einer Ecke des für Hoffmann eingewechselten Kobylanski kam Borgmann jeweils zum Kopfball, doch beide Male parierte der überragende Körber (84., 85.). Es passte einfach zu diesem Spiel, in dem der SCP die besseren Chancen, aber kein Glück hatte. Und einen ehemaligen Münsteraner im Kasten sah, der zu ganz großer Form auflief.

Zum Spiel:

VfL: Körber - Engel, Susac, Trapp, Dercho (13. S. Tigges) - Taffertshofer, Ouahim (83. Krasniqi), Blacha - Renneke, Alvarez (77. Farrona Pulido), Heider

SCP: Schnitzler (46. Schulze Niehues) - Scherder, Lanius (46. Dadashov), Borgmann - Menig, Braun, Rodrigues Pires, Heidemann - Klingenburg - Rühle, Hoffmann (57. Kobylanski)

Schiedsrichter: Robert Kampka (Mainz)

Tore: 1:0 Trapp (39.), 2:0 Alvarez (43.), 3:0 Alvarez (67./HE)

Zuschauer: 14 100

Gelb: Ouahim / Rodrigues Pires, Dadashov

Gelb-Rot: Scherder (67.)



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